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Kampf gegen den Weltraummüll

Weltraumschrott ist gefährlich für Satelliten, Quelle: sxc.hu, User: srbichara

Weltraumschrott ist gefährlich für Satelliten, Quelle: sxc.hu, User: srbichara

Warum hast du dich für eine Promotion entschieden?
 Ich wollte weiterhin wissenschaftlich arbeiten. So habe ich die Freiheit, mich in interessante Themen zu vertiefen, ohne den Druck, dass sofort ein verkäufliches Resultat entstehen muss. Die Beschäftigung mit wirklicher Entwicklung und fundamental neuen Ergebnissen hat mich gereizt. Eine Innovation wirklich zur Serienreife bringen zu müssen dagegen nicht so sehr. Das ist immer viel ermüdende Kleinarbeit.
 

Wie bist du auf deine Stelle gestoßen?
 Die Stelle an der Uni Bern war ausgeschrieben. Ich hatte mich in der Astronomie umgeschaut und war dann sofort fasziniert von dem Thema.
 

Wie hast du dich beworben? Musstest du vor Ort ein Interview machen?
 Die Bewerbung war ganz klassisch mit Lebenslauf und Zeugnissen in schriftlicher Form. Es fand ein Vorstellungsgespräch vor Ort mit dem Professor und der Institutsleitung statt. Das gab mir die Gelegenheit, die Themenstellung näher zu besprechen und die Arbeitsbedingungen sowie die zukünftigen Kollegen kennenzulernen.
 

Wie bis du zu deinem Thema gekommen? Weltraummüll ist ja nichts Alltägliches...
 Das kommt immer darauf an, für wen. Für uns schon. Das Thema hat im Moment noch nicht die Aufmerksamkeit in den Medien und der Öffentlichkeit, die es eigentlich haben sollte. Denn das Problem ist umfangreicher, als man glaubt. Unter Weltraummüll verstehen wir alle nicht natürlichen Objekte - das heißt, vom Menschen verursachte und nicht mehr funktionsfähige. Das sind ausgediente Satelliten, Raketenendstufen oder auch abgesprengte Schutzdeckel von Instrumenten an Bord der Satelliten. Es gibt aber auch eine große Anzahl kleiner Objekte im Zentimeter- und Millimeter-Bereich. Sie stammen hauptsächlich aus Explosionen der Satelliten. Wegen ihrer hohen Geschwindigkeit von beispielsweise acht Kilometer pro Stunde können selbst solche kleinen Objekte immensen Schaden an aktiven Objekten, wie zum Beispiel Satelliten, anrichten.
 
 Erst langsam werden internationale Richtlinien zur "Müllvermeidung" oder zumindest zur Eindämmung des neu entstehenden Weltraumschrotts erlassen. Besonders brisant ist die Lage im viel genutzen geostationären Ring, der sich 36.000 Kilometer über der Erdoberfläche befindet. Im Gegensatz zu Objekten, die eine niedrigere Bahn haben und die im Laufe der Zeit wieder auf die Erde zurückfallen, gibt es für Objekte auf geostationären Bahnen, keinen solchen natürlichen "Reinigungsmechanismus". Ich fand das Thema sehr spannend, denn es ist alles erst in der Entstehung. Die Arbeit ist eine Mischung aus Physik, klassischer Astronomie und Informatik. Sie gibt mir die Möglichkeit, viele Dinge "from scratch" neu zu entwickeln und in der wissenschaftlichen Arbeit sofort anzuwenden.
 

Erläutere doch dein Thema in ein paar "laientauglichen" Sätzen.
 Wir beobachten Weltraummüll im geostationären Ring und in geostationären Transferbahnen mit optischen, bodengestützten Methoden. Dazu scannen wir Streifen des Nachthimmels und suchen auf den Aufnahmen dann die Objekte. Mit diesen Informationen können wir die Bahnen der Objekte berechnen und sie in eine Art Datenbank geben. Damit ist es beispielsweise Betreibern von Satelliten möglich, Ausweichmanöver zu starten, wenn ein großes Objekt ihrem Satelliten zu nahe kommt. Es können auch neue Außenhäute entwickelt werden, die die kleineren unvermeidlichen Einschläge besser wegstecken. Meine Arbeit ist es, Algorithmen für diese automatische Detektion der Objekte zu entwickeln. Darüber hinaus beobachten wir auch das Spektrum und die Helligkeitsschwankungen der Objekte. Das macht es möglich, Annahmen über die Farbe und Art des Objekts zu treffen. Mit diesen so genannten Lichtkurven werde ich mich in Zukunft beschäftigen.
 

Was ist für dich an deinem Promotions-Modell besonders positiv / negativ?
 Ich habe große Freiheiten in der Vertiefung in einzelnen Themen. Es bleibt mir überlassen, wie ich meine Arbeit aufbaue und mit wem ich Kollaborationen anstoße. Andererseits ist man dann eben auch voll verantwortlich, wie und ob man vorankommt oder nicht. Aber ich finde das nur positiv.
 

Auf welche unerwarteten Hindernisse bist du gestoßen, und wie hast du sie bewältigt?
 Ich wollte eine Kollaboration mit einem Informatikinstitut aufbauen. Dabei stand uns schon allein die unterschiedliche Begrifflichkeit im Weg. Wir konnten uns zwar gegenseitig einige Impulse geben, eine wirkliche Zusammenarbeit ist aber nicht daraus geworden.
 

Wie ist die Zusammenarbeit mit deinem Professor - wie ist die Betreuung?
 Die Zusammenarbeit mit meinem Professor ist sehr gut. Es wird hier nicht auf hierarchische Strukturen gepocht, und es ist immer möglich, Themen oder Schwierigkeiten direkt zu diskutieren, wenn man die Dinge selbst anspricht. Tut man das nicht, wird man aber auch in Ruhe gelassen und kann sich ganz auf die Problemlösung konzentrieren. Der Postdoc der Gruppe hat immer ein offenes Ohr bei kleineren und größeren Fragen. Er hat mir sehr weitergeholfen - besonders am Anfang, als ich die Software, die Thematik und den Ablauf noch nicht so gut kannte.
 

Was planst du nach deiner Promotion?
 Ich kann mir viele Optionen vorstellen: Entweder Postdoc an einer Universität oder ein Job bei einem Contractor einer Raumfahrtagentur. Oder auch Research Fellow bei den Agenturen.
 

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?
 Man sollte sich während der Diplomarbeit genau überlegen, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen und wie man am besten arbeiten kann. Braucht man eher feste Vorgaben und viel Feedback, will man am liebsten sehr vernetzt mit anderen zusammenarbeiten, oder ist man eher der Einzelkämpfer? Die Doktorandenstelle sollte man auch genau nach diesen Kriterien auswählen, sonst kann alles leicht im Frust für beide Seiten enden. Es ist nicht immer das Beste einfach bei dem Professor zu bleiben, bei dem man auch die Diplomarbeit geschrieben hat. Mein Eindruck ist, dass manche diesen Weg aus Bequemlichkeit wählen, obwohl die Stelle für sie und ihre Zukunftspläne nicht ideal ist. Als Doktorand muss man sich überlegen, was man will und wo man seine Zukunft sieht. Das sollte man auch aktiv ansprechen, bevor die Dissertation in eine völlig falsche Richtung läuft.

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