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Interkulturell unterwegs mit Chinakohl und Raps

Raps, Feld, Wissenschaft, Biologie [Quelle: freeimages.com, Autor: Krappweis]

Quelle: freeimages.com, Krappweis

Bevor Johannes sich entschieden hat, wo er promovieren möchte, unterhielt er sich mit Doktoranden aus verschiedenen Ländern über ihre Erfahrungen. Seine Wahl fiel schließlich auf das niederländische Graduiertenkolleg 'Experimental Plant Sciences'. Dort erforscht er das Erbgut von Chinakohl und bereist gleichzeitig die Welt.

Wann und warum hast du dich für eine Promotion entschieden?

Nach meinem Grundstudium habe ich mich auf Biochemie, Mikrobiologie und Genetik spezialisiert. Die Fach- und Lehrsprache bei uns am Institut für Genetik war Englisch, und ich war sehr überrascht von der großen Zahl verschiedener Nationalitäten. Außerdem sind die "Life Sciences" besser mit Mitteln ausgestattet und besitzen ein bei weitem größeres Netzwerk als beispielsweise die Zoologie. Für die Studenten gibt es so viele Möglichkeiten, vergleichsweise schnell und einfach unterschiedliche Länder und Kulturen kennenzulernen und gleichzeitig berufliche Ziele zu verfolgen. Ich habe das von Anfang an so praktiziert und wurde dabei von meinem Professor unterstützt. Nach Stationen in China und England, die mich beide fachlich und persönlich sehr bereichert haben, wollte ich diesen Weg in einer Promotion weiter gehen, bevorzugt in einem neuen Land. Ich möchte neue Herausforderungen haben und will persönlich und beruflich wachsen.

Wie bist du auf deinen Professor bzw. auf dein Graduiertenkolleg gestoßen?

Ich habe meine Diplomarbeit am Sainsbury Laboratory in Norwich/England geschrieben und konnte dort mit Alumni verschiedener europäischer Promotionsprogramme sprechen. So erhielt ich einen groben Überblick über die jeweiligen Vor- und Nachteile. Am attraktivsten fand ich für mich das niederländische Graduiertenkolleg "Experimental Plant Sciences" (EPS).

Wie hast du dich beworben?

Die Promotionsstelle war regulär ausgeschrieben. Das geschieht für Stellen in den Benelux-Ländern meist auf dem international ausgerichteten Portal www.academictransfer.com. Ich habe mich während meiner Diplomarbeit mit Anschreiben, CV und Zeugnissen bei meinem jetzigen Doktorvater Professor Eric Schranz beworben.

Erläutere dein Thema doch bitte in ein paar laientauglichen Sätzen.

Viele Pflanzen der Ordnung von Chinakohl und Raps teilen das Merkmal zur Produktion bestimmter Abwehrstoffe. Diese verleihen Senf den typischen Geschmack und kommen in mehreren chemischen Klassen vor. Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem evolutionären Alter der Gattung und der Anzahl der produzierten Stoffklassen. In meinem Projekt suche ich in der Erbsubstanz der Pflanzen nach Mustern, die erklären können, wie sich so ein komplexes Merkmal in so kurzer Zeit diversifizieren konnte.

Wie bist du zu deinem Thema gekommen?

Das hatte viele Gründe. Ich finde den Gedanken sehr reizvoll, die molekularen Grundlagen des Lebens zu verstehen. In meiner Diplomarbeit habe ich die Funktion einiger weniger Gene untersucht - in der Promotion analysiere ich die gesamte Erbsubstanz (und damit alle Gene) mehrerer verschiedener Spezies auf einmal. Zu diesen Genomen hat im Moment außer uns auch niemand Zugang. Vereinfacht gesagt: Weil die Informationsmengen, die mir zur Verfügung stehen, größer sind als bei allen meinen Vorgängerprojekte, ist die Tragweite der potentiell möglichen Aussagen ebenfalls größer. In meiner Arbeit setze ich Zukunftstechnologien ein und arbeite eng mit chinesischen Gruppen zusammen. Schließlich sind die Kollegen am Beijing Genome Institute derzeit weltweit führend im Auslesen und Aufbereiten von Erbinformationen. Diese Zusammenarbeit bietet immer wieder Möglichkeiten zum interkulturellen Austausch - was wiederum im Fall eines Wechsels in die freie Wirtschaft sehr nützlich sein kann.

Was ist für dich an deinem Promotionsmodell besonders positiv oder negativ?

Ich möchte an der Stelle zwei getrennte Dinge loben. Das in den Niederlanden gängige Promotionsmodell im Allgemeinen und EPS im Speziellen. Die Doktorarbeiten in den Naturwissenschaften werden hier grundsätzlich kumulativ verfasst. Das bedeutet, drei in Fachzeitschriften veröffentliche Artikel ersetzen ein großes Mammut-Werk am Ende der Promotion. Die Publikationen werden zum Schluss nur noch in einen sprachlichen und inhaltlichen Zusammenhang gesetzt und das Ergebnis wird gedruckt. Außerdem unterliegen die Verträge der Doktoranden dem "Collective Dutch Labour Agreement". Das steht in Kontrast zu Promotionsverträgen in Deutschland, wo die Vergütung oft als Stipendium etikettiert wird, was viele negative Auswirkungen hat. Ähnlich günstige Rahmenbedingungen gibt es im europäischen Vergleich sonst nur noch in der Schweiz und den skandinavischen Ländern.

EPS bietet ein sehr großes Zusatzangebot an, darunter Kurse zu Leadership, Zeitmanagement, wissenschaftlichem Schreiben oder Präsentieren. Jedes Jahr gibt es ein mehrtägiges EPS-Meeting, das zwischen England, Frankreich, Belgien und den Niederlanden rotiert. Für Vorträge auf anderen nationalen und internationalen Kongressen bekomme ich zusätzliche ECTS-Punkte, die zusammen mit den belegten Kursen am Ende der Promotion in einem gesondertem Nachweis erscheinen. Ich sehe das als Privileg und versuche die Angebote wahrzunehmen, so oft ich kann.

Auf welche Hindernisse bist du gestoßen und wie hast du sie bewältigt?

Gerade am Anfang meiner Promotion hatte ich oft das Gefühl, dass mich die Flut an neuen Fakten und unbekannten Methoden schier erdrückt. Man beschäftigt sich ja zum größten Teil mit Problemen, auf die niemand eine Antwort weiß - sonst hätte man ja keinen Doktoranden darauf angesetzt. Ich versuche zu lernen und zu wachsen, um das Problem als Herausforderung begreifen zu können. Es geht nicht immer alles ganz so leicht, wie man sich das vorstellt. Man muss an sich arbeiten.

Wie gut betreut dich dein Professor?

Eric Schranz hat sein Büro hinter der nächsten Tür und steht mir jederzeit mit Rat zur Seite, auch außerhalb unserer regulären Treffen alle zwei Wochen. Wenn einer von uns im Ausland ist, skypen wir - wegen der Zeitdifferenz zu den USA oder China dann teilweise zu sehr ungewöhnlichen Uhrzeiten.

Was planst du nach deiner Promotion?

Ich bin fasziniert von unserer Forschung, weiß aber noch nicht, ob eine akademische Karriere für mich sinnvoll ist. Dafür muss ich den Impact meiner Arbeit abwarten. Vielleicht finde ich zwischen Abgabe und Verteidigung meiner Promotion Zeit für einen Ausflug in die nicht-akademische Welt - in meinem letzten Praktikum bei einer Beratung habe ich mich auf jeden Fall sehr wohlgefühlt.

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?

Großes Wissen auf einem bestimmten, sehr begrenzten Gebiet darf niemals dazu dienen, mangelndes Wissen auf den meisten anderen Gebieten zu rechtfertigen. Die Kenntnis von vielen verschiedenen Systemen wird dich in jedem Fall nicht nur in deiner Karriere, sondern auch in deiner Persönlichkeitsentwicklung voranbringen – egal ob diese Systeme Arbeitsgruppen, Kulturen, Branchen oder Sprachen sind!

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