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Klimawandel und Politik

Wind, Windenergie, Windrad, Effizienz [Quelle: freeimages.com, Autor: Safrane01]

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Energieeffizienz ist ein großes Thema in der Politik, doch obwohl es kosteneffiziente Technologien gibt, werden sie nicht aureichend eingesetzt. Das möchte e-fellow Jan ändern. Bei seiner Promotion an der University of Oxford hilft er somit bei der Vermittlung zwischen Forschung und Politik.

Wann und warum hast du dich für eine Promotion entschieden?

Ich habe zwei Jahre in London bei einer Unternehmensberatung im Energie- und Klimabereich gearbeitet. Dabei ist mir aufgefallen, dass für viele der spannenden Fragen, mit denen wir zu tun hatten, nicht genügend Zeit vorhanden war. Eine Promotion schien der richtige Weg für die Suche nach Antworten zu sein.

Wie hat es dich damals nach England verschlagen?

Ich habe vor vier Jahren einen Master in Umweltpolitik und Umweltökonomie an der London School of Economics gemacht. Einen solchen Studiengang gab es in Deutschland damals nicht. Außerdem hätte ein Master in Deutschland zwei weitere Jahre gedauert und ich hatte bereits ein Diplomstudium hinter mir. England hat mir sehr gut gefallen und damals waren die Arbeitsmarktchancen ausgezeichnet. Daher habe ich nach dem Master-Studium dann Jahre in London bei einer Beratung im Energie- und Klimabereich gearbeitet.

Wie bist du dann auf deinen Professor und deine Uni gestoßen?

Das Environmental Change Institute der University of Oxford ist eine der aktivsten Forschungsgruppen in der Energieeffizienzpolitik. Das ECI vermittelt zwischen Forschung und Politik, und ist daher über die akademische Welt hinaus bekannt. Ich bin während meiner Arbeit in London immer wieder auf das Institut aufmerksam geworden.

Wie hast du dich beworben?

Ich habe eineinhalb Jahre vor Beginn meiner Promotion mehrere mögliche Doktorväter mit ein paar Ideen für ein Promotionsthema angeschrieben und um ein Treffen gebeten. Dann habe ich ein Expose geschrieben und mich an drei Unis in England offiziell beworben. Dafür musste ich das Expose, meinen Lebenslauf, drei Fachgutachten und eine Hausarbeit einreichen. Ein paar Monate später habe ich die ersten Zusagen erhalten. Die University of Oxford war mein Favorit und ich habe sofort zugesagt.

Erläutere doch bitte dein Thema in ein paar laientauglichen Sätzen.

Ich beschäftige mich mit der Frage, warum sich Politik über längere Zeiträume verändert. Mein Fallbeispiel dafür ist die Energieeffizienzpolitik in Deutschland und Großbritannien. Dabei betrachte ich besonders solche Politikmaßnahmen, die auf Energieeffizienz im häuslichen Bereich abzielen.

Welche Unterschiede gibt es dabei zwischen den Ländern?

In Deutschland werden im Rahmen des CO2-Gebäude- sanierungsprogramms der Bundesregierung Milliarden in die Energieeffizienz von Wohngebäuden investiert. Und zwar in Form von zinsgünstigen Krediten und Zuschüssen. Großbritannien geht einen anderen Weg: Die Energieversorger müssen jedes Jahr nachweisen, dass sie bei ihren Kunden eine bestimmte Menge an Energie eingespart haben. Dafür erhalten sie Zertifikate, die handelbar sind. Das heißt, wenn ein Energieversorger weniger Energie bei den Endkunden einspart als vorgeschrieben, muss dieser Energieeffizienz-Zertifikate zukaufen. Erzielt er mehr Einsparungen, kann er Zertifikate verkaufen.
 
Seit der OPEC-Energiekrise im Jahr 1973 hat sich die Energieeffizienzpolitik stark verändert. Ich untersuche nun, welchen Einfluss unterschiedliche Faktoren, wie der Klimawandel, steigende Energiepreise und gesellschaftliche Akteure, auf Politikwandel haben.

Wie bist du zu diesem Thema gekommen?

Die Diskussion um Energieeffizienz in der Klimapolitik ist bisher sehr stark durch Debatten über Technologie und Kosten geprägt. Obwohl viele Energieeffizienztechnologien schon längst kosteneffizient sind, werden sie nicht ausreichend eingesetzt. Ich glaube, dass wir die Bedingungen besser verstehen müssen, unter denen sich Politik wandelt, und dass man dann solche Technologien vorantreiben kann.

Was ist für dich an deinem Promotions-Modell besonders positiv oder negativ?

Die Promotion in England ist strukturierter als in Deutschland. In Oxford müssen alle Doktoranden im ersten Jahr einen umfangreichen Bericht einreichen, den man dann mit zwei Wissenschaftlern diskutiert. Alle zwei Wochen hält ein Mitglied meiner Forschungsgruppe einen Vortrag und die anderen Teilnehmer diskutieren dann die aktuellen Forschungsergebnisse. Ich habe vor ein paar Wochen mein Promotionsvorhaben vorgestellt. Anschließend haben wir eineinhalb Stunden diskutiert. Dadurch erfährt man, was die anderen machen und man selbst bekommt auch Rückmeldung.

Auf welche Hindernisse bist du gestoßen und wie hast du sie bewältigt?

Ein großes Problem in England ist die Finanzierung der Promotion. Mein PhD-Programm kostet mehr als 40.000 Euro und Stipendien für Promovierende gibt es selten. Die Heinrich Böll Stiftung bezahlt meinen Lebensunterhalt, aber nicht die hohen Studiengebühren. Zum Glück konnte ich mich erfolgreich für ein weiteres Stipendium des UK Energy Research Centre bewerben, das die gesamten Studiengebühren übernimmt.

Bist du auf Kongressen oder Forschungsreisen? Wenn ja, wie finanzierst du das?

Bislang war ich auf mehreren Kongressen in London. Sobald ich erste Forschungsergebnisse habe, werde ich dann auch im Ausland an Tagungen und Konferenzen teilnehmen. Die Finanzierung ist kein Problem, da mein Stipendium vom UK Energy Research Centre bis zu 10.000 Euro für Forschungsreisen bereitstellt. Ich kann dieses Geld so einsetzen, wie ich es für richtig halte.

Wie gut betreut dich dein Professor?

Die Betreuung ist hevorragend. Mein Doktorvater hat sein Büro auf dem gleichen Flur und ich kann jederzeit an seine Tür klopfen. Wir treffen uns regelmäßig und diskutieren über meine Arbeit. Außerdem hat mein Doktorvater ausgezeichnete Kontakte, die ich für meine Feldforschung nutzen kann.

Was planst du nach deiner Promotion?

Ich würde gerne an der Schnittstelle zwischen Forschung und Politik arbeiten. Es gibt eine Reihe von außeruniversitären Forschungsinstituten, die eine solche Möglichkeit bieten. Ansonsten könnte ich mir auch vorstellen, in einer internationalen Organisation, wie der International Energy Agency, zu arbeiten.

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?

Eine gute Betreuung ist unheimlich wichtig. Man sollte sich sehr gut überlegen, von wem man sich betreuen lässt. Ein längeres Gespräch und der Austausch mit Promovierenden des Betreuers können da weiterhelfen. Bei einer Promotion im Ausland ist die Finanzierung der Promotion oft schwieriger, besonders wenn hohe Studiengebühren anfallen. Ich würde mich mindestens ein Jahr vor dem geplantem Beginn der Promotion um die Finanzierung kümmern und mich für so viele Stipendien wie möglich bewerben.

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