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Spitzenforschung und Heimweh

Quelle: freeimages.com, sakue

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Außer Nutella-Toast zum Frühstück konnte e-fellow Tim während seines Ausland-Studiums wenig Gemeinsamkeiten zwischen China und Deutschland feststellen. Doch trotz oder gerade wegen gewöhnungsbedürftiger Tischsitten, unverständlichen Dialekts und bedrohlicher Taxi-Fahrten fällt ihm der Abschied von China schwer.

Warum tust du dir das an? - So reagierten Freunde, Bekannte und sogar einige Chinesen, als ich erzählte, dass ich in China studieren will.  Für Lebenskosmetiker lautet die strategische Antwort: aus weltpolitischen Gründen und der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung Chinas. Der wichtigste Punkt für mich war neben der Forschungserfahrung der Einblick in einen Kulturkreis, der sich über Jahrtausende unabhängig von westlichen Einflüssen entwickelt hat und trotz Modernisierung noch immer die Bedeutung von Konfuzius und Laozi spüren lässt.

Hühnermagen mit Reis und Bohnen

Mit geradezu kindlicher Neugier stürzte ich mich in meinen Shanghai-Aufenthalt. Nach einem beeindruckenden Landeanflug, der den Blick auf Wolkenkratzer freigab, und einem Geschwindigkeitsrausch im Transrapid hatte ich bald erste Erfolgserlebnisse. Dazu zählte zum Beispiel mein erstes auf Chinesisch bestelltes Abendessen in einer der Mensen des Minhang Campus südlich der Stadt, das sich später als Hühnermagen mit  Reis und Bohnen entpuppte.

Kein Heimweh dank Schwarzwaldladen

Das Viertel rund um den Campus ist der Gegensatz zum pulsierenden westlich anmutenden Stadtzentrum, in dem es sich mit genügend Geld leben lässt wie Gott in Frankreich. Hier finden sich Restaurants aus allen Ländern, dekadente Bars und zahlreiche Einkaufszentren. Mein Heimweh konnte ich durch Produkte aus dem Schwarzwaldladen oder den German-Centre-Weihnachtsabend lindern. Getränke und Livemusik zu studentischen Preisen gibt es zum Glück auch in Bars der alternativen Szene.

Am Campus  Minhang erinnert außer dem Nutella-Toast zum Frühstück nichts an Deutschland. Doch auch hier kann ich mir über mein Heimweh hinweghelfen - dank der vielen Möglichkeiten, Sport zu treiben, gemeinsamen Abenden mit Studenten aus aller Welt, Mensagerichten aus allen Regionen Chinas und billigen Taxifahrten nach Downtown Shanghai.

Probleme mit Dialekt und Essenssitten

Trotz Sprachkurs und Kulturseminar ist der Shanghaidialekt anfangs kaum zu verstehen. Außerdem wirken die lautstarken Essenssitten befremdlich und die chinesische Zurückhaltung kann leicht als Desinteresse fehlgedeutet werden. Der Unterricht wird stark frontal und eher autoritär geführt. Allerdings beweisen die Lehrer durchaus Humor mit dem Vorführen chinesischer Popmusikvideos als Sprachlehrmittel und kritischen Kommentaren zur Glaubwürdigkeit der Nachrichtenmagazine. Nach näherem Kennenlernen stellen sich die chinesischen Kommilitonen ebenfalls als sehr gastfreundlich und ausgesprochen hilfsbereit heraus.

Wissenschaftlich auf höchstem Niveau

In den Forschungsgruppen, deren Professoren teilweise Rückkehrer von hochrangigen US-Universitäten sind, ist der Umgang ebenfalls locker. Die moderne Ausstattung der Labore sowie Forschungsthemen in Pioniergebieten wie den topologischen Isolatoren in der Quanten- und Oberflächenphysik entsprechen den westlichen Maßstäben und zeigen die Orientierung zur Spitzen- und Grundlagenforschung.  Dies gilt besonders für die führenden Universitäten des Landes – die C9 –, zu denen auch die Shanghai Jiao Tong Universität gehört.

Xi'an und die berühmte Terrakottaarmee

Während der Feiertage zum Mondfest im Oktober, über Neujahr oder zum Nationalfeiertag nutzte ich die Möglichkeit, abgelegenere Gebiete in Zentralchina zu entdecken wie das Shaolinkloster auf den heiligen Song Bergen, die kulturelle Wiege Chinas in Xi’an mit der bekannten Terrakottaarmee, den Sommerpalast und die Gassen Pekings im Norden sowie die atemberaubende Schönheit des Huang Shan („Gelber Berg“) im mittleren Osten.

Vorfreude auf die gute deutsche Küche

Und selbst wenn gegen Ende die Freude groß ist über die Heimkehr zu Familie und Freunden, zu deftiger deutscher Küche, lang ersehnten Milchprodukten und vertrauter Umgebung, fällt mir der Abschied von diesem Land der dicht gedrängten Gegensätze schwer. Denn neben sprachlichen, wissenschaftlichen und interkulturellen Kompetenzen und abenteuerlichen Erfahrungen mit neuen Freunden – wie den chaotischen Fahrten in inoffiziellen Kleinwagentaxis – habe ich auch eine wertvolle neue Sicht auf die eigene Kultur gewonnen.

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