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Internationaler Wettbewerb um die klügsten Köpfe

Weltweit studieren [Quelle: freeimages.com, Autor: flaivoloka]

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Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Stipendienvergabe an ausländische Studenten und außenpolitischen Zielen? e-fellow Hannah beantwortet diese Frage ganz klar mit 'ja' und erforscht die Zusammenhänge in ihrer Dissertation.

Wann und warum hast du dich für eine Promotion entschieden?

Für mich stand bereits im Hauptstudium fest, dass ich gerne promovieren möchte, bevor ich in die Berufswelt wechsle. Die endgültige Entscheidung fiel aber erst nach der Abgabe meiner Magisterarbeit. Ich merkte, dass ich gerne noch länger und intensiver daran gearbeitet hätte. Für viele spannende Forschungsfragen hatte ich einfach nicht genügend Zeit.

Wie bist du auf deinen Professor und deine Uni gestoßen?

Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt ist eine sehr kleine Universität mit einem guten Betreuungsverhältnis und prima Arbeitsbedingungen. Im Lesesaal der Bibliothek steht mir für meine Dissertation eine eigene Arbeitskabine zur Verfügung. Dort lagere ich all meine Bücher und Ordner, und auch mein Notebook ist sicher aufgehoben. Jetzt im Frühling sitze ich bei offenem Fenster und mit Blick ins Grüne in der Sonne und kann in Ruhe Dokumente analysieren. Wichtiges wie Termine und Strukturentwürfe hängen in Blickweite an der Kabinenwand. Vorteile, die ich alle bereits aus meinem Magisterstudium kenne.
 
Meinen Professor habe ich schon vor meinem Magisterstudium kennengelernt. Nach dem Abitur habe ich mich in seiner Sprechstunde über die angebotenen Studiengänge in Politikwissenschaft informiert und fühlte mich sofort sehr gut bei ihm aufgehoben. Schon damals wusste ich, dass ich das Fach "Außenpolitik" vertiefen und ein Auslandsjahr in Frankreich verbringen möchte. Meine Vorstellungen passten genau zum Profil meines Professors: Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Politik und hat ausgezeichnete Kontakte zum "Institut d’Études Politiques de Rennes". Das IEP zählt in Frankreich zu den "grandes écoles"-Elitehochschulen. Letztendlich hat mein Professor mich während meines gesamten Studiums begleitet. Er nominierte mich für das Auslandsstudienjahr und betreute auch meine Magisterarbeit.

Wie hast du dich beworben?

Die Aufnahme verlief sehr zügig und unkonventionell. Eine formelle Bewerbung war in meinem Fall nicht notwendig. Schon während meiner Magisterprüfungen habe ich meine Promotionsabsichten angesprochen. Das positive Ergebnis meiner Magisterarbeit motivierte mich dann zu einem Gespräch mit meinem Professor. Ich hatte schnell erste Ideen und eine Betreuungszusage in der Tasche.

Erläutere doch bitte dein Thema in ein paar laientauglichen Sätzen.

Ich beschäftige mich mit der Frage, welche politischen Hintergründe es hat, wenn zum Beispiel der DAAD Stipendien an BWL- und VWL-Studenten aus Ost- und Mitteleuropa vergibt. Für mich stehen die Stipendienprogramme klar in Zusammenhang mit außenpolitischen Zielen - nicht nur in Verbindung mit der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, sondern auch mit der Sicherheits-, Außenwirtschafts- und Entwicklungspolitik.
 
Der internationale Wettbewerb um die "klügsten Köpfe" ist dabei sehr groß. Die Stichworte "Brain Drain" und "Brain Gain" bestimmen die Diskussion. Ich gehe davon aus, dass der Wettbewerb um die Stipendiaten weltweit noch härter wird. Deutschland hat derzeit keine führende Position. Für mich ist es deshalb spannend, die Konzeption und Hintergründe der Stipendienpolitik im Vergleich zu Deutschland herauszuarbeiten. In meinem Fall habe ich mich für den EU-Nachbarn Frankreich entschieden.

Wie bist du zu diesem Thema gekommen?

Dafür waren zwei Komponenten ausschlaggebend. Zum einen befasste ich mich schon während meiner Magisterarbeit mit der "Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik" von Deutschland im Vergleich zu Frankreich. Schnell war klar, dass ich auf diesem Gebiet weiter forschen möchte. Zudem verspricht der Vergleich Deutschland-Frankreich interessante Forschungsergebnisse.
 
