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Doktorand und Dozent mit Herzblut

e-fellow Kilian promoviert zur Besteuerung von Immobilieninvestitionen, Quelle: sxc.hu, User: woodsy

e-fellow Kilian promoviert zur Besteuerung von Immobilieninvestitionen, Quelle: sxc.hu, User: woodsy

Warum hast du dich für eine Promotion entschieden?
Der Hauptgrund ist, dass ich weiterhin wissenschaftlich arbeiten wollte, denn meine Seminararbeiten und die Diplomarbeit haben mir viel Spaß gemacht. Ich schätze die Freiheit, mich ohne Druck intensiv in ein Thema einarbeiten zu können und auch mal verrücktere Ideen zu verfolgen. Bei mir war die Entscheidung für die Promotion auch mit dem Wunsch verbunden, Lehrstuhlmitarbeiter zu werden: Als Student habe ich bereits Tutorien gegeben und wusste daher, wie viel Freude mir das Unterrichten bereitet. Die Aussicht, sowohl Lehren als auch Forschen zu können, gab den Ausschlag für die Promotion als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Lehrstuhl.

Warum hast du dir die Uni Passau für deine Promotion ausgesucht? Weil du dort schon studiert hattest?
Die Entscheidung für Passau war nicht einfach: Ich wollte unbedingt wieder ins Ausland und hatte ein Jobangebot aus Übersee in der Tasche. Doch dann wurde eine Stelle am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre in Passau frei. Der Betreuer meiner Diplomarbeit fragte mich, ob ich mich denn nicht auf die Stelle bewerben wollte. Ich befand mich also in einer Zwickmühle: Dem Ruf des Fremden erliegen und nach Amerika auswandern oder meine Interessen Forschung und Lehre in Passau befriedigen? Für die erste Variante sprach natürlich hauptsächlich das Neue und Unbekannte in den USA, auch wenn das einen Job außerhalb einer Universität und eine externe Promotion bedeutet hätte. Für das Zweite sprach, dass ich mich neben der Forschung auch in der Lehre positionieren könnte.
 
Ich habe mich schließlich für Passau entschieden und aus heutiger Sicht war das richtig. Die Promotion und die Lehrstuhlarbeit machen mir großen Spaß. Daneben hat mein Chef wohl auch gemerkt, wie sehr es mich ins Ausland zieht. Deswegen bin ich seit Anfang 2007 Russlandbeauftragter des Lehrstuhls und Dozent an der Staatsuniversität für Management in Moskau. Ich fliege jedes Semester nach Russland und unterrichte dort Studierende des deutschsprachigen Studiengangs.
 
Wie hast du dich beworben?
Die Bewerbung war völlig unkompliziert. Mein Professor ist nicht nur jetzt mein Chef, sondern war das auch in der Bewerbungsphase. Zu der Zeit arbeitete ich als studentische Hilfskraft an seinem Lehrstuhl und war ihm daher schon bekannt. Damit wussten auch beide Seiten, worauf sie sich einlassen: Mein Professor kannte meine Arbeit durch viele Aufgaben, die ich bisher schon übernommen hatte. Und ich wusste, was er von mir erwarten würde, kannte meine künftigen Kollegen und das herzliche Arbeitsklima des Lehrstuhls.

Wie bist du zu deinem Thema gekommen?
Ich habe mich schon mit verschiedenen Themen beschäftigt, wie zum Beispiel mit Missbrauch im Umsatzsteuerrecht, mit Thesaurierungsrücklagen für Personengesellschaften oder mit der Abgeltungsteuer. Die Beiträge, die ich darüber geschrieben habe, sind auch in Fachzeitschriften erschienen. Aber trotzdem blieb ich meiner "alten Liebe" - der Immobilienbesteuerung - stets treu. Ich hatte schon meine Diplomarbeit darüber geschrieben und seither verfolge ich entsprechende Fachbeiträge, Dissertationen und fachverwandte Zeitungsartikel. Bald war mir klar, dass ich mein Glück in Immobilien finden werde und ich habe mich festgelegt.

Erläutere doch dein Thema in ein paar "laientauglichen" Sätzen.
Ich untersuche die Besteuerung von mittelbaren Immobilieninvestitionen aus Anlegersicht. Grundsätzlich ist es ja möglich, sowohl unmittelbar als auch mittelbar in Immobilien zu investieren. Ersteres gelingt beispielsweise durch den Kauf einer Gewerbeimmobilie. Letzteres bedeutet, dass man Anteile an (offenen) Immobilienfonds, einer Immobilien-AG oder einem so genannten REIT (Real Estate Investment Trust) kauft. Der Vorteil eines mittelbaren Engagements liegt auf der Hand: Man investiert nicht nur in eine Immobilie, sondern in ein ganzes Portfolio. Dabei ist das bei einem deutlich geringeren Anteilsbetrag als beim unmittelbaren (Allein-)Kauf einer Immobilie möglich. Interessant ist es nun, sich eben diese mittelbaren Investments anzuschauen und die damit verbundenen Abgabenlasten zu ermitteln. Hier spielen neben Ertragsteuern auch Realsteuern eine bedeutende Rolle. Darum muss man sich kümmern, wenn man eine Investition in Immobilien steueroptimal vollziehen will.

