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Von Bulgarien nach Deutschland und wieder zurück

Ivana Zareva 174x100 II

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Vielleicht liegt es an den Bergen, zu deren Füßen sie geboren wurde, dass Ivana Zareva schon früh hoch hinaus will: Dupnitsa, ihre Geburtstadt, liegt am Rila-Gebirge, dem höchsten Massiv der Balkan-Halbinsel. Ivana ist erst elf Jahre alt, als ihr Vater, Direktor einer Textilfabrik, Theaterschauspieler und leidenschaftlicher Chorsänger, stirbt. Sein Wunsch war es, dass seine Tochter – wie er selbst – Deutsch lernt. Von seinen häufigen Konzertreisen mit einem erfolgreichen Männerchor kannte er das Land, in dem die Familie gute Freunde hat.
 

Von der Bühne zur Maschine
 Ivana erbt das Unterhaltungstalent ihres Vaters und veranstaltet schon als Kind kleine Theateraufführungen in der Nachbarschaft. Doch was ihre Gesangsqualitäten angeht, muss sie selbstkritisch erkennen: "Das Resultat ist nicht so gut." So entscheidet sie sich gegen die schönen Künste und für ein fremdsprachliches Gymnasium. Da die Schule in der nächstgrößeren Stadt liegt, zieht sie zu Tante und Onkel und schließlich allein in eine kleine Wohnung. Doch statt sich die Nächte um die Ohren zu schlagen, wie es andere Jugendliche angesichts solch unverhoffter Autonomie wohl tun würden, legt sie ein perfektes Abitur hin. Die Sprache prägt schließlich auch ihre Studienwahl: Sie schreibt sich an der Fakultät für deutsche Ingenieur- und Betriebswirtschaftsausbildung in Sofia ein, die gemeinsam mit der Technischen Universität in Karlsruhe ein Doppeldiplom anbietet.
 

Von wegen Karohemd...
 Die Wahl des Fachs fällt nicht schwer, da zu diesem Zeitpunkt nur ein einziges angeboten wird: Maschinenbau. "Eine gute Kombination zwischen Technik und der Möglichkeit, die Sprache weiter zu nutzen", findet Ivana, die sich scherzhaft als "eher männliches Mädchen" bezeichnet. Außerdem ist die Fakultät bekannt dafür, dass ihre Absolventen am Arbeitsmarkt später gute Chancen haben. Anders als in Deutschland, wo über den verschwindend geringen Frauenanteil im Fach Witze kursieren, ist das Geschlechterverhältnis in Bulgarien ausgeglichen.
 

Die etwas andere "Lobbyarbeit"
 Ivanas erster längerer Aufenthalt in Deutschland allerdings lässt noch wenig von der geplanten Karriere erahnen. Im Rahmen eines Ferien-Job-Programms für ausländische Studenten arbeitet sie bei McDonald's in der "Lobby" – "so nennt man das Saubermachen". Von hier aus kann es nur noch steil bergauf gehen: mit einem Praktikum beim DaimlerChrysler 2003 und einem DAAD-Stipendium für einen Hochschulsommerkurs im folgenden Jahr. Es folgen unter anderem ein BWL-Aufbaustudium an der deutschen Fakultät ihrer Uni, wo sie sich als Fachschaftsvorsitzende engagiert, Seminare organisiert und die Fachschafts-Homepage entwickelt.
 

Am liebsten alles auf einmal
 Heute unterstützt Ivana als Assistentin den aktuellen Inhaber der Herder-Dozentur an ihrer Fakultät. Bis vor einem Monat war sie an einem Projekt zur Erarbeitung einer Sektorentwicklungsstrategie für die bulgarische Maschinenbauindustrie beteiligt. Außerdem erarbeitet sie zurzeit im Auftrag des Internationalen Büros des Bundesministeriums für Bildung und Forschung länderspezifische Informationen über Forschung und Bildung in Bulgarien. Gerade weil sie ihr Land mit seiner wunderschönen Natur und seinen gastfreundlichen Menschen liebt, findet sie, dass man noch eine Menge in Bulgarien verbessern kann. "Vieles funktioniert noch nicht so, wie es sollte. Das ganze Land leidet noch unter dem Denken des alten Systems."
 

Bildschönes Bulgarien
 Kein Wunder, dass Ivana angesichts so vieler Aufgaben nur wenig Freizeit bleibt. Hat sie doch mal ein wenig Zeit übrig, engagiert sie sich als Moderatorin in der e-fellows.net community, unter anderem in der Gruppe "Fotoecke". Ivana fotografiert selbst nämlich leidenschaftlich gerne. In der "Fotoecke" zeigt sie nicht nur die Schönheit ihrer Heimat, man kann hier auch Bekanntschaft mit ihrem zweiten Hobby machen: ihrem Kater Karmelo und drei obdachlosen Katzenkindern, um die Ivana sich kümmert.
 

Optimal: Optimierung
 Was die Zukunft bringen wird, weiß Ivana noch nicht genau, nur eines ist inzwischen klar: Sie möchte erst einmal ein paar Jahre in Deutschland arbeiten, um Erfahrung zu sammmeln. Viele Möglichkeiten scheinen reizvoll, doch: "Am liebsten würde ich bei einem Autohersteller arbeiten." Auch die Arbeit einer Unternehmungsberatung, am besten in der Optimierung von Werksprozessen, würde sie interessieren. Oder doch eine Promotion? Von ihrer Mutter, die vor ihrer Pension eine Grundschule geleitet hat, hat Ivana den Spaß am Unterrichten geerbt. Wie auch immer: "Ich möchte einen guten Job finden, bei dem ich interessante Aufgaben habe, die mich beruflich zufrieden stellen." Private Pläne müssen noch etwas warten – "das Berufliche wird zuerst erledigt".

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