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Doppelpromotion gegen Krebs

Petrischalen medizinische Forschung Versuch [© Julián Rovagnati - Fotolia.com]

© Julián Rovagnati - Fotolia.com

Eine Doktorarbeit ist schon Aufwand genug? Nicht für Martin: Er hat sich so intensiv damit beschäftigt, wie sich Zellen teilen und wie Krebs entsteht, dass er dafür jetzt nicht nur Dr. rer. nat, sondern auch Dr. rer. med ist.

Wann und warum hast du dich für eine Promotion entschieden?

Bereits im ersten Bachelor-Semester war mir klar geworden, dass ein Studium der Biochemie erst mit einer Promotion richtig abgeschlossen ist. Das Studium ist sehr forschungsorientiert und um eigenständig forschen zu können, muss man promovieren. Dabei ist es dann unwichtig, ob man im akademischen Bereich bleiben oder in die industrielle Forschung wechseln möchte.

Wie bist du auf deinen Professor gestoßen?

Nach passenden Arbeitsgruppen habe ich bereits im ersten Mastersemester Ausschau gehalten. Meinen zukünftigen Doktorvater habe ich kennengelernt, als ich ein Modul bei ihm belegte. Mir war wichtig, im Anschluss an den Master als Promotionsstudent in der gleichen Abteilung weiterarbeiten zu können. In diesem Fall ist es möglich, Forschungsprojekte weiterzuführen, anstatt sich komplett neu einarbeiten zu müssen.

Wie hast du dich beworben?

Ursprünglich hatte ich mich um eine Stelle als studentische Hilfskraft beworben, um die Abteilung besser kennenzulernen. Eine entsprechende Stelle stand leider nicht zur Verfügung, aber mein zukünftiger Doktorvater lud mich auf ein Schnupperpraktikum und ein Gespräch ein. Schnell stand fest, dass ich im kommenden Jahr meine Masterarbeit in der Abteilung verfassen würde. Und kurz nach Beginn meiner Masterarbeit war dann schon vorauszusehen, dass ich als Doktorand dort weiterforschen würde.

Erläutere dein Thema in ein paar laientauglichen Sätzen.

Beim Prozess der Zellteilung ist wichtig, dass er strikt kontrolliert wird und stoppt, wenn gerade keine weiteren Zellen benötigt werden. Teilen sich Zellen unkontrolliert weiter und vererben diese Eigenschaft auch an ihre Nachkommen, so entsteht Krebs.

Die Arbeitsgruppe meines Doktorvaters forscht zur transkriptionellen Kontrolle von Zellzyklusgenen. Das sind Gene, deren Proteine für die Zellteilung essentiell sind.

In meiner Promotion zum Dr.rer.nat. untersuchte ich die Regulation zweier solcher Gene im Verlauf des Zellzyklus und beim Auftreten von DNA-Schäden. Ich konnte zeigen, dass ein bestimmter Proteinkomplex an die Gene bindet und deren Transkription stoppt, wenn die Zellen sich nicht teilen sollen.

Außerdem fand ich heraus, dass das Humane Papilloma Virus (HPV), welches als Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs bekannt ist, diesen Komplex stören kann: HPV sorgt mit Hilfe seines Onkoproteins E7 dafür, dass ständig genügend Zellzyklusgene zur Verfügung stehen.

Bei meiner zweiten Promotion beschäftigte ich mich mit dem  Tumorsuppressor p53, dessen Gen in jedem zweiten menschlichen Tumor mutiert ist. Mit über 70.000 Publikationen stellt p53 das meistbeschriebene Protein und Gen dar. Bei dieser Fülle an Daten ist es nicht unwahrscheinlich, dass widersprüchlich Aussagen auftauchen. Doch die Widersprüche waren hier mehr Regel als Ausnahme. Deshalb entschied ich mich, eine Metaanalyse basierend auf genomweiten Datensätzen durchzuführen und verschiedene Modelle auf ihre Plausibilität zu testen. Ich stellte fest, dass von sechs anerkannten Modellen lediglich zwei verifizierbar waren. Meine Studie prangert damit auch die Probleme in der biomedizinischen Publikationslandschaft an, auf die bereits seit einigen Jahren aufmerksam gemacht wird.

Auf welche Hindernisse bist du gestoßen und wie hast du sie bewältigt?

Als größtes Hindernis in der Wissenschaft empfinde ich die Überbewertung des sogenannten Impact Factor der Zeitschriften. Leider sind schlechte Artikel in renommierten Zeitschriften besser angesehen, als exzellente Artikel in weniger bekannten Zeitschriften. Außerdem gibt es zu viele Zitierzirkel und Gutachterclubs, die sich gegenseitig Vorteile verschaffen und versuchen Konkurrenz von außen fern zu halten. Schließlich ist der zu verteilende Kuchen - der Forschungsetat - begrenzt.

Wie gut betreut dich dein Professor?

Mein Professor hat sich den Titel als Doktorvater redlich verdient. Er ist fast täglich für mich ansprechbar und unterstützt mich mit Empfehlungsschreiben, wo er nur kann. Ohne seine Hilfe hätte ich ganz sicher nicht so schnell und nicht doppelt promoviert.

Was planst du nach deiner Promotion?

Ich habe ein PostDoc-Stipendium der Deutschen Nationalakademie der Wissenschaften Leopoldina für ein Forschungsprojekt an der Harvard Medical School in Boston. Nach meinem USA-Aufenthalt möchte ich dann wieder nach Deutschland zurückkehren. Gern würde ich im akademischen Bereich bleiben und eine Professur anstreben. Mir ist allerdings klar, dass die Chancen dafür im aktuellen System alles andere als rosig sind. Deshalb bin ich auch offen, den Weg in die Wirtschaft zu gehen. Mal sehen...

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?

Macht euch frühzeitig Gedanken über eine Promotion! Oft ist schon die Wahl der Arbeitsgruppe für die Masterarbeit entscheidend. Fragt aktuelle und ehemalige Masteranden und insbesondere Doktoranden der Arbeitsgruppe. Bietet der Professor eine gute Betreuung? Wie groß ist die Gruppe? Kein Professor kann zehn und mehr Doktoranden zur gleichen Zeit anständig betreuen.

Darüber hinaus solltet ihr auf Anwesenheit von PostDocs achten. Andernfalls fehlt es oft an experimentellem Knowhow in der Gruppe.

Fragt, wie lange Doktoranden für ihre Promotion brauchen - und zwar von Beginn bis Verteidigung oder besser ab Abgabe Masterarbeit. Viele beschönigen sonst ihre Aussagen.

Achtet außerdem auf einen guten Publikationsoutput der Gruppe. Wie viele Erstautorschaften in peer-review Journalen hat der Durchschnittspromovend in der Arbeitsgruppe zum Ende seiner Promotion? Falls ihr unbedingt eine Professur anstrebt, solltet ihr von Anfang an schauen, dass die Gruppe auch aktuell in Journalen mit höchstem Impact Factor auf dem Gebiet publiziert (für Biomedizin also 10+). Leider schauen die meisten Gutachter viel zu sehr auf diese Zahl und eine Trendumkehr ist noch nicht in Sicht.

Will man hingegen sicher in die industrielle Forschung, sollte man versuchen, seine Promotion auch da durchzuführen und lediglich einen Gutachter an der Uni haben.

Ansonsten sollte man seine Augen offen halten für die vielen Programmen, die es für Doktoranden und werdende PostDocs gibt: Stipendien für die Promotion, Auslandaufenthalte, den PostDoc und vieles mehr. Ein guter Ausgangspunkt ist dabei die Stipendiendatenbank des DAAD. Wichtig sind auch die spezialisierten wissenschaftlichen Gesellschaften. Für mich ist das besonders die GBM (Deutsche Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie) und deren Dachorganisationen FEBS und IUBMB. Auch da gibt es Stipendien für Nachwuchswissenschaftler und außerdem noch Wissenschaftspreise.

Und ein Tipp im Hinblick auf die Forschung selbst? Seid kritisch!

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Viele Stipendiaten und Alumni von e-fellows.net promovieren. Du möchtest auch deine Doktorarbeit vorstellen? Schreib eine E-Mail an Julia Hausmann.

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