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Schildkröten auf Kollisionskurs

Schildkroete, turtle, Strand, kriechen  [Quelle: freeimages.com, Autor: stinkypaul]

Quelle: freeimages.com, stinkypaul

Was haben eine Schildkröte und ein Aufzug gemeinsam? Einen Panzer - beziehungsweise ein Blech - das dank der besonderen Beulen-Struktur dünn, dabei aber sehr stabil ist. e-fellow Steffen hat ein Modell entwickelt, mit dem man das Verhalten dieser 'formfeldstrukturierten Bleche' blitzschnell berechnen kann.

Wann und warum hast du dich für eine Promotion entschieden?

Meine Motivation war, mich tiefgehend mit einem Thema auseinanderzusetzen. Bei der Diplomarbeit mit einer Dauer von sechs Monaten ist dies ja nur eingeschränkt möglich.

Wie bist du auf deinen Professor und deine Uni gestoßen?

Ich promoviere an der TU Berlin am Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb in Zusammenarbeit mit Professor Behrens von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. Ich habe mich für eine Promotion bei ThyssenKrupp entschieden, worüber der Kontakt zu meinem Doktorvater hergestellt wurde.

Wie hast du dich beworben?

Aufgrund der bestehenden Kontakte war die Bewerbung unkompliziert. Die Firma hat die Finanzierung meiner Stelle übernommen. Gleichzeitig hatte ich keine Lehrverpflichtungen, was mir wichtig war, denn ich wollte mich ganz auf die Promotion konzentrieren. Die Formulierung des eigentlichen Themas war der aufwendige Teil.

Kannst du dein Thema in ein paar laientauglichen Sätzen erläutern?

Mein Thema lautet "Beitrag zur Dimensionierung formfeldstrukturierter Bleche". Ein formfeldstrukturiertes Blech hat eine Struktur, die einem Schildkrötenpanzer ähnelt und sich deshalb nicht so leicht durchbiegt wie ein ebenes Blech. Deswegen kann man bei gleicher Steifigkeit die Dicke gegenüber einem ebenen Blech um 40 bis 50 Prozent reduzieren. Damit spart man sowohl Material und Geld ein und senkt gleichzeitig die CO2-Belastung. Solche Bleche können in Autos, Aufzügen oder bei weißer Ware (zum Beispiel Waschmaschinen) eingesetzt werden.

Das Problem dabei: Die Automobilindustrie nutzt Berechnungsmethoden (Finite-Element-Methode), um das Bauteilverhalten, zum Beispiel bei einem Crash, vorauszusagen. Diese Berechnungen sind für formfeldstrukturierte Bleche aufgrund der Geometrie der strukturierten Bleche sehr zeitaufwendig. In der Automobilbranche muss aber alles ganz schnell gehen.
 
Deswegen habe ich ein Materialmodell erstellt, mit dem man die Berechnungszeit deutlich reduziert. Mit meiner Methode dauert eine Berechnung nicht mehr Stunden, sondern Sekunden. Damit ist eine wichtige Voraussetzung geschaffen, um diese Bleche auch tatsächlich zu nutzen, denn ohne Rechenmodell und verfügbare Kennwerte arbeitet keine Firma mit einem neuen Halbzeug oder Material.

Wie bist du zu diesem Thema gekommen?

Ursprünglich hatte ich ein anderes Thema geplant, in Zusammenhang mit diesem Thema hat mein Professor mir ein sogenanntes "wölbstrukturiertes" Blech vorgestellt und mich gefragt, ob es nicht interessant wäre, so etwas in einen Aufzug einzubauen. Über Umwege bin ich auf die formfeldstrukturierten Bleche gestoßen und damit auf die oben angeführte Fragestellung. Der Professor, der sich jahrelang mit den formfeldstrukturierten Blechen auseinandergesetzt hat, ist nun mein zweiter Doktorvater. Die Themenfindung hat mich leider zwei Jahre gekostet, da ich parallel ja auch an Projekten in der Firma gearbeitet habe.

Was ist für dich an deinem Promotionsmodell besonders positiv oder negativ?

Der Nachteil ist, dass der fachliche Austausch in der Firma nicht so umfassend ist; an der Universität ist der Austausch mit den Kollegen sicherlich leichter, da alle im gleichen Boot sitzen. Der Vorteil ist, dass ich mich stärker auf die Promotion konzentrieren kann, denn ich bin nicht in den Lehrbetrieb eingebunden. Durch die Verknüpfung mit der Industrie wird mir die Promotion außerdem als Berufserfahrung anerkannt, da ich mehrere Industrieprojekte bearbeitet habe. Auch die unternehmensinternen Netzwerke sind sehr wertvoll.

Was planst du nach deiner Promotion?

Ich werde nach meinem MBA, den ich momentan an der Mannheim Business School absolviere, sicher wieder zurück in die Industrie gehen, wenn möglich im Bereich Leichtbau, in dem ich vertieft und fünf Jahre lang gearbeitet habe. Als Tätigkeitsfelder kann ich mir sowohl die Entwicklung als auch den Bereich Business Development vorstellen.

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?

Man sollte die Themenstellung genau klären, bevor man sich für eine akademische Stelle bewirbt, am besten bereits mit einer groben Gliederung. Ansonsten: Schreibt mit LaTeX und nutzt Citavi, das mir bei der Literaturverwaltung sehr geholfen hat.

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