Partner von:

In Schottland tanzen die Atome

Atom, Physik, Promotion [Quelle: freeimages.com, Autor: jayofboy]

Quelle: freeimages.com, jayofboy

Wann und warum hast du dich für eine Promotion entschieden?

Wenn man Physik studiert und das Gelernte nach dem Studium anwenden will, ist eine Promotion der normale Weg. Bei mir hat es sich schon früh im Studium gezeigt, dass ich nicht gleich nach dem Diplom in die Wirtschaft wechseln wollte.

Was hat dich für deine Promotion nach Schottland verschlagen?

Ich wollte schon früher in Schottland leben und hatte mich bei drei Universitäten vorgestellt. Einer der Professoren sagte mir zwar leider ab, machte mich aber auf die Forschungsgruppe in Edinburgh aufmerksam.

Wie hast du dich beworben?

Die Bewerbung verlief unkonventionell. Ich habe meine Diplomarbeit kurz vorgestellt, mein heutiger Chef seine Projekte. Schnell waren wir uns einig, dass seine Themen für mich interessant waren und meine Qualifikationen für ihn. Die Bewerbung war dann nur noch Formsache.

Erläutere bitte dein Thema in ein paar laientauglichen Sätzen.

Das ist einfacher, als der Titel vermuten lässt. Die Idee ist, dass sich Beobachtungen verschiedener physikalischer Systeme gegenseitig ergänzen können. Nicht-Abelsche Eichfelder sind normalerweise Gegenstand von Theorien, die etwa am CERN mit großen Maschinen untersucht werden. Atomkerne werden aufeinander geschossen, wobei sehr hohe Temperaturen und Energiedichten entstehen. Experimente mit kalten Atomen, wie etwa einem Bose-Einstein-Kondensat, haben auf einem Küchentisch Platz. In einer evakuierten Metallkammer werden Teilchenwolken stark abgekühlt, bis sich ein besonderer Quantenzustand bildet. In meiner theoretischen Arbeit untersuche ich, wie man diese kalten Atome mit Lasern dazu bringen kann, nach der Pfeife einer anderen Theorie zu tanzen. Einige der so beobachteten Experimente habe ich in meiner Dissertation beschrieben und berechnet.

Wie bist du zu diesem Thema gekommen?

Es ist das Arbeitsgebiet meines Doktorvaters. Ich habe mit einer seiner Forschungsfragen angefangen. Entlang meiner Interessen hat sich das Projekt dann weiterentwickelt.

Was ist für dich an deinem Promotions-Modell besonders positiv oder negativ?

Mir gefällt es sehr, dass mein Chef Reisen zu Konferenzen und Summer Schools stark fördert. Dort kann ich meine Arbeit vorstellen und mich mit anderen Wissenschaftlern austauschen. Als kleinen Nachteil empfand ich am Anfang der Promotion die kleine Gruppe, in der ich arbeitete. In einer größeren Gruppe hätte man sich über aktuelle Probleme leichter austauschen können. Andere Doktoranden stehen ja vor ähnlichen Fragen wie ich. Das merke ich besonders, seitdem ich einen neuen Doktoranden in das Arbeitsgebiet einführe.

Auf welche Hindernisse bist du gestoßen und wie hast du sie bewältigt?

Von der Einarbeitung in das Arbeitsgebiet abgesehen gab es nur wenige echte Hindernisse. Die Literatur ist sehr umfangreich, und es war nicht einfach, sich einen Überblick zu verschaffen. Nach und nach sind mir viele Zusammenhänge klarer geworden. Die Arbeit an der Dissertation ist ein großer Schritt in diese Richtung.

Bist du auf Kongressen und/oder Forschungsreisen?

Das Promotionsangebot meines Doktorvaters habe ich unter anderem angenommen, weil er meine Teilnahme an Konferenzen stark gefördert hat.

Wie gut betreut dich dein Professor?

Wir sprechen mindestens einmal pro Woche über die Arbeit, anstehende Probleme oder allgemein über Physik. Unser Verhältnis ist sehr gut, seine Tür steht jederzeit offen.

Was planst du nach deiner Promotion?

Ich werde mich nach einer Stelle in der Wirtschaft umsehen. Forschung ist spannend, aber nach fast zehn Jahren Physikstudium und Promotion ist es Zeit für eine neue Herausforderung.

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?

Es ist sehr lehrreich und herausfordernd, sich drei Jahre mit einem Thema zu beschäftigen. Man merkt, wie man nach und nach zum Experten auf seinem Gebiet wird. Dazu muss aber alles zusammenpassen: das Thema, die Universität, der Betreuer, die anderen Kollegen und idealerweise die Möglichkeit, an Konferenzen und Tagungen teilzunehmen. Wenn alles passt, genießt man gleichzeitig die Vorteile des Studentenlebens und der Arbeitswelt. Ich kann das nur empfehlen.

nach oben

Viele Stipendiaten und Alumni von e-fellows.net promovieren. Du möchtest auch deine Doktorarbeit vorstellen? Schreib eine E-Mail an Julia Hausmann.

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren