Partner von:

Fotostudio für Elektronen

Fotoapparat, Promotion, Elektronen, Kathrin Kluender, Attosekunden (Quelle: sxc.hu/CraigPJ)

Fotoapparat, Promotion, Elektronen, Kathrin Kluender, Attosekunden (Quelle: sxc.hu/CraigPJ)

Wann und warum hast du dich für eine Promotion entschieden?
 Ich bin unbewusst immer davon ausgegangen, dass meine Universitätsausbildung erst mit dem Doktortitel enden würde. Das ist in der Physik nicht unüblich. Bewusst habe ich mich erst während der Diplomarbeit dazu entschieden. Die Diplomarbeit bot mir das erste Mal die Möglichkeit, mich umfassend mit einer wissenschaftlichen Fragestellung auseinanderzusetzen, die in dieser Form noch nicht behandelt wurde. Die Herausforderung, dabei neues Wissen zu schaffen, empfand ich als derart spannend, dass ich danach einfach weitermachen wollte.
 

Wie bist du auf eine schwedische Universität gestoßen?
 Ich habe nicht direkt nach einer Promotion in Schweden gesucht, eher habe ich mit dem Gedanken gespielt, im Ausland zu promovieren. Ich hatte damals das große Glück, einen Professor an meiner Universität als Mentor zu finden, der sich ausgezeichnet in meinem jetzigen Feld auskennt. Als Leiter eines Netzwerks von europäischen Laserlaboren konnte er mir hilfreiche Tipps geben und mir hervorragende Forschungsgruppen empfehlen. Am Ende hatte ich verschiedene Stellenangebote, von denen ich mich für Lund entschieden habe. Am Tag meines Vorstellungsgespräches habe ich das erste Mal einen Fuß auf schwedischen Boden gesetzt.
 

Wie hast du dich beworben?

 Kurz vor Ende meines Studiums fand eine internationale Konferenz zu meinem Fachgebiet "Attosecond Physics" in Dresden statt. Ich habe mich im Vorfeld über die Teilnehmer informiert und bin dann einfach hingefahren. Dort habe ich mich verschiedenen Professoren vorgestellt und sie nach Promotionsmöglichkeiten gefragt. Die Resonanz auf meine Eigeninitiative war sehr positiv. Am Ende eines Tages hatte ich mehrere Aufforderungen, meine Bewerbungsunterlagen zu schicken. Nachdem ich meine Unterlagen verschickt hatte, wurde ich schon nach kurzer Zeit zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, bei denen ich unter anderem einen Vortrag über meine Diplomarbeit gehalten habe.
 

Erläutere dein Thema "Control of attosecond pulse generation and application to atomic and molecular physics" in ein paar "laientauglichen" Sätzen.

 Prozesse in der Quantenwelt, zum Beispiel die Bewegung von Elektronen in Atomen und Molekülen, können sich auf sehr kurzen Zeitskalen abspielen. Die Prozesse, die ich untersuche, finden innerhalb einiger hundert Attosekunden statt. Eine Attosekunde entspricht dem Millionstel vom Millionstel einer Millionstelsekunde. Um diese Prozesse zeitaufgelöst untersuchen zu können, bedarf es ebenso schneller Detektoren. Das ist vergleichbar mit der Belichtungszeit eines Fotoapparates: Möchte man zum Beispiel einen Kolibri im Flug fotografieren, so muss die Belichtungszeit kurz genug gewählt werden, um ein scharfes Bild der Flügel zu erhalten. Werden dann viele Aufnahmen des Flügelschlags schnell hintereinander gemacht, so ist es später möglich, anhand der Fotos den Bewegungsablauf des Flügelschlags zu rekonstruieren.
 
 Genau dieses Prinzip wende ich in meiner Promotion an, um schnelle Prozesse in Elektronensystemen zu untersuchen. Da es weder Mechaniken noch Elektronik gibt, die schnell genug reagieren, erzeuge ich sehr kurze Lichtpulse, um eine angemessene Belichtungszeit zu erreichen. Die Pulse haben die Dauer von einigen hundert Attosekunden. Mit ihnen kann ich sozusagen Fotostrecken von Elektronen aufnehmen, um deren zeitliche Entwicklung zu untersuchen.
 

Wie bist du zu deinem Thema gekommen?

 Die Deutsche Physikalische Gesellschaft veranstaltet jährlich fächerübergreifende Tagungen. Als ich dort die Ergebnisse meiner Diplomarbeit vorgestellt habe, hielt ich gleichzeitig nach Ideen für meine Promotion Ausschau. Bei verschiedenen Vorträgen bin ich immer wieder auf das Stichwort Attosecond Physics gestoßen. Das war unglaublich spannend, und da wusste ich: Das will ich machen! Das genaue Thema hat sich dann aber erst nach Beginn der Promotion herauskristallisiert. Das wurde vorher von meiner Betreuerin und mir so abgesprochen. So hatte ich nach einer Einarbeitungsphase die Möglichkeit, ein Thema zu finden, das völlig auf meine Interessen zugeschnitten ist.
 

Was ist für dich an deinem Promotionsmodell besonders positiv / negativ?
 Ich habe den Eindruck, dass sich die Universitäten in Schweden stärker in der Pflicht sehen als in Deutschland. Das schwedische Promotionsmodell beinhaltet zum Beispiel einen Vertrag zwischen dem Doktoranden und der Universität, in dem das Ziel der Promotion und wichtige Zwischenschritte beschrieben werden. Zweimal im Jahr finden Treffen mit dem Betreuer und Zweitbetreuer statt. Dort wird das Erreichte und das Geplante dokumentiert und von Seiten der Universität bestätigt. Zum anderen verpflichtet sich die Universität, die bestmöglichen Rahmenbedingungen für die Ausbildung zum Wissenschaftler zu schaffen. So ist zum Beispiel der regelmäßige Besuch von Konferenzen und Summer Schools zwar keine echte Pflicht, dafür aber das gute Recht eines jeden Doktoranden wird großzügig finanziell unterstützt. Und sollten die erhofften Veröffentlichungen ausbleiben, dann wird ebenfalls kritisch nach der Qualität der Betreuung gefragt.
 
 Andererseits verpflichtet die schwedische Promotion, im Gegensatz zur deutschen, zur Teilnahme an Vorlesungen. Ich persönlich empfinde das als einen Nachteil, da es viel Zeit in Anspruch nimmt, und ich nach einem abgeschlossenen Studium eigentlich nicht wieder in Hörsälen sitzen wollte.
 

Wie ist die Zusammenarbeit mit deinem Professor – wie ist die Betreuung?

 Physik ist oft Teamwork, gerade bei komplexen Experimenten wie in meinem Fall. In unserer Gruppe sind meist mehrere Doktoranden an den Experimenten und der anschließenden Diskussion beteiligt. Für das eigene Projekt fällt einem dann die Rolle des Verantwortlichen zu, der die Vorbereitungen trifft, den Ablauf koordiniert und später die Datenanalyse vorantreibt. Die Zusammenarbeit funktioniert in unserer Gruppe sehr gut. Meine Professorin ist natürlich ein Teil dieser Gruppe. Zwar ist sie nicht in den Alltag im Labor eingebunden, aber sie ist immer interessiert und bestens informiert. Außerdem ist sie der wichtigste Diskussionspartner, wenn es um die physikalische Interpretation der experimentellen Ergebnisse geht. Dafür ist es nicht nötig, einen extra Termin zu vereinbaren.
 

Was planst du nach deiner Promotion?

 Die Promotion in Schweden ist auf vier Jahre angelegt. Ich habe also noch Zeit für konkrete Pläne. Momentan arbeite ich sehr grundlagenorientiert, das würde ich in Zukunft gerne ändern. Ich kann mir sehr gut vorstellen, nach der Promotion in einem größeren Unternehmen an der Schnittstelle zur Forschung und Entwicklung zu arbeiten. Langfristig möchte ich die Arbeit im Labor hinter mir lassen.
 

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?
 Wenn ihr im Vorfeld sicherstellt, dass ihr euch nur an Lehrstühlen mit ähnlicher, hervorragender wissenschaftlicher Qualität bewerbt, dann könnt ihr während des eigentlichen Vorstellungsgesprächs mehr auf euer Bauchgefühl hören. Neben dem wissenschaftlichen Renommee kann auch die zwischenmenschliche Komponente erheblich zum Gelingen einer Promotion beitragen, besonders wenn euer Projekt auf die Mithilfe Anderer angewiesen ist.

nach oben

Du möchtest uns einen e-fellow für ein Porträt vorschlagen? Dann schreib eine E-Mail mit einer kurzer Begründung an das Redaktionsteam.

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren