Partner von:

Gib Pfötchen, AIBO!

Roboterhund, Experiment, Promotionsbericht, Anja (Quelle: e-fellows.net)

Roboterhund, Experiment, Promotionsbericht, Anja (Quelle: e-fellows.net)

Wann und warum hast du dich für eine Promotion entschieden?
 Wissenschaftlerin war schon immer mein Traumberuf. Insofern habe ich mein Informatikstudium eigentlich schon mit dem Ziel begonnen, zu promovieren.
 

Wie bist du auf das National Institute of Informatics in Tokio gestoßen?
 Ursprünglich hatte ich nicht geplant, in Japan zu promovieren. Anfang 2005, direkt nach Abschluss meines Studiums, habe ich ein Praktikum im Bereich Spracherkennung bei Asahi Kasei in Japan gemacht. Während dieser Zeit bin ich mehr oder minder zufällig auf ein Paper meines jetzigen Doktorvaters gestoßen, das ich sehr spannend fand. Als ich auf seiner Website nach weiteren Publikationen gesucht habe, bin ich über die Ausschreibung des Graduiertenprogramms gestolpert. Interessant an diesem Programm fand ich vor allem die internationale Ausrichtung und die Möglichkeit, direkt an einem Forschungsinstitut zu arbeiten. Das ist für Japan eher unüblich. Außerdem ist Japan natürlich gerade für Robotik eine gute Adresse.
 

Wie hast du dich beworben?
 Zunächst habe ich meinen Doktorvater persönlich angeschrieben, um mich über das Graduiertenprogramm zu erkundigen. Er hat positiv reagiert und mit mich zu einem ersten Treffen im Institut eingeladen. Dort durfte ich meine bisherige Arbeit und mein Wunschthema für die Dissertation vorstellen. Mir wurde netterweise erlaubt, die mündliche Aufnahmeprüfung vorzuziehen, da ich bereits Ende August nach Deutschland zurückkehren musste. Die Prüfungen fanden eigentlich erst im September statt. Von Deutschland aus erledigte ich dann die schriftliche Bewerbung und die Bewerbung um das vom Institut angebotene Stipendium.
 

Erläutere dein Thema "Learning Multimodal Interaction Patterns for Human-Robot Interaction" in ein paar laientauglichen Sätzen.
 In meiner Arbeit geht es darum, dass ein Roboter im Rahmen einer gemeinsamen Trainingsphase mit seinem Benutzer lernt, Befehle und Feedback in Form von Sprache und deren Tonfall sowie Berührungen und Gesten zu verstehen. Menschen haben verschiedene Vorlieben, wie sie einen Roboter bedienen möchten. Zum Beispiel drücken sie den gleichen Befehl oder das gleiche Feedback unterschiedlich aus. Dem Benutzer soll deshalb ermöglicht werden, den Roboter intuitiv entsprechend seiner persönlichen Vorlieben zu bedienen.
 
 Ich verwende dazu ein zweistufiges Lernverfahren auf Basis von "Hidden-Markov-Modellen" und einem mathematischen Modell des klassischen Konditionierens. Durch diese Kombination ist es beispielsweise möglich, gesprochenen Sätzen Bedeutungen zuzuordnen, ohne ihren genauen Wortlaut zu kennen und Informationen aus Sprache und Berührung miteinander zu verknüpfen.
 
 Für meine Experimente benutze ich einen AIBO-Roboterhund. Das Training wird vom Roboter und seinem Benutzer gemeinsam vor einem Bildschirm durchgeführt. Es ist so konzipiert, dass der Roboter den Benutzer gezielt dazu bringen kann, bestimmte Befehle oder Feedbacks zu geben. Das ermöglicht dem Roboter, die beobachteten Signale mit Benutzerintentionen zu assoziieren und sie nach Abschluss des Trainings in Alltagssituationen zu erkennen. Der Mensch muss nicht mehr lernen, wie er den Roboter bedient - der Roboter lernt zu verstehen, was der Mensch von ihm erwartet.
 

