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Was ist "job performance"?

Muskel, Job, Performance, Leistung [Quelle: freeimages.com, Autor: vailiki]

Quelle: freeimages.com, vailiki

Wie hat es dich für deine Promotion nach Großbritannien verschlagen?

Ich habe bereits einen Master in Großbritannien gemacht - im gleichen Fachgebiet, nämlich Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie. Das Studium in England, speziell an der University of Surrey, hat mir sehr gefallen. Deshalb habe ich damals entschieden, mich für eine Promotion zu bewerben.

Erzähl mal, wie es dazu kam.

Gegen Ende meines Master-Studiums fragte mich die Betreuerin meiner Master-Arbeit, ob ich nicht Lust hätte, eine Promotion dranzuhängen. Ich hatte bis dahin noch gar nicht darüber nachgedacht. Es hat mir aber immer viel Spaß gemacht, zu studieren und gleichzeitig zu forschen. Zunächst wollte ich jedoch etwas Geld verdienen und habe deshalb ein Jahr in einem Beratungsunternehmen gearbeitet. Als eine Promotionsstelle an der University of Surrey ausgeschrieben wurde, habe ich mich beworben.

Wie lief das ab?

Beworben habe ich mich zunächst mit meinem Lebenslauf. Dazu kam ein Fragebogen über bisherige Studienleistungen, Berufserfahrung und mein geplantes Forschungsprojekt. Wer die Grundvoraussetzungen erfüllte, wurde zum Interview eingeladen. Dort mussten wir eine Präsentation über mögliche Probleme und Schwierigkeiten im Zusammenhang mit unserem Promotionsthema halten und wurden anschließend zu unserer Motivation befragt. Eine Woche später erfuhr ich, dass ich ein Stipendium erhalten würde.

Wie finanzierst du deine Promotion?

Glücklicherweise habe ich ein Stipendium von der Uni. Zwar erhalte ich keine Unmengen an Geld, aber es reicht. Ohne Stipendium könnte ich die Promotion nicht finanzieren, denn das Leben in England ist teuer. Außerdem fallen auch für Promotion oder PhD Studiengebühren an. Von denen bin ich zum Glück befreit. Nebenbei arbeite ich in einem Beratungsunternehmen. Dadurch halte ich den Bezug zur Praxis und den Kontakt zu meinen Kollegen.

Erläutere bitte dein Thema in ein paar laientauglichen Sätzen.

Ich beschäftige mich mit der Definition und Messung von "job performance", was ich mit Arbeitsleistung übersetzt habe. Für Unternehmen ist es in Rekrutierung und Personalauswahl sehr wichtig, "job performance" vorhersagen zu können, denn natürlich möchten Unternehmen nur fähige Mitarbeiter einstellen, die in ihrem Job gute Arbeit leisten werden. Zur Vorhersage von "job performance" gibt es Fähigkeitstests und Persönlichkeitsverfahren, sogenannte Prädiktoren. Wir wissen schon recht viel über diese Prädiktoren. Aber das Kriterium, das wir vorhersagen möchte, also "job performance" an sich, ist noch nicht hinreichend erforscht worden.
 
Wahrscheinlich sind in den meisten Berufen relativ wenige Fähigkeiten entscheidend für den Erfolg. Es gab auch schon Versuche, diese Faktoren zu definieren und strukturieren. Darum geht es im ersten Teil meiner Promotion. Im zweiten Teil werde ich ein Messverfahren entwickeln und evaluieren, das meine Definition und Struktur von "job performance" widerspiegelt und das von Unternehmen genutzt werden kann, um die Arbeitsleistung ihrer Mitarbeiter zu erfassen.

Wie bist du zu diesem Thema gekommen?

In der Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie gibt es verschiedene Forschungsfelder. Ich finde Personalauswahl und -entwicklung besonders interessant. Dazu zählt auch mein Promotionsthema, das mir meine Betreuerin vorgeschlagen hat. Sie kennt sich in dem Feld gut aus und weiß, wo weitere Forschung benötigt wird. Das Thema ist sehr komplex, deshalb kann es nicht so schnell langweilig werden. Außerdem sehe ich den Bezug zur Realität, was mir wichtig ist.

Was ist für dich an deinem Promotions-Modell besonders positiv oder negativ?

Ich mag das PhD-Modell in England. Denn die Unterstützung von der Uni und meinen Betreuern ist sehr gut. Ich kann an allen Lehrveranstaltungen teilnehmen, die für meine Forschung hilfreich sein könnten. Zudem habe ich ein kleines Forschungsbudget, aus dem ich weitere Fortbildungen oder Konferenzen bezahlen kann. Für Probleme jeglicher Art gibt es einen Ansprechpartner, an den ich mich wenden kann - selbst wenn es nur um meinen Computer geht. Networking wird hier groß geschrieben: Über das Jahr verteilt finden einige interne und externe Veranstaltungen statt, wo ich andere Doktoranden, Dozenten und Unternehmensvertreter kennenlernen kann. Das Studium ist auf rund drei Jahre (Vollzeit) beschränkt. Ich weiß also genau, wann ich fertig sein werde.
 
Der größte Nachteil sind die Kosten. Ohne Stipendium könnte ich nicht promovieren, denn die Studiengebühren sind beachtlich (jährlich rund 3.000 Pfund an meiner Uni), hinzu kommen Lebenshaltungskosten. Als Vollzeit-Doktorand ohne finanzielle Hilfe ist das schwer zu bewältigen. Für mein Stipendium an der Uni muss ich ein wenig arbeiten, beispielsweise Forschungsberichte von Bachelor-Studenten korrigieren und Unterricht im Statistikprogramm SPSS geben. Mit 180 Stunden im Jahr hält sich das zum Glück in Grenzen. Aber ich muss es natürlich in meine Zeitplanung einbeziehen, und es kann manchmal etwas stressig werden.

Auf welche Hindernisse bist du gestoßen und wie hast du sie bewältigt?

Glücklicherweise habe ich bisher noch keine größeren Probleme gehabt. Allerdings kann es schwierig sein, sich als Nicht-Engländer um spezielle Promotionsstipendien zu bewerben, denn manchmal muss man dafür mindestens drei Jahre im Land gelebt haben.

Bist du auf Kongressen und/oder Forschungsreisen? Wenn ja, wie finanzierst du das?

Ich habe meine Master-Arbeit auf einer Reihe von Psychologie-Kongressen vorgestellt. Dieses Jahr war ich auch schon auf einem wichtigen Kongress in Brighton, allerdings als Helferin. So habe ich diesen auch finanziert. Ich hoffe, dass ich während der Promotion an weiteren Psychologie- und Management-Kongressen teilnehmen kann - bevorzugt natürlich, wenn ich meine eigene Forschung präsentieren kann. Vielleicht kann ich dort wieder als Helferin arbeiten. Ansonsten würde ich die teilweise recht hohen Gebühren aus meinem jährlichen Forschungsbudget bezahlen. Das kann ich mir mehr oder weniger selbst einteilen.

Wie gut betreut dich dein Professor?

Da die Promotion interdisziplinär ist, habe ich zwei Betreuer: eine Dozentin aus dem Fachbereich Psychologie (Erstbetreuerin) und einen Professor aus dem Fachbereich Management. Die Betreuung durch die beiden ist sehr gut. Wir treffen uns alle zwei Wochen, um das weitere Vorgehen, offene Fragen und Probleme zu besprechen. Wenn ich etwas weiter vorangeschritten bin, werden wir uns vermutlich nicht mehr so häufig treffen. Beide sind jederzeit per E-mail oder Telefon zu erreichen. In dem Punkt habe ich viel Glück gehabt.

Was planst du nach deiner Promotion?

Ich habe noch keine konkreten Pläne, könnte mir aber vorstellen, in der Forschung zu bleiben - entweder an einer Universität oder in einem größeren Unternehmen mit eigener Forschungsabteilung. In England lehren und forschen viele Dozenten nicht nur an der Uni, sondern arbeiten auch an eigenen Beratungsprojekten mit Unternehmen. Das wäre eine gute Mischung für mich. Vielleicht werde ich mich direkt nach der Promotion auf eine Postdoc-Stelle im (bevorzugt warmen) Ausland bewerben.

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?

Künftige Doktoranden sollten sich ihr Promotionsthema gut überlegen, denn immerhin müssen sie sich mehrere Jahre damit beschäftigen. Außerdem würde ich mir den betreuenden Professor gut aussuchen: Zum einen muss es jemand sein, der sich fachlich und methodisch gut mit dem Thema auskennt, zum anderen muss man auch menschlich gut mit der Person auskommen. Außerdem sollte sich jeder (künftige) Doktorand bewusst sein, dass man viel Durchhaltevermögen benötigt. Wer zum Beispiel schon an der Diplom- oder Master-Arbeit verzweifelt, für den ist eine Promotion vermutlich nicht geeignet. Auch ist es wichtig, dass man sich ein gutes Netzwerk mit anderen Doktoranden aufbaut. Man kann sich schnell isoliert fühlen. Da hilft es, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

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