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Entscheiden mit Habermas

Entscheidung, Hände, Promotion, Habermas, Theorie, Quelle: sxc.hu, Autor: ctechs

Entscheidung, Hände, Promotion, Habermas, Theorie, Quelle: sxc.hu, Autor: ctechs

Wann und warum hast du dich für eine Promotion entschieden?
 Dass ich gerne promovieren möchte, stand für mich zum Ende meines BWL-Studiums an der Uni Augsburg fest. Die wissen- schaftliche Arbeit und vor allem die Auseinandersetzung mit verschiedenen (Wissenschafts- und Organisations-) Theorien hat mich immer sehr interessiert. Vor allem aber, seit ich im Hauptstudium meine erste Hausarbeit über Organisationskultur geschrieben habe.
 
 Schon damals habe ich mich mit unterschiedlichen philo- sophischen Grundannahmen herumgeschlagen. Einzig im Hinblick auf das Thema war ich mir anfangs nicht hundert- prozentig sicher. Nachdem ich meine Diplomarbeit am Lehrstuhl für Wirtschaftsprüfung und Controlling geschrieben hatte, fand ich auch das Thema Unternehmensbewertung und wertorientierte Unternehmensführung spannend. Letztlich habe ich mich dann aber doch für Strategisches Management entschieden.
 

Wie bist du auf deinen Professor und die Uni Eichstätt gestoßen?
 Mir waren einige Dinge bei der Wahl der Uni und des Doktorvaters sehr wichtig: freie Themenwahl, Unterstützung im wissenschaftlichen Prozess und fachlicher Hintergrund des betreuenden Professors. Nach Gesprächen mit Professoren aus Mannheim, Köln und St.Gallen bekam ich von Professor Ringlstetter das Angebot, als Dekanatsassistent und wissenschaftlicher Mitarbeiter an seinem Lehrstuhl zu promovieren. Ich habe gleich am Telefon zugesagt - und meine Entscheidung nicht bereut.
 
 Mein Professor lässt mir viel Freiheit in meiner Forschungs- arbeit und unterstützt seine Doktoranden wo es geht. Zum Beispiel, in dem er uns ermöglicht, an Weiterbildungsseminaren und Konferenzen teilzunehmen. Ich war bislang auf Forschungsreisen in Italien, England und Deutschland. In diesem Sommer habe ich mit meinem Lehrstuhlkollegen Ben Klein einen gemeinsamen Forschungsbeitrag vorgestellt - an der 6th International Critical Management Studies Konferenz an der Uni Warwick. Mein Professor ist außerdem "Schüler" der Münchner Schule um Professor Werner Kirsch. Er hat sich ausgiebig mit Entscheidungstheorien und dem Werk Habermas' befasst. Das kommt mir inhaltlich zu Gute und bringt mich in meiner eigenen Forschung oft weiter.
 

Wie finanzierst du deine Promotion?
 Meine Promotion finanziere ich ausschließlich durch die Arbeit am Lehrstuhl. Der finanzielle Aspekt sollte allerdings bei der Entscheidung für oder gegen eine Promotion keine große Rolle spielen. Solange man sich selbst halbwegs ernähren kann. Reich wird man in der Promotionszeit nämlich nicht.
 

Du hast eben Habermas erwähnt. Was hat er mit deinem Thema zu tun?
 Inhaltlich setze ich mich mit der Anwendung strategischer Tools in Entscheidungssituationen auseinander. Ich will ein Verständnis dafür schaffen, dass Tools wie die BCG-Matrix oder Porter's Five Forces nicht immer nur dafür genutzt werden, um vermeintlich richtige Entscheidungen zu treffen, die Unternehmen zu einer besseren Performance am Markt verhelfen. Oft erreichen sie ihre Wirkung nämlich auch dadurch, dass sie die Teilnehmer in Entscheidungssituationen zu kritischem Nachdenken anregen. Aus einer solchen Diskussion ergeben sich dann diskursiv-rationale Lösungen.
 

Wie greifst du das in deiner Arbeit auf?
 Viele Studien der traditionellen Forschung stellen eine Verbindung her zwischen der Anwendung von Denkhilfen und der Unternehmensperformance. Das kann aber nicht unbedingt unter den Begriff der Effektivität zusammengefasst und mit positivistischen Methoden "getestet" werden. In meiner Arbeit baue ich unter anderem auf der Kritischen Theorie und Erkenntnissen von Jürgen Habermas auf. Ich möchte ein kritisches Bild von der Anwendung strategischer Tools in Entscheidungssituationen malen.
 

Was ist für dich an deinem Promotions-Modell besonders positiv oder negativ?
 An meinem Promotionsmodell ist besonders positiv, dass ich sehr viele Freiheiten habe: Ich kann mir mein Thema (mehr oder weniger) selbst aussuchen, kann selbst bestimmen ob und an welchen Konferenzen ich teilnehmen möchte und kann mir meine Zeit meist frei einteilen. Darüber hinaus werde ich teilweise freigestellt, um die Diss zu schreiben. Und das bei fortwährender Bezahlung.
 
 Negativ ist sicherlich, dass der Job am Lehrstuhl viel Zeit in Anspruch nimmt. Da fragt man sich schon manchmal, ob man angetreten ist, um zu promovieren, oder um mäßig bezahlte Verwaltungstätigkeiten auszuführen. Aber das gehört in meinem Fall nun mal dazu. Man muss immer das Ziel vor Augen haben und darf sich durch solche Phasen nicht entmutigen lassen.
 

Was planst du nach deiner Promotion?
 Für die Zeit nach der Promotion kann ich mir vieles vorstellen: entweder in die Industrie zu gehen, in die Beratung oder eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen. Meine Tendenz geht derzeit in Richtung Industrie oder Beratung. Dabei könnte ich mir durchaus auch eine Tätigkeit im osteuropäischen Raum vorstellen - speziell in meinem Heimatland Serbien oder anderen Ländern des ehemaligen Jugoslawiens.
 

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?
 Sucht euch etwas aus, das euch Spaß macht und wovon ihr überzeugt seid. Das gilt nicht nur für die Themenwahl, sondern auch für die Wahl der Uni und des Doktorvaters. Überlegt euch, ob ihr euch schon vorab für eine wissenschaftliche Laufbahn entscheiden wollt und wie ihr diese gleich mit dem Beginn der Promotion gut starten könnt, denn das müsst ihr heute fast. Überlegt euch auch, ob ihr Wert legt auf die Beziehungen zu Unternehmen, die die Uni oder der Doktorvater haben. Und überlegt euch, ob ihr euch wohl fühlt dabei. Zuletzt: Lasst euch nie entmutigen. Eine Promotion ist oft auch mit einiger Frustration verbunden. Geht euren Weg, motiviert euch selbst, nehmt ab und an auch Abstand von der Arbeit und haltet euch an Leute und Kollegen, die euch gut tun. Und um meinen Doktorvater zu zitieren: "Wichtig ist immer: geschmeidig bleiben."

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