Partner von:

Übernahmeschlachten verhindern

Aktienmarkt Übernahme Matthias (Quelle: sxc.hu/OmirOnia)

Aktienmarkt Übernahme Matthias (Quelle: sxc.hu/OmirOnia)

Wann und warum hast du dich für eine Promotion entschieden?
 Für mich stand bereits früh fest, dass ich promovieren möchte. Dafür gab es zwei konkrete Gründe: Zum einen hat man als Jurist mit einem Doktortitel und den entsprechenden Examina bessere Chancen auf dem inzwischen sehr hart umkämpften Markt. Zum anderen macht mir wissenschaftliches Arbeiten Spaß. Deshalb habe ich schon während des Studiums mehr Seminare gemacht als erforderlich.
 

Du hast ja nicht in Frankfurt studiert. Wie bist du auf deine Professorin und die Uni gestoßen?
 Meine Doktormutter habe ich bereits während einiger Seminare kennengelernt, die ich bei ihr gemacht habe. Ich empfand sie als symphatisch und kompetent. Zudem lehrte sie im Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht, dem Gebiet, das mich am meisten interessierte. Ein Jahr vor meinem Examen ist sie dann an die Universität Frankfurt gewechselt.
 

Wie hast du dich bei ihr beworben?
 Ich habe ihr eine E-Mail mit einer formlosen Anfrage geschickt und innerhalb weniger Stunden eine positive Antwort bekommen. Sie kannte mich noch aus ihrer Marburger Zeit. Wir haben uns dann zusammengesetzt und einige mögliche Themen besprochen, wobei sie meinen Themenvorschlag letztendlich ohne Weiteres angenommen hat. Dann habe ich mich als Promotionsstudent immatrikuliert und mit der Arbeit angefangen.
 

Welches Thema hast du gewählt?
 Ich beschäftige mich mit konkurrierenden Angeboten im Übernahmegesetz. Dieses Gesetz regelt Verfahren und Grundsätze für Unternehmensübernahmen. In erster Linie dient es dem Schutz der Aktionäre der Zielgesellschaft, aber es enthält auch Regeln darüber, wie sich die bietenden Unternehmen zu verhalten haben. Bietet mehr als ein Unternehmen gleichzeitig um eine Zielgesellschaft, spricht man von konkurrierenden Angeboten.
 
 In meiner Doktorarbeit untersuche ich die gegenwärtigen Regelungen des Gesetzes hinsichtlich solcher konkurrierender Angebote sowohl aus rechtlicher Sicht als auch auf die ökonomische Effizienz hin. Die Regelungen sind nicht unproblematisch, da sie (theoretisch) zeitlich unbegrenzte Übernahmeschlachten ermöglichen, die die Zielgesellschaft beeinträchtigen. Das will das Gesetz aber gerade verhindern. Ich zeige rechtliche Möglichkeiten auf, wie ein fairer Bieterwettkampf mit hohen Prämien für die Aktionäre stattfinden kann, ohne dass er zeitlich unbefristet und für die Zielgesellschaft nachteilig ablaufen muss.
 

Wie bist du zu deinem Thema gekommen?
 Übernahmerecht ist per se schon spannend und abwechslungsreich, auch in der Praxis. Als Student habe ich entsprechende Seminare zur Vertiefung besucht und in Kanzleien erste praktische Kenntnisse gesammelt. Das eigentliche Thema habe ich aber beim Stöbern in Aufsätzen und Handbüchern gefunden, als ich ein Thema für meine Dissertation gesucht habe. Ich fand es auf Anhieb interessant und herausfordernd: Ich beschäftige mich intensiv mit dem Übernahmerecht aus rechtlicher und ökonomischer Sicht, darf auch einen Blick in andere Rechtsgebiete werfen und muss eine konkrete Lösung erarbeiten, die bisweilen nicht im Gesetz verankert ist.
 

Was findest du an deinem Promotions-Modell besonders positiv?
 Um meine Doktorarbeit zu finanzieren, bin ich darauf angewiesen, nebenbei zu arbeiten. Ich arbeite dreimal pro Woche als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Acquisition-Finance-Team von Clifford Chance in Frankfurt. Hier finde ich den erforderlichen Ausgleich zur Promotion, indem ich mit dynamischen und motivierenden Menschen zusammenarbeite. Außerdem sammle ich bereits konkrete Berufserfahrungen in der Transaktionsarbeit, die mir später im Berufsleben zugute kommt. Auch dadurch, dass ich im Finance Team arbeite - einem komplett anderem Rechtsgebiet als mein Promotionsthema -, gewinne ich den nötigen Abstand. Den Rest der Woche widme ich dann voll und ganz der Doktorarbeit. Dabei darf ich die Einrichtungen der Kanzlei benutzen, was die Arbeit immens erleichtert.
 

Auf welche unerwarteten Hindernisse bist du gestoßen, und wie hast du sie bewältigt?
 So spannend die Arbeit in einer Großkanzlei sein kann, so sehr kann sie einen auch in Anspruch nehmen, und zwar sowohl zeitlich als auch psychisch. In Stoßzeiten fällt einfach so viel Arbeit an, dass man schlicht zu müde ist, um sich am nächsten Morgen konsequent an den Schreibtisch zu setzen und an der Dissertation zu arbeiten. Dann gibt es noch genug Angelegenheiten, die es außerhalb von Dissertation und Arbeit zu erledigen gilt. Und schließlich ist da noch der berühmte Schweinehund, den man immer wieder aufs Neue bezwingen muss. Gerade juristische Doktorarbeiten können oft eintönig werden. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich Aufsätze an die Wand geschmissen habe und an meiner eigenen Disziplin gezweifelt habe. Alles in allem kommt es daher schon mal vor, dass man ein bis zwei Wochen nicht an der Dissertation arbeitet, was sehr deprimierend ist. Auf der anderen Seite gibt es auch die Tage, an denen man überdurchschnittlich produktiv ist. Die Kunst ist es, einen vernünftigen Ausgleich zu finden. Ob das gelingt, weiß man leider erst, wenn die Arbeit fertig ist und das erste ernste Feedback von der Doktormutter kommt.
 

Wie gut betreut dich deine Professorin?

 Das Verhältnis zu meiner Doktormutter ist optimal. Sie setzt auf Eigeninitiative und nimmt keinen Einfluss auf den Fortgang der Arbeit. Wenn ich auf sie zukomme und Fragen habe, dann nimmt sie sich immer Zeit für mein Anliegen. Das finde ich gut, weil ich mich wissenschaftlich absolut frei entfalten kann. Außerdem schult es die Selbstdisziplin und das Zeitmanage-
 ment, da es an mir liegt, innerhalb kürzester Zeit das Promotionsverfahren abzuschließen.
 

Was planst du nach deiner Promotion?

 Ich werde nach der Promotion meinen juristischen Vorbereitungsdienst antreten und mit dem zweiten Staatsexamen abschließen. Danach kommt für mich noch ein einjähriges Master-Aufbaustudium im Ausland in Betracht. Am Ende will ich ein möglichst rundum ausgebildeter Wirtschaftsanwalt sein.
 

Welche Tipps kannst du anderen Doktoranden mit auf den Weg geben?
 Als erstes ist es wichtig, dass man ein Thema findet, das einem Spaß macht und das man nicht nur aus taktischen oder zeitlichen Gründen wählt. Man muss sich vor Augen halten, dass man eine nicht unerhebliche Zeit nur mit dem einen Thema verbringt. Vielfach wird vorgeschlagen, sich einen konkreten Zeitplan für die Dissertation zurechtzulegen und ihn konsequent einzuhalten. Aus meiner Sicht ist das aber nicht umsetzbar, weil eine Dissertation einem stetigen Entwicklungsprozess unterliegt. Es kommen immer neue Herausforderungen, die man anfangs nicht vorhersehen konnte. Dann kann man seinen Zeitplan nicht mehr einhalten und das raubt das Selbstbewusstsein. Es kommt auch nicht selten vor, dass man sich fragt, wozu man eigentlich gerade über dieses Thema schreibt und wem es eigentlich zugute kommen soll. Solche Zweifel sind ganz normal und vergehen schnell wieder, sobald man es geschafft hat, ein kleines Stück voranzukommen. Man muss sich nur immer das Ziel vor Augen führen: den ersehnten Doktortitel.

nach oben

Du möchtest uns einen e-fellow für ein Porträt vorschlagen? Dann schreib eine E-Mail mit einer kurzer Begründung an das Redaktionsteam.

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren