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Die Farbe des Goldes

Gold, Nanopartikel, Promotion, e-fellows promovieren, Jan Bretschneider, Quelle: sxc.hu User miamiamia

Gold, Nanopartikel, Promotion, e-fellows promovieren, Jan Bretschneider, Quelle: sxc.hu User miamiamia

Warum hast du dich für eine Promotion entschieden?
 Chemiker promovieren eigentlich fast immer, denn für einfache Diplom-Chemiker sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt ziemlich schlecht. Außerdem hat es mich seit Beginn meines Studiums gereizt, mich intensiv in ein Thema einzuarbeiten und meinen eigenen Beitrag zur Wissenschaftsgemeinschaft zu leisten.
 

Wie bist du auf dein Graduiertenkolleg gestoßen und wie hast du dich dort beworben?
 Den Kontakt zu meinem Hauptbetreuer bekam ich durch eine Seminararbeit im Hauptstudium. Nach der Diplomarbeit, die ich ebenfalls bei ihm schrieb, blieb ich wegen der guten Atmosphäre und anspruchsvollen Themenstellung an seinem Lehrstuhl. Nach einem Jahr, in dem ich an einem anderen Thema (Janusnanopartikel) arbeitete, bot mein Betreuer mir die Mitarbeit im Graduiertenkolleg an. Die Interdisziplinarität, die Möglichkeit ein Stipendium zu erhalten und die spanndende Fragestellung machten mir die Entscheidung leicht, das Thema zu wechseln.
 

Musstest du dich dort bewerben?
 Ich habe mich formlos via Mail und durch ein persönliches Gespräch mit meinem Betreuer beworben. Für das Graduiertenkolleg stellte ich einen Lebenslauf und meine Zeugnisse zusammen, die ich dann einem Empfehlungsschreiben meines Professors beilegte. Das reichte dann aus.
 

Erläutere dein Thema in ein paar "laientauglichen" Sätzen.
 Nanopartikel werden derzeit intensiv wegen zwei Schlüsseleigenschaften untersucht: Erstens entspricht ihre Größe in etwa der von Biomolekülen, wie beispielswiese der DNA, Enzymen oder Zucker. Daher scheinen sie geeignet, mit diesen zu interagieren. Zweitens ist ihre Oberfläche im Verhältnis zu ihrem Volumen sehr groß. Dadurch variieren verschiedene ihrer physikalischen Eigenschaften in Abhängigkeit von ihrer Größe und von der Umwelt. In meiner Arbeit beschäftige ich mich damit, wie sich die optischen Eigenschaften - also die Farbe - von Goldnanopartikeln in Abhängigkeit von der Temperatur verändern. Indem wir Biomoleküle auf der Partikeloberfläche anbringen, können wir die optischen Eigenschaften der Partikel in einem gewissen Rahmen einstellen. Durch Bestrahlung der Nanopartikel mit Laserlicht einer definierten Wellenlänge - also einer bestimmten Farbe - können wir die Nanopartikel gezielt erwärmen. Die Biomoleküle auf der Partikeloberfläche werden dann auch erwärmt und können dadurch in ihrer Funktionalität reversibel und "berührungslos" manipuliert werden. Später soll damit ein neues System zur temperaturgesteuerten Analytik von Biomolekülen entwickelt werden.
 

Wie bist du zu diesem Thema gekommen?
 Für eine Arbeit in den Nanowissenschaften habe ich mich entschieden, weil mich die Aufbruchstimmung in diesem Forschungsgebiet reizte. Vor allem faszinierte mich, dass dort viele Einzeldisziplinen - Chemie, Biologie, Physik und Ingenieurswissenschaften - zusammen treffen und aufeinander angewiesen sind.
 

Das hat doch sicher positive und negative Aspekte?
 Ja, das stimmt. Besonders positiv empfinde ich die Zusammenarbeit mit Promovierenden aus anderen Fachbereichen. Die kann sehr inspirierend sein. Außerdem schätze ich die Freiheit, die mein Chef mir bei der Ausgestaltung meiner Arbeit gewährt. Als schwierig erwies sich in der Anfangsphase die Themenfindung, weil alle Beteiligten mit ihrer persönlichen Perspektive auf das Projekt blickten. Die unterschiedlichen Ansprüche so auszutarieren, dass alle von der Abreit profitieren und zum Gelingen beitragen, war nicht einfach. Meines Erachtens hat es aber funktioniert.
 

Auf welche unerwarteten Hindernisse bist du gestoßen und wie hast du sie bewältigt?
 Unerwartete Hindernisse tauchten von wissenschaftlicher Seite immer wieder auf. Dann waren Kreativität, Literaturrecherche und intensive Diskussionen gefragt. Viel häufiger jedoch waren es die Zufälle, die Dinge verbessert haben: So wurde beispielsweise ein Versuchsaufbau, der an sich schon funktionierte, durch ein neues Spektrometer, das plötzlich zur Verfügung stand, noch besser.
 

Wie ist die Zusammenarbeit mit deinem Professor – wie ist die Betreuung?
 Meine Betreuer lassen mir wissenschaftlich sehr viel Freiraum, was ich sehr schätze. So konnte ich Ideen ausprobieren, die mir wichtig waren. Habe ich Fragen, stehen sie mir jederzeit zur Verfügung. Durch das Graduiertenkolleg habe ich außerdem die Chance, regelmäßig über den Fortgang meiner Arbeit vor Publikum zu berichten – was durchaus zur Motivation beiträgt.
 

Was planst du nach deiner Promotion?
 Derzeit bewerbe ich mich vor allem auf Stellen in der Forschung und Entwicklung der chemischen Industrie. Ich will dort mit meinem Fachwissen an Produkten arbeiten, die Menschen begeistern oder ihr Leben verbessern. Wie es danach weitergeht, steht in den Sternen – aber später Verantwortung für Teams zu übernehmen und Arbeit und Wissen zu organisieren, wäre toll.
 

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?
 Allgemeingültige Tipps habe ich nicht. Mir hat geholfen, dass ich mich nicht völlig von meiner Arbeit habe vereinnahmen lasse. Ich habe immer darauf geachtet, meine Hobbys zu pflegen und zu entwickeln. Deshalb ein Aufruf an andere Doktoranden: Vergesst nicht zu leben!

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