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Wie passen das Internet und neuro-kognitive Forschung zusammen?

World Wide Web Internet Online [Quelle: Wikimedia Commons, Autor: svilen.milev]

Quelle: Wikimedia Commons, svilen.milev

Kilians Promotionsthema begleitet ihn schon seit seinem Bachelor-Studium: Bei einem Auslandsaufenthalt kam er zum ersten Mal mit der Frage in Berührung, wie man sich das Internet und seine vielen Möglichkeiten in der psychologischen Forschung zunutze machen könnte. Seit 2013 untersucht er nun, ob im Netz die Zukunft der Neurowissenschaften liegt.

Wann und warum hast du dich für eine Promotion entschieden?

Während meines Master-Studiums habe ich mich schon früh mit der Frage nach dem "Danach" beschäftigt. Als ich das Angebot bekommen habe, ein Thema, an dem ich schon länger gearbeitet habe, nun spezifischer in der Promotion zu bearbeiten, entschied ich mich gegen andere Möglichkeiten und für die Wissenschaft.

Wie bist du auf deinen Professor gestoßen?

Meine Professorin habe ich bereits 2010 bei einem Auslandsaufenthalt am MIT kennen gelernt. Seitdem hat sie mich als Mentorin in vielen Fragen beraten und wir haben gemeinsam an Projekten gearbeitet.

Wie hast du dich beworben?

Einen formalen Bewerbungsprozess gab es bei mir gar nicht. Der Betreuer meiner Masterarbeit und meine Doktormutter kamen einfach darauf zu sprechen, ob ich unter ihrer Schirmherrschaft promovieren möchte.

Erläutere dein Thema in ein paar laientauglichen Sätzen.

Wir alle kennen und nutzen das Internet im täglichen Leben - und es ist kaum mehr weg zu denken. Ebenso fangen immer mehr Forscher damit an, das Internet als wissenschaftliches Feld oder als Datengrundlage zu nutzen. In der Psychologie haben sich zum Beispiel Online-Fragebögen etabliert. Diese Methode hat viele Vorteile: Sie ist kostengünstig, braucht wenig Zeit und erzielt nicht nur mehr, sondern auch vielfältigere Datensätze.

In der kognitiven Psychologie beschäftigen wir uns aber vor allem mit dem Verhalten und mit Reaktionen von Menschen – das kann man schlecht in einem Fragebogen erfassen. Stattdessen messen wir zum Beispiel die Reaktionszeiten auf bestimmte Reize. Ich untersuche, in wieweit die Webtechnologien im Stande sind, mit den momentanen Standards in der Psychologie mitzuhalten - oder ob sie diese sogar übertrumpfen können.

Wie bist du zu deinem Thema gekommen?

Mit dem Internet beschäftige ich mich schon seit meiner Kindheit. Als ich während eines Auflandsaufenthalts eine Online-Evaluation für einen Autismus-Test erstellt habe, habe ich zum ersten Mal Internet und neuro-kognitive Psychologie miteinander verknüpft.

Inzwischen beschäftige ich mich seit über drei Jahren mit diesem Thema – erst noch neben dem Bachelor- und Masterstudium und nun eben in der Promotion. So habe ich schon vor Beginn der Promotion einige Grundlagen für mein Thema definiert.

Was ist für dich an deinem Promotions-Modell besonders positiv/negativ?

Ich promoviere "klassisch" - also mit einer Doktormutter und bin nicht in eine Graduiertenschule eingebunden. Dadurch bin ich viel freier, kann mich ausschließlich auf mein Thema konzentrieren und muss keine Kurse besuchen.

Als ein wenig negativ empfinde ich es, dass der Austausch mit anderen Promotionsstudenten etwas auf der Strecke bleibt, weil die Gruppen viel kleiner sind. Um das auszugleichen, besuche ich Doktorandenworkshops und Seminare.

Auf welche Hindernisse bist du gestoßen und wie hast du sie bewältigt?

Neben alltäglichen Problemen in der wissenschaftlichen Arbeit an sich sind die Hauptprobleme bei der Promotion die Finanzierung und der Wettbewerbsdruck. Ersteres konnte ich durch ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes lösen. Bei letzterem helfen wohl nur Ausgeglichenheit, Selbstvertrauen und sorgsame Arbeit. Hier gilt der Grundsatz: Nur weil andere die Ellbogen auspacken, muss man ihnen noch lange nicht nacheifern.

Wie gut betreut dich dein Professor?

Durch die lange Bekanntschaft und die kleine Arbeitsgruppe habe ich ein optimales Verhältnis zu meiner Professorin. Kleinere Probleme werden direkt in Labortreffen diskutiert und neuer Input generiert sich durch Diskussionen mit anderen Fachbereichen oder Universitätsangehörigen.

Was planst du nach deiner Promotion?

Wissenschaft ist für mich eines der höchsten Güter der Menschheit - wenn sie  unter annehmbaren Bedingungen praktiziert  werden kann. Das ist leider speziell in der Postdoc-Zeit und danach nicht immer der Fall. Deshalb schaue ich mich lieber in alle Richtungen um, statt mich auf eine akademische Karriere zu versteifen. Daher habe ich keinen fixen Plan - ich bin offen für alles, was mein Interesse wecken könnte.

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?

Erstens: Überlege dir sehr gut, ob du eine Promotion machen willst, oder dich von außen genötigt fühlst. Es können mitunter die schönsten, aber auch die schlimmsten Jahre eines jungen Lebens sein.

Zweitens: Wähle weise. Prestige oder Finanzen sind meiner Erfahrung nach weit weniger wichtig als eine gute Arbeitsgruppe, ein Supervisor, der zu dir passt,  und vor allem ein Thema, an dem man wirklich interessiert ist - nur dann arbeitet man gerne und dadurch kreativ und effektiv.

Drittens: Halte die Augen offen. Das gilt sowohl für deine  Promotionsarbeit (Anregungen von außen, von Fachfremden und Kollegen) als auch für mögliche andere Wege, die sich während oder nach der Promotion auftun könnten. Scheuklappendenken im Elfenbeinturm ist in der heutigen Welt eine immer größere Gefahr.

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Viele Stipendiaten und Alumni von e-fellows.net promovieren. Du möchtest auch deine Doktorarbeit vorstellen? Schreib eine E-Mail an Julia Hausmann.

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