von Carolin Metz

Die Bertelsmann University

Wie man sich ein Netzwerk baut

Philipp Lück ist Vorstandsassistent und hat geholfen, den Geschäftsbereich arvato neu zu organisieren. Da kam ihm die Teilnahme an einem Programm der Bertelsmann University sehr gut gelegen - denn bei den "Orientation Days" hat er sich ein Netzwerk aufgebaut, dass er bei der Neu-Organisation gleich nutzen konnte.

 

Philipp Lück arbeitet bei Bertelsmann und hat an den "Orientation Days" der Bertelsmann University teilgenommen. [Bildquelle: Bertelsmann]

Philipp Lück (25) hat BWL an der WHU Vallendar studiert und war für ein Auslandssemester in Mexiko-City. Im September 2010 ist er bei Bertelsmann eingestiegen als Assistent des arvato-Vorstands Markus Schmedtmann. Seit kurzem ist er Bereichsleiter eCommerce in der medienfabrik Gütersloh.

An welchem Programm haben Sie teilgenommen?
An den "Orientation Days". Das sind zwei Tage, an denen man Bertelsmann-Kollegen aus ganz Europa kennenlernt und einen Überblick über Bertelsmann bekommt. Das Programm ist gedacht für "Neu-Bertelsmänner", die ungefähr seit neun bis zwölf Monaten im Unternehmen sind. Ich habe Kollegen aus Deutschland, Polen, Frankreich, Italien, Großbritannien, Irland und Spanien getroffen.

 

Wie viele Kollegen waren dabei?
Wir waren insgesamt ungefähr 20 Teilnehmer: Vertriebsleiter, Vorstandsassistenten, Mitarbeiter der Konzernentwicklung, aus dem Personalabteilung, Controlling, Vertrieb. Es gab auch einen Kollegen aus der Direct Group, der schon seit 20 Jahren berufstätig ist, aber eben jetzt erst bei Bertelsmann eingestiegen ist. Die Teilnehmer kommen aus allen Divisionen, von arvato über RTL bis Gruner + Jahr. Die zwei Tage sollen helfen, sich bei Bertelsmann zu orientieren, die anderen Divisionen kennenzulernen und zu netzwerken.

Was hat Ihnen der Besuch der Bertelsmann University gebracht?
Ich bin Assistent des arvato-Vorstands Markus Schmedtmann. Ein großes Projekt war die Neu-Organisation des Geschäftsbereichs. Dafür war es wichtig, dass ich mich gut im Unternehmen vernetze. Zu diesem Zweck sind die Programme der Bertelsmann University sehr gut geeignet, dort lernt man Kollegen aus allen Unternehmensbereichen kennen. Unser Ziel war es, die arvato-Abteilungen mehr nach Branchen und Lösungen für Kunden auszurichten. Ich habe meinen Vorgesetzten bei der Umsetzung der arvato-Strategie unterstützt, Verbindungen zwischen den Abteilungen hergestellt und war damit Schnittstelle und Ansprechpartner.

Wie liefen die "Orientation Days" ab?
Zu Beginn haben wir uns alle vorgestellt, dann ging es direkt in den Workshop. Kern des Workshops war, sich gegenseitig die Divisionen zu präsentieren. Um den Lerneffekt zu erhöhen, stellte niemand seine eigene Division vor, sondern eine "fremde". Das war spannend: Wir erfuhren Zahlen, inhaltliche Besonderheiten, wer die Mitarbeiter sind. Die Präsentationen hielten wir vor der ganzen Gruppe, und da saßen dann natürlich Vertreter aus der gerade vorgestellten Division, die dann Zusatzinfos gaben oder verbesserten: "Das hast du ein bisschen falsch verstanden, das läuft eigentlich so und so." Ich habe die Direct Group vorgestellt.

Haben Sie dabei auch Neues über Ihre Division arvato gelernt?
Es war interessant für mich, um mein "Selbstbild" von arvato zu überprüfen: Wie nehmen die anderen im Konzern "meine" Division wahr? Für die Neu-Organisation hat mir das einige Erkenntnisse gebracht, wo wir Verbesserungspotenzial haben. Ein Feedback war zum Beispiel: "arvato macht ja irgendwie alles". Ich konnte dann erklären, dass es durchaus gewollt ist, dass arvato an mehreren Stellen aktiv ist.

Und wie ging es nach dem Workshop weiter?
Am nächsten Tag fand ein zweiter Workshop statt, der die Zusammenarbeit zwischen den Divisionen fördern sollte. Unsere Aufgabe war es, eine Geschäftsidee zu entwickeln, die über die einzelne Division hinausgeht. Zum Beispiel: Was kann arvato in Zusammenarbeit mit Random House und der Direct Group im E-Book-Markt tun? Bei der Vorstellung unserer Ergebnisse war auch ein Kollege aus dem "Corporate Network" dabei, also der Abteilung, die die Kontakte zwischen den Divisionen herstellt und solche Themen vorantreibt. Der hat unsere Ideen dann gleich in seine tägliche Arbeit mitgenommen, und zwei bis drei Themen aus unserem Workshop werden gerade konkret weiterverfolgt.

Gab es auch Zeit für persönliche Gespräche?
In den Pausen haben wir Teilnehmer uns unterhalten. Bei mir ist das Thema Druckerei natürlich immer wichtig, und passenderweise war bei der Veranstaltung auch ein Vertreter von Prinovis, einem Joint Venture von Springer, arvato und Gruner + Jahr. Der Austausch mit diesem Kollegen war interessant, wir haben uns über Kostensteigerungen bei Druckereien unterhalten, über Insolvenzen, die stattgefunden haben, eben über das, was gerade aktuell ist im Markt. Wir haben weiterhin Kontakt, auch nach der Veranstaltung haben wir ein paar Mal telefoniert.

Was haben Sie aus dem Programm mitgenommen?
Ich treffe mich regelmäßig mit den Leuten, die da waren, zum Beispiel zum Mittagessen. Wir tauschen uns aus, geben uns Tipps und diskutieren über Geschäftsmodelle im Internet-Umfeld. Mit denen, die weiter weg arbeiten, habe ich Kontakt per E-Mail oder übers Telefon. Wir halten das Netzwerk aufrecht - immerhin weiß man nie, was in der Zukunft auf den Tisch kommt und wo man sich gegenseitig helfen könnte. Operativ hat sich bei mir nichts geändert, darauf sind "Orientation Days" aber auch nicht ausgerichtet. Die nachfolgenden Programme sind Führungsprogramme, da wird es dann mehr so sein, dass man was mitnimmt für den persönlichen Alltag.

Im Interview berichtet Organisatorin Katharina Reeke, wieso Bertelsmann eine eigene University aufgebaut und nicht auf vorhandene Weiterbildungen zurückgegriffen hat.

Weitere Informationen: Website der Bertelsmann University

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