Partner von:

Schuldenfreie Freiberufler?

Apfel

Apfel

Warum hast du dich nach deinem ersten Staatsexamen für eine Promotion entschieden?
 Dafür gab es zwei Gründe. Schon während des Studiums haben mir Haus- und Seminararbeiten viel Spaß gemacht. Und dabei hatte ich die Möglichkeit, mich über einen längeren Zeitraum vertieft mit Problemen auseinanderzusetzen und die unterschiedlichen Meinungen nicht nur zu lernen, sondern selbst zu verstehen und darüber nachzudenken. Dabei habe ich auch gemerkt, dass die intensive methodische Arbeit nicht nur reiner wissenschaftlicher Selbstzweck ist, sondern einem auch dabei hilft, juristische Fragestellungen zu lösen. Von daher verspreche ich mir durch die Arbeit an der Dissertation auch Vorteile für meinen späteren Berufsalltag.
 
 Ein weiterer wichtiger Aspekt war, dass ich nicht direkt in das Referendariat und damit die Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen starten wollte. Nach der langen Lernphase für das erste Staatsexamen wollte ich mir eine Zeit gönnen, in der ich meinen Arbeitsschwerpunkt und meine Arbeitsweise selbst bestimmen kann.
 

Wie bist du zu deinem Doktorvater gekommen?
 Ich habe bei meinem Doktorvater während des Studiums eine Seminararbeit geschrieben und bei einer von ihm organisierten Karrieremesse mitgeholfen. Dadurch ist der Kontakt zum Lehrstuhl entstanden.
 

Wie hast du dich beworben?
 Mein Doktorvater hat auf seine Website Hinweise für Promotionsanfragen gestellt. Neben den üblichen Bewerbungsunterlagen habe ich, wie von ihm gewünscht, zunächst schriftlich einige Themenvorschläge eingereicht. Nach ungefähr einer Woche bekam ich eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch, in dem er mit mir die Themenvorschläge näher besprochen hat.
 

Erläutere doch bitte dein Thema in ein paar "laientauglichen" Sätzen.
 Ich untersuche die Frage, ob Freiberufler, also Rechtsanwälte, Ärzte oder Architekten beim Kauf einer Kanzlei oder Praxis oder beim Eintritt in eine solche für die Schulden des ehemaligen (Allein-)Inhabers haften. Dies können sowohl Schulden sein, die durch berufliche Fehler entstanden sind, als auch angelaufene sonstige Verbindlichkeiten, etwa aus Mietverhältnissen. Für normale kaufmännische Unternehmen gibt es dafür im Handelsgesetzbuch (HGB) spezielle Vorschriften. Freiberufler werden von diesen Regelungen jedoch nicht direkt erfasst. Ich untersuche nun, ob es Gründe für diese Sonderbehandlung gibt oder ob hier eine ungerechtfertigte Lücke besteht und diese Vorschriften des HGB auch auf Freiberufler angewendet werden sollten.
 

Wie bist du zu deinem Thema gekommen?
 Ich habe während des Studiums eine Seminararbeit bei meinem Doktorvater geschrieben, in der ich mein jetziges Thema bereits gestreift habe. Ich habe damals gemerkt, dass zu diesem Thema in letzter Zeit zwar einige Aufsätze und Urteilsanmerkungen geschrieben worden sind, die letzten ausführlichen Untersuchungen aber mehrere Jahrzehnte zurückliegen. Durch einige Gesetzesänderung und vor allem interessante Gerichtsentscheidungen in letzter Zeit gibt es für mich viele Ansatzpunkte für eine Neubewertung dieser Problematik.
 

Du promovierst als Externer an einem Lehrstuhl. Was ist für dich daran besonders positiv / negativ?
 Als externer Doktorand empfinde ich es als großen Vorteil, keine Verpflichtungen an der Universität in Forschung und Lehre zu haben. Aus meinem Bekanntenkreis höre ich immer wieder, dass die Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter oft mit einem großen Arbeitsaufwand verbunden ist, so dass für die eigentliche Dissertation wenig Zeit bleibt. Das bringt für mich aber auch gleichzeitig den negativen Aspekt mit sich, dass der Kontakt zur Universität und damit auch zum Doktorvater geringer ist. Für mich kam eine Tätigkeit an der Universität nicht in Frage. Daher musste ich in eine andere Stadt ziehen, in der es große Rechtsanwaltskanzleien gibt, die promotionsbegleitende Nebentätigkeiten anbieten.
 

Auf welche unerwarteten Hindernisse bist du gestoßen und wie hast du sie bewältigt?
 Zunächst musste ich schnell feststellen, dass eine Doktorarbeit kein Nine-to-five-Job ist und man sich schwer ein Tages- oder Wochenpensum vornehmen kann. Dadurch gibt es Tage oder sogar Wochen, in denen ich das Gefühl habe, keine produktive Arbeit zu leisten. Dies hat mich am Anfang ziemlich frustriert, da ich ständig dachte, eigentlich mehr arbeiten zu müssen. Mittlerweile kann ich damit aber besser umgehen und genieße auch schon mal einen freien Nachmittag und sitze dafür an Tagen, wo ich viele Gedanken zu Papier bringen kann, auch mal bis spät abends am Schreibtisch. Zudem erfordert die freie Zeiteinteilung ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Gerade Juristen kennen das aber schon aus der langen eigenständigen Examensvorbereitung.
 
 Inhaltlich hat es mich direkt im ersten Teil meiner Arbeit kalt erwischt. Ich wollte ursprünglich nur kurz die historischen Wurzeln des von mir behandelten Problems aufzeigen. Dabei musste ich feststellen, dass vieles gar nicht so klar und selbstverständlich ist, wie man es in den heutigen Lehrbüchern liest. Aus dem kurzen historischen Abriss wurde daher eine etwas intensivere Untersuchung von alten Gesetzesmaterialien und Gerichtsentscheidungen. Nachher habe ich mich natürlich gefreut, dass ich neue Gesichtspunkte aufzeigen konnte, die mir im Verlauf der Arbeit auch weitergeholfen haben.
 

Wie läuft die Zusammenarbeit mit deinem Professor – wie ist die Betreuung?
 Ich kannte meinen Doktorvater bereits vorher und konnte daher die Intensität der Betreuung gut einschätzen. Er ist wie ich der Auffassung, dass die Doktorarbeit eine eigenständige wissenschaftliche Leistung sein sollte. Das heißt vor allem, dass er mir bezüglich des Themas keine Vorgaben gemacht hat und auch sonst keinen Einfluss auf Schwerpunkte oder Ergebnisse der Arbeit nimmt. Trotzdem hat er schon im ersten Gespräch betont, dass er mir bei Fragen gerne mit seinem Rat zur Seite steht.
 

Was planst du nach deiner Promotion?
 Ich werde im Sommer mit frischer Kraft in das Referendariat und die Vorbereitung für das zweite Staatsexamen starten.
 

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?
 Ich finde ich es ganz wichtig, einen Ausgleich zur Doktorarbeit zu haben. Eine Vollzeitpromotion ist zwar auf den ersten Blick verlockend, birgt jedoch das Risiko, dass einem irgendwann sprichwörtlich die Decke auf den Kopf fällt und man Gefangener seiner eigenen Gedanken wird. Gerade in der Juristerei, in der man keinen experimentellen Teil, wie etwa in den Naturwissenschaften hat, arbeitet man meist einsam mit seinen Büchern und bekommt kein Feedback für seine Arbeit. Ich empfinde es daher als einen guten Ausgleich, an zwei Tagen in der Woche in einer Rechtsanwaltskanzlei zu arbeiten, um etwas über den Tellerrand des eigenen Spezialgebiets hinausblicken zu können.
 
 Organisatorisch empfehle ich die Arbeit mit einem guten Literaturverwaltungsprogramm. Dies erspart langes Suchen von bereits gelesenen Aufsätzen, Dissertationen und Gerichtsentscheidungen. Wichtigster Tipp ist aber mit Sicherheit: Beharrlich bleiben! Man sollte sich von Schreibblockaden oder sonstigen Rückschlägen nicht entmutigen lassen. Diese Erfahrungen macht jeder Doktorand, und es ist umso schöner, wenn man diese Hindernisse dann überwunden hat.

nach oben

Du möchtest uns einen e-fellow für ein Porträt vorschlagen? Dann schreib eine E-Mail mit einer kurzer Begründung an das Redaktionsteam.

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren