Partner von:

Weicher Fall für den Castor

Promotion, Castor, BAM, Uni Wuppertal

Promotion, Castor, BAM, Uni Wuppertal

Wann und warum hast du dich für eine Promotion entschieden?
 Schon im Studium habe ich gerne bei Forschungsvorhaben und Drittmittelprojekten als HiWi mitgearbeitet, meine Professoren waren recht gut vernetzt. Da konnte ich schon mal in die Forschung reinschnuppern. Nach einem Praxissemester bei Airbus in Toulouse und Hamburg wusste ich dann, dass ich in die Forschung will. Dazu kam, dass ich mir schon im Studium beweisen wollte, dass ich ein großes Projekt eigenverantwortlich über einen längeren Zeitraum verfolgen und abschließen kann.
 

Wie bist du auf die Bundesanstalt für Materialwirtschaft gestoßen?
 Nachdem mir klar war, dass ich forschen wollte, habe ich mich über Lehrstühle und forschungslastige Institutionen wie Fraunhofer Institute, Max Planck Institute und eben auch die BAM informiert. Da ich gern nach Berlin wollte, habe ich mich bei der BAM und der TU Berlin beworben. Die BAM hat auf mich einen sehr guten Eindruck gemacht und nach einem kurzen Bewerbungsverfahren war ich hier. An die Uni Wuppertal und den Professor kam ich über meine Arbeit bei der BAM. Mein Abteilungsleiter hatte da gute Kontakte und hat die Verbindung hergestellt.
 

Wie hast du dich beworben?
 Bei der BAM hab ich mich einfach auf eine normale Stelle beworben, habe aber schon im Anschreiben meinen "intensiven Wunsch" nach einer Promotionsmöglichkeit ausgedrückt. Bei meinen Chefs hab ich damit offene Türen eingerannt. Sie waren genauso interessiert wie ich, und ich habe noch am gleichen Tag den Anruf bekommen. Ich hatte im Studium durch die Forschungsprojekte schon eine Menge Erfahrung mit einer speziellen Berechnungsmethode, der Finiten Elemente Methode (FEM), gesammelt. Ich glaube, das war recht interessant für die BAM.
 

Wie finanzierst du deine Promotion?
 Ich hatte von Beginn an eine volle Stelle. Dadurch musste ich natürlich neben der Forschungsarbeit für die Promotion auch in dem einen oder anderen realen Begutachtungsverfahren für CASTOR-Behälter mitarbeiten. Da aber alle zusätzlichen Aufgaben immer nah am Thema meiner Arbeit lagen, konnte ich auf meinem Forschungsgebiet Erfahrung sammeln. Auch wenn ich die Ergebnisse nicht direkt benutzen konnte.
 

Was ist dein Thema?
 Transportbehälter für radioaktive Stoffe (hauptsächlich sind das CASTOR-Behälter) müssen bei schweren Unfällen dicht bleiben und dürfen keine erhöhte Strahlung oder radioaktives Material nach draußen lassen. Dafür erhalten sie Stoßdämpfer, die - ähnlich wie die Styroporelemente in einem Paket mit zerbrechlichem Inhalt - dafür sorgen, dass der Behälter weich fällt.
 
 Bei CASTOR-Behältern bestehen diese Stoßdämpfer vor allem aus Holz, das die Aufprallenergie absorbiert. Ich habe mich nun damit beschäftigt, wie sich das Holz unter dieser Belastung mikro- und makroskopisch verhält und wie sich dieses Verhalten mit Rechenverfahren am Computer simulieren lässt. Aus den Ergebnissen habe ich dann abgeleitet, wie die Stoßdämpfer verbessert werden können.
 

