Partner von:

Vertrauen durch Medientechnik

Internet, Promotion, Word Wide Web, www, Doktorarbeit, Quelle: sxc.hu, Autor: svilen001

Internet, Promotion, Word Wide Web, www, Doktorarbeit, Quelle: sxc.hu, Autor: svilen001

Warum hast du dich für eine Promotion entschieden?
 Ich habe mich bereits während meiner Abschlussarbeit 2006 mit dem Gedanken beschäftigt, mein Thema zu vertiefen. Schon damals hatte ich viel Spaß daran, mich mit meinem Untersuchungsgegenstand auseinanderzusetzen. Als mich mein damaliger Professor dann auf die Promotion ansprach, war die Sache für mich klar. Allerdings kam eine rein theoretische Karriere für mich nicht in Frage. Deswegen habe ich nach dem Studium zunächst im Business Development einer mittelständischen Beratung angefangen.
 

Wie hast du deine Professorin gefunden? Und wie kam es dazu, dass du von Medien- in die Ingenieurwissenschaften gewechselt hast?
 Nach meinem Abschluss in Medienwissenschaften hatte ich ziemlich genaue Vorstellungen davon, wie es mit meinem Thema weitergehen sollte. Schon während meines geistes- wissenschaftlichen Studiums habe ich mich vor allem den wirtschaftlichen und technischen Aspekten meines Themas gewidmet. Daher war der Schritt, nun auch formal diesen Fokus zu wählen, ganz logisch. Ich nahm mit verschiedenen Professoren, die auf einem ähnlichen Gebiet forschen, Kontakt auf und besprach mit einigen mein Exposé. An der Universität Duisburg-Essen hätte ich eine wirtschaftswissenschaftliche Promotion machen können, an der TU Ilmenau eine ingenieur- wissenschaftliche. Dort gefielen mir die Forschungs- schwerpunkte meiner Betreuerin, die gute Ausstattung der Arbeitsräume und die angenehme, interdisziplinäre Atmosphäre besser. So fiel mir die Entscheidung leicht.
 

Wie hast du dich beworben?
 Als externer Doktorand musste ich keine richtige Bewerbung durchlaufen. Ich habe meine Unterlagen, eine Leseprobe, Empfehlungsschreiben und ein Konzept zu meinem Dissertationsprojekt eingereicht und auf die Entscheidung des Promotionsausschusses gewartet. Der Beschluss fiel positiv aus und ich konnte an der TU Ilmenau unter Auflagen starten. Während dieser Zeit habe ich zwei Zusagen für Stipendien erhalten und das mit den für mich optimalen Rahmen- bedingungen gewählt. Das bedeutet zwar ein geringeres Grundstipendium, dafür habe ich aber die Freiheit, nebenbei bei KPMG im CRM-Team zu arbeiten.
 

Erläutere doch bitte dein Thema in ein paar "laientauglichen" Sätzen.
 Ich untersuche die Wirkung von Medienmitteln auf das Vertrauenskonstrukt zwischen Anbietern und Nachfragern. Dabei teste ich mit Hilfe verschiedener Prototypen die Möglichkeit, das Defizit an persönlicher Interaktion durch mediengestütze Modelle zu kompensieren. Je nach Trägermedium und Interaktionspartnern fallen die Anforderungen an vertrauensbildende Screen-Designs verschiedenartig aus. Nachfrager, die über das Internet nach Informationen, Dienstleistungen und Produkten suchen, haben andere Ansprüche als solche, die dies an interaktiven Kiosksystemen tun. Daher ist es mein Ziel, unter Berücksichtigung verschiedener Variablen wie technischer Rahmenbedingungen, Austauschintention, Soziodemographika oder kultureller Aspekte, Standards zu definieren, die es Unternehmen und Institutionen ermöglichen, in verschiedenen mediengestützten Beziehungen Vertrauen möglichst zuverlässig herzustellen.
 

Wie bist du zu deinem Thema gekommen?
 Seit einem Seminar im Grundstudium habe ich mich mit dem Thema Außendarstellung von Unternehmen befasst. Mein besonderer Fokus lag dabei auf der Kommunikation im Internet. Ich habe dann auch meine Bachelor-Arbeit über Kommunikationsprobleme zwischen IT-Dienstleistern und Kunden am Beispiel der RAG Informatik geschrieben und meine Master-Arbeit später über alternative Kommunikationskanäle in B2C verfasst. Dieses Thema wollte ich gerne vertiefen, nun jedoch mit spezifischem Fokus auf Vertrauensaufbau.
 

Was ist für dich an deinem Promotions-Modell besonders positiv / negativ?
 Als Stipendiat kann ich mich auf die Arbeit an meiner Dissertation konzentrieren. Durch die Richtlinien meiner Stiftung kann ich neben der Theorie aber auch einen Blick nach Draußen werfen. Ich sammele weitere berufliche Erfahrungen und kann diese mit meiner wissenschaftlichen Spezialisierung verbinden. Gleichzeitig bin ich jedoch so frei, mich bei Bedarf ausschließlich meiner Dissertation zu widmen und die Nebentätigkeit aufzugeben.
 
 Ein Nachteil dieses Modells ist hingegen die fehlende Bindung zur Hochschule. Die externe Promotion verlangt mehr Eigenmotivation und Disziplin, um die gesteckten Ziele zu erreichen - gerade, wenn man im Idealfall alle sechs Wochen an der Uni ist.
 

Auf welche unerwarteten Hindernisse bist du gestoßen und wie hast du sie bewältigt?
 Zu Beginn meiner Promotion habe ich noch Vollzeit gearbeitet. Dadurch stieß ich auf unerwartete Hindernisse. Ich bewundere Doktoranden, die es schaffen, neben dem Beruf die Zeit zu finden, eine "anständige" Dissertation zu schreiben. Leider war mein Thema zu weit von meiner Tätigkeit entfernt, als dass beide voneinander hätten profitieren können - so hätte ein Bereich zwangsläufig über kurz oder lang gelitten. Daher musste ich Prioritäten setzen und für die Doppelbelastung eine Lösung finden. Mit dem Stipendium konnte ich mich nur auf meine Dissertation konzentrieren. Meine Entscheidung für die Promotion und gegen die damalige Tätigkeit habe ich nicht bereut.
 

Wie ist die Zusammenarbeit mit deiner Professorin – wie ist die Betreuung?
 Die Zusammenarbeit mit meiner Betreuerin ist ausgezeichnet. Wenn ich Fragen oder organisatorische Dinge klären muss, ist meine Professorin immer zu erreichen. Das reduziert die Schwierigkeiten einer externen Promotion. Trotzdem sind Besuche an meiner Hochschule und persönliche Treffen konstruktiver als die Kommunikation per Telefon oder E-Mail. Das gemeinsame Brainstorming bringt neuen Schwung in die Arbeit und gibt Motivation in Durchhängephasen. Als positiv empfinde ich auch die Freiheit, die ich als Doktorand habe - wie meinem Vorredner aus dem Monat Dezember zwingt auch mir niemand ein Gespräch über Fortschritte, Ergebnisse oder Ähnliches auf.
 

Was planst du nach deiner Promotion?
 Gerade jetzt bin ich in dieser Frage relativ unentschlossen - sicher ist, dass ich zukünftig im kreativen und beratenden Umfeld arbeiten möchte - vielleicht im Ausland. Ob ich zuvor ein MBA-Programm durchlaufe, um mich auch in wirtschaftlicher Hinsicht zu schulen, weiß ich noch nicht genau. Zunächst konzentriere ich mich ohnehin auf das Etappenziel Promotion.
 

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?
 Künftigen Doktoranden empfehle ich, nur dann eine Promotion zu beginnen, wenn alle Rahmenbedingungen stimmen und keine schon zu Beginn vorhersehbaren "Begleiterscheinungen" das Forschungsprojekt beeinträchtigen können. Wenn man zügig und gut durch die Dissertation kommen möchte, sind Nebenschauplätze einfach nicht gut.
 
 Dazu halte ich es für sinnvoll, das Rad, in dem Fall die eigene Arbeitsweise, nicht zwanghaft neu erfinden zu wollen. Wer schon während seiner Master- oder Diplomarbeit ein Eigenbrödler war, sollte nicht um jeden Preis den Austausch mit Anderen suchen, nur weil es Dutzende Kolloquien und ähnliche Angebote gibt, die das nahe legen. Wer hingegen immer den sinnvollen Input von Außen genutzt hat, sollte sich auch jetzt nicht in seinem Arbeitszimmer einschließen, nur weil das Forschungsprojekt umfassender und komplexer ist als alle anderen im Studium zuvor. Ich denke die Dissertation ist kein Zauberwerk und wer reibungslos bis zur Entscheidung "Promovieren, ja oder nein?" gekommen ist, wird auch diese Hürde erfolgreich nehmen.

nach oben

Du möchtest uns einen e-fellow für ein Porträt vorschlagen? Dann schreib eine E-Mail mit einer kurzer Begründung an das Redaktionsteam.

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren