Jubiläum - 175 Jahre Bertelsmann
Die Buchwelt steht Kopf
Die 50er Jahre in Deutschland: Finanzsachbearbeiter Müller liest keine Bücher. Warum? Er traut sich nicht in den Buchladen, denn die richteten sich vor allem an Kunden aus dem gehobenen Bildungsbürgertum. Aber dann erfand Bertelsmann den Lesering - und stellte die Buchwelt auf den Kopf.
Lesering-Mitglieder konnten sich per Katalog Buchvorschläge ins Haus liefern lassen und diese dann bestellen. Ein Meilenstein in der 175-Jährigen Geschichte des Medienkonzerns und die Grundlage des heutigen Unternehmens. Das findet auch Bertelsmann-Historiker Uwe Tack. Für ihn bedeutet die Gründung des Lese-Rings die Wende vom Gesangbuch-Verlag hin zum Medienkonzern: "Ein Glücksgriff und eine mutige, unternehmerische Entscheidung."
Uwe Tack (36) ist Historiker bei Bertelsmann. Im Firmen-Archiv ist er zuständig für die Geschichte von Bertelsmann. Dort wird alles gesammelt - Bücher, Briefe, Geschäftsberichte, Filme, Podcasts und Broschüren.
Die Gründung des Lese-Rings war ohne Zweifel sehr wichtig für Bertelsmann. Gibt es weitere Meilensteine?
Als Historiker fallen mir einige ein. Die wichtigsten sind wohl die, bei denen Bertelsmann neue Firmen gegründet oder in neue Märkte investiert hat.
Welche Investitionen waren das?
1958 zum Beispiel die Gründung der Plattenfirma Ariola. Der Einstieg ins Musikgeschäft war getan. Danach folgten 1969 die Beteiligung an Gruner und Jahr, 1977 die Ausdehnung auf den US-Markt mit Bantom Books. Und natürlich 1984 der Einstieg bei RTL.
Musste man bei solch rasantem Wachstum keine Angst haben, dass das Unternehmen sich übernimmt?
Es war immer gut, dass Bertelsmann einen mutigen Unternehmer an der Spitze hatte. Reinhard Mohn hat einige Entwicklungen vorausgesehen und ist rechtzeitig auf den Zug aufgesprungen - zum Beispiel beim Privatfernsehen. Es hat geholfen, dass Bertelsmann von Anfang an dabei war. Zusätzlich wurde das Unternehmen 1971 in eine AG umgewandelt. Dies schaffte mehr Transparenz nach außen und sorgte für Kontinuität in der Führung. Wichtig für den Unternehmenserfolg waren aber auch weiche Aspekte.
Welche sind das?
Zum einen hat Bertelsmann früh den Schritt ins Ausland gewagt und so eine Menge über interkulturelle Zusammenarbeit gelernt. Das ist immer noch ein Vorteil. Außerdem hat Mohn erkannt, dass die spezielle Firmenkultur von Bertelsmann nicht nur gelebt, sondern auch festgeschrieben werden müsse. So profitieren auch heutige Mitarbeiter noch davon.
Was macht die Firmenkultur aus?
Die dezentrale Organisation, flache Hierarchien und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit sind die Kernpunkte der Kultur. Und gleichzeitig ein schöner Anreiz zum Beispiel für den Nachwuchs, sich zu engagieren. Sie können eigene Ideen einbringen und sich so nach oben arbeiten. Dass es sich lohnt, sehen sie an anderen Beispielen. Es gibt viele Führungskräfte, die bei Bertelsmann direkt nach dem Studium angefangen haben und geblieben sind.
Judith Charles ist Manager Employer Branding bei Bertelsmann in Gütersloh. Im Jubiläumsjahr organisiert sie zahlreiche Veranstaltungen für Studenten und Absolventen.
Welche Veranstaltungen haben Sie für das Jubiläumsjahr geplant?
Für die Mitarbeiter und Geschäftspartner wird es zwei Veranstaltungen geben. Ein großes Fest in Gütersloh und eine offizielle Gala-Veranstaltung in Berlin mit Geschäftspartnern und Vertretern aus der Politik. Studenten und Absolventen können Bertelsmann bei verschiedenen Veranstaltungen kennenlernen.
Bei welchen zum Beispiel?
Sehr interessant ist das Event "Talent Meets Bertelsmann" im Juli. Für diese Veranstaltung läuft bereits die Bewerbungsphase. Alle Teilnehmer unserer vergangenen Events aus dieser Veranstaltungsreihe laden wir außerdem am 30. September zu einem Alumni-Treffen nach Berlin ein. Dort können sie ihren Kontakt zu Bertelsmann auffrischen, aber auch andere Studierende kennenlernen und ihr Netzwerk ausbauen.