Wie bist du zu diesem Thema gekommen?
 Die Themenfindung hat eine Weile gedauert, ich habe mir das Thema alleine suchen müssen. Dazu habe ich überall mal reingeschnuppert und dann überlegt, was ein gutes Thema sein könnte. Aus meinen Ideen habe ich das Thema formuliert und dann mit meinem Chef und meinem Doktorvater abgesprochen. Das war auch keine einfache Zeit, weil ich ja - frisch von der Uni - vieles noch nicht richtig einschätzen konnte. Im Rückblick habe ich aber an den entscheidenden Stellen die richtigen Entscheidungen getroffen, vielleicht mit Glück und gutem Gespür zusammen.
 

Was ist für dich an deinem Promotions-Modell besonders positiv oder negativ?
 Besonders positiv war die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen hier in der BAM. Die BAM ist eine große Institution mit über 1.700 Mitarbeitern. Da gibt es eine Menge Know-how. Es macht sehr viel Spaß, mit so vielen guten Kollegen zusammenzuarbeiten. Dazu kommt die tolle Ausstattung der BAM mit teilweise weltweit einzigartigen Prüf- und Messeinrichtungen. Unter diesen Bedingungen lassen sich tolle Ergebnisse produzieren. Einzig kritisch war für mich die recht große Entfernung zu meinem Doktorvater in Wuppertal.
 

Auf welche Hindernisse bist du gestoßen und wie hast du sie bewältigt?
 Die größte Schwierigkeit war für mich psychologischer Natur. Bis dahin war ich gewöhnt, dass ich mich irgendwo rückversichern konnte, ob der eingeschlagene Weg zielführend ist. Aber plötzlich gab es keinen mehr um mich herum, der mehr Ahnung vom Thema hat als ich. Und so richtig Lust sich reinzudenken hat auch keiner. Also habe ich zu Beginn versucht, die eine oder andere Entscheidung rauszuschieben.
 
 Aber irgendwann musste ich dann einfach lernen, das Heft selbst in die Hand zu nehmen und mich für die nächsten Jahre auf meine Überlegungen und Planungen zu verlassen. Und dann selbstbewusst und ohne jegliche Führung in die von mir angepeilte Richtung zu marschieren. Dazu gehörte auch, dass ich mal die Ergebnisse eines Vierteljahres wegwerfen musste.
 

Nimmst du an Kongressen und/oder Forschungsreisen teil? Wenn ja, wie finanzierst du das?
 Ich war recht oft auf Konferenzen – im Schnitt zwei Mal im Jahr – und habe Vorträge gehalten. So war ich unter anderem in Japan, Griechenland, England und den USA. Die BAM finanziert das.
 

Wie gut betreut dich dein Professor?
 Die Betreuung durch meinen Professor war sehr gut, allerdings eher in struktureller und strategischer Hinsicht. Die fachliche Betreuung fand in der BAM statt, durch Diskussion mit den Kollegen. Bei meinem Doktorvater habe ich aber etwas ganz Wesentliches gelernt: Nämlich wie ich die Dissertation schreiben muss, wie die Ergebnisse aufbereitet und präsentiert werden müssen.
 

Was machst du jetzt nach deiner Promotion?
 Ich bin immer noch bei der BAM und leite die Bauartprüfung von zwei neuen Transportbehältern, die im nächsten Jahrzehnt eingesetzt werden sollen. Erstmal kann ich da eine Menge lernen und bleibe also noch etwas.
 

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?
 Das Schreiben der Arbeit sollte man nicht auf das Ende der Promotionszeit verlegen. Ich habe schon immer während der Arbeit die einzelnen Themenbereiche zusammengeschrieben. Das hieß natürlich oft, einiges mehrfach zu schreiben, aber das war nicht umsonst. Wenn es im Umkreis Probleme beim Promovieren gab, dann vor allem in der Phase, in der ja "nur noch zusammengeschrieben" werden musste.

nach oben

Du möchtest uns einen e-fellow für ein Porträt vorschlagen? Dann schreib eine E-Mail mit einer kurzer Begründung an das Redaktionsteam.

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren