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Als Tierarzt auf der Suche nach Augen-Medizin

Warum mit der Promotion bis nach dem Staatsexamen warten? Benjamin-Andreas wollte den Doktortitel unbedingt schon bei seinem Studienende in der Tasche haben und scheute keine bürokratischen Hürden, bis er die Bewilligung bekam. Seit 2012 sucht er nach körpereigenen Heilmitteln gegen Augenkrankheiten.

Wann und warum hast du dich für eine Promotion entschieden?

Bereits bei meinem Studienbeginn 2008 war ich mir sicher, dass ich noch vor dem Staatsexamen mit meiner Promotion zum Dr.med.vet. beginnen wollte.

Dafür hatte ich verschiedene Gründe: Zum einen legen viele Tierbesitzer Wert darauf, dass der behandelnde Arzt einen Doktortitel führt. Zum anderen war mir wichtig, etwas zum wissenschaftlichen Fortschritt in der Veterinärmedizin beizutragen. 

Außerdem war mir schon früh bewusst, wie schwierig eine veterinärmedizinische Promotion nach dem Studium sein kann: Die Doktoranden kämpfen oft mit einem niedrigen Einkommen, werden schlecht betreut und wenn sie ihre Promotion an eine klinische Tätigkeit koppeln, brauchen sie länger. Das wollte ich mir unbedingt ersparen.

Wie bist du auf dein Graduiertenkolleg und deinen Professor gestoßen?

Das Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung kannte ich aus Publikationen und wegen seines guten Rufs in den Neurowissenschaften.

2012 nahm ich an einem speziellen Programm für Veterinärmediziner an der University of Cambridge teil. Meine dortigen Betreuer empfahlen mir meinen externen Doktorvater, bei dem ich mich dann initiativ bewarb. Er wiederum wies mich auf die Möglichkeit hin, während meiner Promotion am Graduiertenkolleg "InterNeuro" eine postgraduale Ausbildung zu erhalten.

Erläutere dein Thema in ein paar laientauglichen Sätzen.

Wie die meisten wissen, besitzen wir Nervenzellen. Diese ermöglichen es uns, wahrzunehmen und zu reagieren. Doch nur wenige wissen, dass es neben den Nervenzellen in mindestens gleicher Anzahl einen anderen Zelltyp gibt – die Gliazelle. In der Netzhaut heißen sie Müller-Gliazellen und regulieren unter anderem den Wasserhaushalt. Augenerkrankungen beeinträchtigen diese Fähigkeit und es kommt zu einer Wasseransammlung (Ödem) in den Gliazellen.

Das äußert sich schließlich in Netzhautödemen, die zu Netzhautzerstörungen und damit zu Blindheit führen können. Diverse natürliche Substanzen sind in der Lage, die gestörte Wasserverteilung wieder in Ordnung bringen - das bezeichnet man als Osmoregulation. Es ist von wissenschaftlichem Interesse, diese Substanzen als potentielle Arzneimittel zu identifizieren. Speziell untersuchte ich in meiner Promotion die Osmoregulation durch den Wachstumsfaktor BDNF (brain derived neurotrophic factor).

Wie bist du zu deinem Thema gekommen?

Meine Begeisterung für die Rolle der Gliazelle bei diversen Krankheiten entdeckte  ich während meines Aufenthalts in Cambridge. Die Arbeitsgruppe meines Doktorvaters beschäftigt sich im Besonderen mit der Müller-Gliazelle. Da sie oft als Modell für Gliazellen im Nervensystem außerhalb der Netzhaut genutzt wird und die Tiermedizin bisher nur geringe Kenntnisse über sie hat, fand ich das Thema besonders interessant. Also habe ich das Projekt in meiner Initiativbewerbung angesprochen.

Auf welche Hindernisse bist du gestoßen und wie hast du sie bewältigt?

Anfangs war es schwierig, mir an der veterinärmedizinischen Fakultät eine interne Betreuung zu organisieren, die auch thematisch passte. Ich hatte aber Glück und fand einen Betreuer, der mein Vorhaben von Beginn an unterstütze.

Weitere Probleme ergaben sich durch offizielle Verordnungen: In der Promotionsordnung meiner Fakultät war die Aufnahme als Doktorand vor Studienende nicht geregelt. Außerdem durfte das Promotionsverfahren nur nach bestandener tierärztlicher Prüfung mit beglaubigtem Zeugnis eröffnet werden. Also beendete ich meine Versuche bis zum zehnten Fachsemester und verfasste die Monografie parallel zum Hammerexamen. Meine Doktorarbeit reichte ich dann kurz vor den letzten Prüfungen ein und auf Antrag bei der Promotionskommission reichte ein interner Vermerk vom Prüfungsamt über das bestandene Hammerexamen zur Eröffnung aus. Diese Hürden zu überwinden kostete mich viel Nerven und Hartnäckigkeit.

Oft kam ich auch an die Grenzen meiner Kräfte. Neben dem normalen Studienalltag bis spät in die Nacht Versuche durchzuführen, auszuwerten und weitere Versuchsplanungen vorzunehmen, war nicht einfach und ich musste mich aktiv bemühen, dadurch in keine soziale Isolation zu geraten. Meine Familie, meine Freunde und mein Partner waren in dieser Zeit ein unentbehrlicher Halt.

Wie gut betreut dich dein Professor?

Meine Betreuung war für mich perfekt. Ich hatte die notwendige Freiheit, wissenschaftlich kreativ zu denken, selbst zu agieren und zu entscheiden. Dennoch stand bei Rückfragen immer ein Betreuer zur Verfügung.

Was planst du nach deiner Promotion?

Aktuell befinde ich mich in der Studienendphase. Spätestens im Juli 2015 bekomme ich meinen Doktorgrad verliehen und danach nehme ich am dreimonatigen "Veterinary Leadership Programm" der Cornell University in Ithaca (New York) teil. Anschließend beginne ich mit einer zweiten Promotion zum Ph.D/Dr.rer.nat. zur Neuroregeneration an der Universität Heidelberg.

Langfristig möchte ich mich als Kleintierchirurg und Neurologe spezialisieren; eine klinische Professur an einem Tieruniversitätsklinikum im In- oder Ausland wäre mein finales Ziel.

Welche Tipps kannst du anderen (künftigen) Doktoranden mit auf den Weg geben?

Es ist wichtig, sein Ziel immer klar vor Augen zu behalten, dabei aber sein Privatleben nicht zu sehr zu vernachlässigen. Wenn das passiert, ist es Zeit für eine Pause.

Man darf sich bei einem "speziell-individuellem" Vorhaben wie einer studienbegleitenden Promotion nicht von Sprüchen wie "So etwas gab es hier ja noch nie!" oder "Glauben Sie, Sie schaffen das wirklich?" abbringen lassen. Hier sind Hartnäckigkeit, Ehrgeiz und Zielstrebigkeit gefragt.

Tut sich ein Hindernis auf, sollte man die Lösung systematisch angehen: Man sollte Verordnungen genau lesen, das Gespräch mit einem Betreuer suchen und auch einmal eine direkte Email schreiben. Manchmal reicht auch schon ein formloser Antrag. Denn eines steht fest: Niemand mag Mehraufwand! So sind auch Prüfungs- und Promotionsämter gestrickt. Wenn man verständnisvoll, vorausschauend und unterstützend für sein Vorhaben eintritt, erhält man zumeist das Gleiche zurück.

Aber auch wenn man feststellt, dass etwas nicht klappt, war es doch den Versuch wert und man hat wertvolle Erfahrung über sich selbst sowie seine eigenen Prioritäten gewonnen.

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