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Erfolg, Profit, Business (sxc.hu, mikekorn)

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Wann und warum hast du dich für eine Promotion entschieden?
 Ich wusste schon vor dem Studium, dass ich promovieren möchte. Ich habe auf dem Gymnasium eine - zumindest im Prinzip - wissenschaftliche Facharbeit geschrieben. Die Literaturarbeit und die Diskussion der verschiedenen Aspekte machten mir großen Spaß. Im Studium habe ich dann schnell gemerkt, dass es mich zu Controlling und Management zieht. Der Doktor war für mich keine Frage des höheren Gehalts oder Ansehens. Das ist sicher nicht schlecht für die Karriere - aber für mich steht ganz klar der Spaß an der Wissenschaft im Vordergrund.
 

Wie bist du auf deinen Professor und die Uni gestoßen?
 Ich habe in Bamberg die spezielle Betriebswirtschaftslehre meines späteren Doktorvaters studiert und bin so auf ihn aufmerksam geworden. Als studentische Hilfskraft habe ich mir einen Einblick in den Lehrstuhl verschafft. Nach dem Studium konnte ich zwischen drei Angeboten zur Promotion wählen. Letztendlich hat mir meine jetzige Stelle am meisten gefallen, da ich aktiv am Lehrstuhl beteiligt bin und das Deloitte Mittelstandsinstitut mitaufbauen konnte. Das ist ein mittelstandsbezogenes Forschungsinstitut, das mein Doktorvater zusammen mit Deloitte gegründet hat. Dort bin ich Projektleiter für empirische Forschungsprojekte.
 

Wie hast du dich beworben?

 Durch meine Arbeit als HiWi kannte ich den Lehrstuhlalltag schon gut. Allerdings hatte ich mit meinem Doktorvater relativ wenig zu tun. Ein Mitarbeiter des Lehrstuhls hat mich dann während meiner Diplomarbeit gefragt, ob ich mich für eine Stelle am Lehrstuhl bewerben möchte. Das habe ich getan und wurde zu einem offiziellen Bewerbungsgespräch beim Professor eingeladen. Irgendwie schon ein komisches Gefühl, als "externer Bewerber" an den Lehrstuhl eingeladen zu werden, an dem man so lange gearbeitet hat. Während des Gesprächs waren wir uns schnell einig, es miteinander zu versuchen.
 

Was ist dein Thema? Erläutere es doch bitte in ein paar "laientauglichen" Sätzen.

 Ich analysiere Strukturen und Prozesse in der Unternehmensführung mittelständischer Familienunternehmen und will Verbesserungspotenziale zeigen. Ich erläutere das mal an einem Beispiel: Großunternehmen können in Krisenzeiten speziell geschulte Mitarbeiter und externe Berater einstellen, die Prozesse optimieren und ihr Know-how einbringen. Mittelständler – so wie man sie sich vorstellt, mit dem Patriarchen im Zentrum – sind hingegen weniger attraktiv für "High Potentials" und gelten als ziemlich beratungsresistent. Unternehmer gehen lieber mit dem Kopf durch die Wand. Das führt oft zu betriebswirtschaftlichen Problemen und sogar zur Insolvenz.
 
 In mittelständischen Unternehmen stößt man mit theoretischen Ansätzen schnell auf taube Ohren. Ich untersuche daher die spezielle Situation in diesen Unternehmen und will damit zeigen, dass zum Beispiel Konflikte zwischen den Mitgliedern der Unternehmerfamilie und die frühe Vorbereitung auf die Unternehmensnachfolge sehr wichtig sind. Letztlich soll es eine Art Checkliste geben, mit der Mittelständler prüfen können, ob sie in Controlling, Nachfolge und Finanzierung gut aufgestellt sind. Um die Praxis nicht zu kurz kommen zu lassen, habe ich Interviews mit mittelständischen Unternehmern und Experten geführt. So will ich theoretisch fundierte und zugleich praktisch nutzbare Erkenntnisse bekommen.
 

Wie bis du zu deinem Thema gekommen?

 Ich habe schon in meiner Diplomarbeit Rahmenbedingungen für eine effiziente Unternehmensführung untersucht. Der Mittelstandsbezug ergab sich durch meine Arbeit am Deloitte Mittelstandsinstitut und dadurch, dass ich beim Scannen der Literatur sehr schnell gemerkt habe, dass es dort eine Lücke gibt. Gespräche mit meinem Doktorvater und Unternehmern haben mich schließlich überzeugt, mich auf das Thema "einzulassen".
 

Was ist für dich an deinem Promotions-Modell besonders positiv / negativ?
 Als Mitarbeiter an der Uni bin ich unmittelbar in den Wissenschaftsbetrieb eingebunden. Mit Artikeln für Zeitschriften kann ich das wissenschaftliche Schreiben üben. Am Deloitte Mittelstandsinstitut lerne ich bei empirischen Projekten die notwendigen Methoden kennen und kann ein Forschungsprojekt "on the job" üben. Durch den täglichen Kontakt zu Mittelständlern und Forschern lerne ich viele interessante Leute kennen, die mir gerne weiterhelfen. Nicht zuletzt ist natürlich der enge Kontakt zum Doktorvater an der Uni vorteilhaft.
 
 Ein großer Nachteil ist aber die Belastung durch Forschung und Lehre. Vorher dachte ich, man könnte Erkenntnisse anderer Forschungsprojekte nutzen. Das ist allerdings sehr schwer. Und dadurch, dass ich sozusagen immer im "Uni-Modus" bin, kann ich schwer zwischen Job und Dissertation trennen. Es wäre einfacher, wenn man zum Beispiel bei einer Beratung arbeitet und dann ein Jahr freigestellt ist. Bei mir ist immer das ganze Wochenende für die Dissertation reserviert - sonst sind schnell drei oder vier Jahre vorbei. Eine Dissertation erfordert viel Disziplin und viel Verständnis von Partner und Freunden.
 

Auf welche unerwarteten Hindernisse bist du gestoßen und wie hast du sie bewältigt?

 Eigentlich gab es bisher keine unerwarteten Hindernisse. Das einzige Problem war, dass ich bei der Uni einen Zuschuss für Reisekosten beantragt habe, um die Interviewaktion zu finanzieren. Das wurde mit der Begründung abgelehnt, "man fördere keine Dissertationen". Aber auch so was steckt man weg, das gehört dazu.
 

Wie ist die Zusammenarbeit mit deinem Professor – wie ist die Betreuung?

 Die Zusammenarbeit ist sehr eng, da wir täglich miteinander zu tun haben. Manchmal bleibt auch Zeit für eine gemeinsame Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift. Wir veranstalten ungefähr vier Mal pro Jahr Doktorandenseminare, bei denen wir Themen diskutieren und manchmal heftig streiten, aber immer konstruktiv. Insgesamt finde ich die Betreuung sehr gut. Ich arbeite meist eigenverantwortlich, aber wenn ich eine Frage habe, hilft mir mein Professor schnell.
 

Was planst du nach deiner Promotion?

 Das ist eine Frage, die ich mir auch oft stelle. Ich sehe eigentlich nur zwei Alternativen: entweder eine Habilitation oder eine Tätigkeit als Vorstandsassistent bei einem größeren Mittelständler oder einem Konzern. Ich könnte mir auch vorstellen, eventuell als Berater zu arbeiten.
 

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?
 Ich mache das mal an einigen Stichworten fest:
 

  • Netzwerk: Ohne geht es auch, aber nur schwer. Man sollte mit offenen Augen durch die Welt gehen und versuchen, Kontakte zu knüpfen und auch zu halten.
  • Wille: Ohne Disziplin geht es nicht. Eine Dissertation nebenbei oder ohne Anstrengung ist kaum machbar. Man sollte wissen, dass man während der Promotion für mindestens zwei Jahre zu einer Belastung für sein Umfeld wird.
  • Lesen: Das, was man als Student oft tut - nur Skripten lesen - funktioniert nicht. Man muss regelmäßig Fachzeitschriften lesen und immer auf dem neuesten Stand sein, da die Literaturarbeit und der Neuigkeitsgrad wichtige Teile der Dissertation sind.
  • Zu guter Letzt: Keine Angst! Lasst euch von einer Dissertation nicht abschrecken, auch wenn ihr immer wieder hört, "das habe mit einer Diplomarbeit nichts zu tun". Im Ansatz stimmt das schon. Man muss vieles alleine tun. Aber das schafft man alles. Und wenn man mal nicht weiter weiß, sind viele Experten gerne bereit, mit Doktoranden zu reden, wenn sie sich für das Thema interessieren. Fragen lohnt sich immer, und ich kann bisher von meinen Gesprächen nur Positives berichten.
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