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Promovieren über Fußball

Harmut promoviert über die Diversität von Teams im Profifußball und deren Auswirkungen auf die Team-Leistung[Quelle: sxc.hu User: chesnutt]

Harmut promoviert über die Diversität von Teams im Profifußball und deren Auswirkungen auf die Team-Leistung[Quelle: sxc.hu User: chesnutt]

Warum hast du dich für eine Promotion entschieden?

Ich habe mich für eine Promotion entschieden, weil ich den Wunsch hatte, mich mit einem - meinem - Thema intensiv wissenschaftlich auseinanderzusetzen. Die besten Möglichkeiten dazu sah ich im akademischen Umfeld, weil ich auch die Abläufe an einer Hochschule kennen lernen wollte. Die Entscheidung war für mich richtig: Im Vergleich zu einigen extern promovierenden Kollegen kann ich mich viel intensiver auf mein Thema konzentrieren. Die können ihre Dissertation oft nur nebenbei vorantreiben, weil sie in den Job zu stark eingebunden sind.

Wie bist du auf deinen Lehrstuhl gestoßen?

Während des Hauptstudiums habe ich Vorlesungen zum Thema Human Resource Management bei meinem heutigen Doktorvater belegt. Die Art und Weise, wie er uns die Inhalte vermittelte, gefiel mir. Deshalb habe ich ihn für ein Projekt, das ich für die Studentenvertretung bearbeitete, um seine Einschätzung gebeten. Ich war von seiner wissenschaftlichen Herangehensweise an das praktische Problem begeistert und dachte erstmals über eine Promotion nach.

Wie hast du dich beworben?

Es war eine Walk-in-Bewerbung. Ich wusste durch einen Aushang, dass es freie Doktorandenstellen gab, und habe einfach am Lehrstuhl vorbei geschaut und mein Interesse bekundet. Ein paar Tage später fand ein Vorstellungsgespräch statt, zu dem ich meine Bewerbungsunterlagen mitbrachte.

Erläutere doch dein Thema in ein paar "laientauglichen" Sätzen.

Ich untersuche, wie sich die Zusammensetzung von Management-Teams auf die Teamleistung auswirkt. Dabei ist mir besonders die Zusammensetzung nach Alter, Nationalität, Geschlecht und der Dauer der Firmenzugehörigkeit wichtig. Hier steht nicht so sehr im Vordergrund, ob ein Team durchschnittlich eher jung oder alt ist, sondern wie heterogen es hinsichtlich des Alters ist. Sind zum Beispiel mehrheitlich 20-Jährige oder mehrheitlich 40-Jährige in einem Team, so handelt es sich in beiden Fällen um ein sehr homogenes Team. Verteilen sich die Gruppenmitglieder recht gleichmäßig auf alle Altersklassen, so ist das Team heterogen. Allgemein wird heterogenen Teams mehr Kreativität zugeschrieben, während homogene Teams konfliktfreier arbeiten. Diese Zusammenhänge möchte ich am Beispiel professioneller Sportteams untersuchen.

Wie bist du zu diesem Thema gekommen?

Aus persönlichem Interesse dachte ich darüber nach, ob ich nicht anhand des professionellen Teamsports - insbesondere des Profi-Fußballs - jobbezogene Motivation untersuchen könnte. Bei meiner Recherche stieß ich auf die Diversity-Forschung. Sie untersucht die Wirkungen von Diversität in Unternehmen - mit Schwerpunkt auf dem Zusammenhang zwischen Diversität und Leistungsvariablen. Eine Studie über den Profi-Sport erschien mir lohnend, weil viele Daten verfügbar sind und die Rahmenbedingungen stark standardisiert sind.

Was ist für dich an deinem Promotions-Modell besonders positiv/negativ?

Positiv ist, dass ich mich am Lehrstuhl und an der Hochschule häufig mit meinem Doktorvater und anderen Doktoranden austauschen und über Probleme oder meinen aktuellen Forschungsstand diskutieren kann. Negativ wirkt sich manchmal der Arbeitsaufwand am Lehrstuhl aus, der saisonal sehr hoch ist. Da meine Arbeit im Prorektorat projektbezogen ist, kann ich mir meine Zeit dort zwar einteilen, muss aber Deadlines einhalten. Dann fällt es mir schwerer, bei der Dissertation am Ball zu bleiben. Es gibt aber auch Phasen, in denen ich mich nach Absprache voll meiner Promotion widme.

Auf welche unerwarteten Hindernisse bist du gestoßen und wie hast du sie bewältigt?

Zu Beginn hatte ich nicht gedacht, dass man einige Ausdauer benötigt, um ein Thema bis zur endgültigen Form und Struktur zu entwickeln. Ich hatte unterschätzt, wieviel Energie grade am Anfang in die ausführliche Literatur-Recherche fließt. Hier ist aber der Weg das Ziel. Man muss außerdem einige Zeit investieren, um eine passende Forschungslücke zu finden.

Wie ist die Zusammenarbeit mit deinem Professor - wie ist die Betreuung?

Mein Professor hat mir bei der Wahl meines Themas freie Hand gelassen und gleichzeitig Anregungen für die Weiterentwicklung der Struktur gegeben. Besteht Gesprächsbedarf, findet er schnell einen Termin für mich. Während des Semesters treffen wir uns regelmäßig zu Lehrstuhl-Kolloquien, bei denen reihum jeder Doktorand seinen aktuellen Forschungsstand präsentiert und zur Diskussion stellt. Einmal im Jahr fahren wir mit einem befreundeten Lehrstuhl ein paar Tage weg und tauschen uns über unsere Forschung aus.

Was planst du nach deiner Promotion?

Nach meiner Promotion plane ich einen Auslandsaufenthalt als Visiting Scholar bei einem Forscher, der sich mit Diversität in Unternehmen beschäftigt. So möchte ich einen Einblick in die Forschung an einer ausländischen Hochschule bekommen. Außerdem kann ich dann mit jemandem zusammenarbeiten, der sich mit dem gleichen Thema befasst wie ich.

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?

Wenn ihr die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einem Thema sucht, entscheidet euch für eine interne Promotion. Von Anfang an solltet ihr die Möglichkeiten an der Hochschule nutzen. Die können eurem Promotionsvorhaben helfen. Sucht den regelmäßigen Austausch mit eurem Doktorvater, mit Kollegen und Forschern von anderen Hochschulen. Nehmt Feedback zu eurer Arbeit konstruktiv an, lasst euch aber nicht davon aus der Bahn werfen. Jeder hat mal eine kleine Krise, aus der er sich aber wieder herausarbeiten kann. Auch wenn euch am Anfang die Zeit für die Dissertation ewig vorkommen mag: Macht einen Plan mit vielen kleinen Zielen, die ihr zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht haben müsst. Denn die Lehrstuhlarbeit kann viel Platz einnehmen - und plötzlich promoviert ihr nur noch nebenbei.

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