Was ist für dich an deinem Promotions-Modell besonders positiv/negativ?
Als wissenschaftlicher Mitarbeiter kann ich mich natürlich nicht ausschließlich auf die Forschung und meine Doktorarbeit konzentrieren. Ich muss Seminare geben, Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten betreuen und Sprechstunden halten. Den großen Anteil an Lehre sehe ich aber weniger als Nachteil, sondern vielmehr als Chance für meine Persönlichkeitsentwicklung. Beispielsweise kann ich mich bei wöchentlichen Vorlesungen vor mehr als 600 Studierenden beweisen und dabei mein Fachwissen auf die Probe stellen (lassen). Außerdem versuche ich durch meine Präsentationen ein durchaus kritisches Publikum für mich und unser Fach zu begeistern.
 
Man lernt auch, mit schwierigen Gesprächs- oder Prüfungssituationen umzugehen: Wie sagt man einem Studierenden, dass seine Seminararbeitsleistung nicht ausreichend ist und er keine Credits bekommt? Wie reagiert man, wenn jemand in der Diplomprüfung spickt, man ihn erwischt und ihn durchfallen lassen muss? Die Uni lässt einen bei diesen Problemen zum Glück nicht allein, sondern bietet eine hochschul- und wissenschaftsdidaktische Fortbildung an. Die Kombination von Promotion und wissenschaftlichem Mitarbeiter bietet eine Persönlichkeitsentwicklung, wie man sie sonst wohl nur ab der mittleren Managementebene wieder findet. Obwohl das zu Lasten eines schnellen Promovierens geht, überwiegen meiner Meinung nach die Vorteile dieses Modells.

Wie ist die Zusammenarbeit mit deinem Professor? Wie ist die Betreuung?
Die Zusammenarbeit mit meinem Chef ist hervorragend. Natürlich liegt das in erster Linie daran, dass wir uns fast täglich sehen und fachlich austauschen können. Auch weiß er genau, welchen Lehr- und Betreuungsbelastungen ich momentan ausgesetzt bin und welche Stoffinhalte ich in meinen Veranstaltungen gerade vermittle. Dadurch kann mein Professor auch sehr genau abschätzen, wie ich mit der Forschungsarbeit vorankomme und mich zielgerichtet betreuen. Dabei ist es an mir, fachlichen Rat bei ihm zu suchen oder Schwierigkeiten mit ihm zu diskutieren. Mache ich das nicht oder sehe ich aktuell keinen Betreuungs- und Diskussionsbedarf für meine Doktorarbeit, werde ich auch in kein Gespräch gezwungen.
 
Auf welche unerwarteten Hindernisse bist du gestoßen, und wie hast du sie bewältigt?
Die Randlage Passaus bringt es mit sich, dass ich für Fortbildungen oder Doktorandenseminare im Auditing und Tax Management stets weite Fahrten bewältigen muss. Daher habe ich aus der Not eine Tugend gemacht und schaue mich nach solchen Veranstaltungen nicht mehr nur in Deutschland um, sondern vor allem auch in unseren Nachbarstaaten Österreich und Tschechien.

Was planst du nach deiner Promotion?
Ganz oben steht der Wunsch, wieder im Ausland zu arbeiten: Da dies sowohl als Postdoc an einer Universität, als auch als Mitarbeiter einer international tätigen Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung möglich ist, muss ich mich zum Glück aktuell für keine der beiden Richtungen entscheiden.

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?
Anderen Doktoranden empfehle ich, den Austausch mit anderen Promovenden des gleichen Forschungsgebietes zu suchen. Dies muss nicht bedeuten, dass die auch dem gleichen Fach angehören. Ich stehe als Betriebswirt im regen Austausch mit Juristen. So kann man sich gegenseitig befruchten und die Qualität der eigenen Arbeit deutlich steigern. Künftige Doktoranden sollten frühzeitig die Weichen Richtung Promotion stellen. Sie sollten sich vorab im Klaren sein, wo und wie sie promovieren wollen: In- oder Ausland? Lehrstuhlarbeit oder Graduiertenkolleg? Welcher Professor forscht im eigenen Bereich? Je eher man sich mit diesen Fragen beschäftigt, desto früher kann man sich für die entsprechende Stelle ins Gespräch bringen.

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