Während meines Studiums leitete ich die "Lokale studentische Erasmus-Initiative" (LEI) an meiner Universität. Somit war ich für die Betreuung ausländischer Studenten zuständig. Durch die jährlichen DAAD-Tagungen wurde mir bewusst, dass es einen Zusammenhang zwischen ausländischen Studenten und (Außen-)Politik gibt. Auch in der Praxis fiel mir auf, dass zum Beispiel im Master-Studiengang "Internationale Beziehungen" an meiner Universität hauptsächlich hochqualifizierte DAAD-Stipendiaten aus der ehemaligen Sowjetunion und den Transformationsländern Ostmitteleuropas studieren. Prinzipiell ist der Studiengang auch für Studenten aus anderen Nationen (einschließlich Deutschland) offen.
 
Eine Promotion schien der richtige Weg für die Suche nach Antworten zu sein, da hier meine Studienschwerpunkte und meine beruflichen Erfahrungen einfließen konnten. Mein Betreuer und ich waren uns schnell einig, dass ich das Thema weiter erforschen sollte.

Was ist für dich an deinem Promotions-Modell besonders positiv oder negativ?

Als Promotionsstudentin habe ich viel Freiraum für Forschungsarbeiten und Praxiserfahrungen. So arbeite ich zurzeit im International Office meiner Universität in den Bereichen "Studierendenaustausch" und "Hochschulkooperationen". Themen, die auch meine Dissertation berühren. Meine Zeit kann ich flexibel einteilen und mich auf jede Tätigkeit einzeln konzentrieren.

Bist du auf Kongressen oder Forschungsreisen? Wenn ja, wie finanzierst du das?

Für meine Promotion sind Forschungsreisen nach Frankreich notwendig. Daher werde ich mich gezielt für Stipendien bewerben, die mehrmonatige Forschungsaufenthalte im Ausland finanziell fördern.

Auf welche Hindernisse bist du gestoßen und wie hast du sie bewältigt?

Echte Hindernisse gab es bisher noch keine. Gerade am Anfang kommt es darauf an, sich in die umfangreiche Literatur einzuarbeiten, einen Überblick zu gewinnen und sich Dokument für Dokument neue Zusammenhänge zu erschließen. Wichtig ist es, ein klares Forschungszieles zu definieren, eine schlüssig strukturierte Gliederung auszuarbeiten und Literaturangaben und Zitate sorgfältig zu archivieren. Deshalb arbeite ich mit "Citavi", einem Programm zur Literaturverwaltung und Wissensorganisation.

Wie gut betreut dich dein Professor?

Unser Verhältnis ist sehr gut und die Betreuung daher hervorragend. Von Anfang an hatte mein Professor vollstes Vertrauen in mich. Ich kann ihn jederzeit kontaktieren. Spontane Treffen sind ebenso die Regel wie feste Gesprächstermine.
 
Besonders positiv ist das Doktoranden-Kolloquium, das jedes Semester stattfindet und immer wieder zu spannenden Diskussionen führt. Beim Kolloquium anwesend sind ein weiterer Professor, Inhaber des Lehrstuhls für Mittel- und Osteuropäische Zeitgeschichte, und Doktoranden unterschiedlichster Nationalität.
 
Anfang Mai habe ich den aktuellen Stand meiner Dissertation präsentiert. In der anschließenden Diskussion gab es viele Denkanstöße aus unterschiedlichen Blickwinkeln der Geschichts- und Politikwissenschaft.

Was planst du nach deiner Promotion?

Ich würde gerne ausländische Studierende fördern und betreuuen. Auch Hochschulkooperationen sind für mich interessant. Sehr reizen würde mich dabei vor allem eine Tätigkeit an der Schnittstelle von Politik und Wirtschaft.

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?

Wichtig ist das Gefühl, dass man nach Ende des Studiums weiter forschen möchte. Vor allem nach der Abschlussarbeit sollte man sich kritisch fragen, ob man sich drei Jahre mit einem einzigen Thema auseinandersetzen möchte.
 
Auch die Wahl des Themas ist für die eigene Motivation nicht zu unterschätzen. Stammt es wirklich von einem selbst? Handelt es sich um Forschungsfragen, die mir auf den Nägeln brennen?
 
Zu guter Letzt ist die Wahl des Betreuers bedeutend. Bereits bestehende positive Kontakte und Erfahrungen erleichtern die Wahl und ersparen eine lange Suche.

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