Wie bist du zu deinem Thema gekommen?
 Ich habe bereits meine Bachelor-Arbeit und meine Diplomarbeit über die Mensch-Roboter-Kommunikation geschrieben und mich da vorwiegend mit Emotionsdarstellung und -erkennung beschäftigt. Da mich das fasziniert, habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, dort weiterzuarbeiten.
 
 Gerade wenn Roboter als Haushaltshilfe oder für die Pflege von älteren Menschen eingesetzt werden, muss ein Weg gefunden werden, dass der Benutzer seinen Roboter intuitiv bedienen kann. Denn eine lange Liste von Befehlen oder Tastenkombinationen aus einem Handbuch auswendig zu lernen, bereitet gerade älteren Menschen mit Gedächtnisproblemen Schwierigkeiten. Aus diesem Grund habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, den Lernaufwand, der notwendig ist, um einen Roboter erfolgreich zu bedienen, vom Benutzer auf den Roboter zu übertragen.
 

Was ist für dich an deinem Promotionsmodell besonders positiv / negativ?
 Besonders positiv ist für mich die Einbindung in das Institut und die hervorragende Betreuung. Meine Universität bietet ausschließlich Graduiertenprogramme an und hat dementsprechend wenige Studenten, so dass ich in meinen Vorlesungen in der Regel mit maximal fünf Leuten gesessen habe. Es konnte auch passieren, dass ich mich als einzige Studentin in einer Vorlesung wiederfand. Außerdem wollte ich mein eigenes Thema wählen und mich ihm vollständig widmen können. Das Institut ist finanziell recht gut ausgestattet, so dass es keine Probleme bei der Teilnahme an Konferenzen oder der Anschaffung von technischer Ausrüstung gibt.
 
 Wirklich negative Aspekte sind mir bisher nicht begegnet. Dadurch, dass ich direkt in einem Forschungsinstitut arbeite, vermisse ich manchmal ein bisschen die Campus-Atmosphäre und die Gelegenheit, Lehrerfahrung zu sammeln.
 

Wie gut betreut dich dein Professor?
 Optimal. Mein Professor lässt mir die notwendigen Freiräume, mein eigenes Thema zu verfolgen und auszuarbeiten. Er ist jederzeit ansprechbar, wenn ich Fragen habe. Die gesamte Arbeitsgruppe trifft sich einmal wöchentlich. Dabei berichten wir über den aktuellen Stand der Arbeiten und stellen Literatur vor. Außerdem hilft mein Professor seinen Studenten, Kontakte mit anderen Wissenschaftlern oder Forschungseinrichtungen zu knüpfen. Dank ihm werde ich voraussichtlich die nächsten zwei Monate am Honda Research Institute verbringen und mit dem humanoiden Roboter ASIMO arbeiten, worauf ich mich schon sehr freue.
 

Was planst du nach deiner Promotion?
 Ich möchte gerne weiterhin wissenschaftlich arbeiten. Am liebsten natürlich an einer Universität oder in einem Forschungsinstitut. Aber auch industrienahe Forschung stelle ich mir interessant vor. Außerdem möchte ich in absehbarer Zeit wieder nach Deutschland zurückkehren. Obwohl es mir schwerfallen wird, da ich mich in Japan mittlerweile zu Hause fühle.
 

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?
 Sucht euch unbedingt ein Thema, das euch wirklich interessiert und mit dem ihr euch identifizieren könnt. Für die Zusammenarbeit mit dem Professor solltet ihr euch auch menschlich gut mit ihm verstehen.
 
 Außerdem kann ich nur empfehlen, an internationalen Konferenzen teilzunehmen. Der Austausch mit Wissenschaftlern aus demselben Gebiet und der Motivationsschub, den dieser Austausch mit sich bringt, sind einfach durch nichts zu ersetzen.
 
 Ein letzter Tipp: Die "Japan Society for the Promotion of Science" (JSPS) fördert auch kurzzeitige Forschungsaufenthalte in Japan. Wer also Interesse hat, für ein paar Wochen oder Monate hier zu forschen und Japan zu erleben, sollte sich beim DAAD mal nach den JSPS-Stipendien umsehen.

nach oben
Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren