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Flug-Schreiber mit Kerosin im Blut

Mit zwei bekam Inga ihr erstes Space Shuttle aus Bauklötzen. War das der Start ihrer Liebe zum Fliegen? Wer weiß. So richtig Blut geleckt hat Inga aber erst während ihres Auslandjahrs in der elften Klasse in Neuseeland. Dort las sie eine Zeitungsanzeige für die "Aviation Introduction Week". Ein Flugverein wollte Neulingen anbieten, die Luft über den Wolken probezuatmen. Inga überlegte nicht lange und saß kurz darauf zum ersten Mal in einer Propeller-Maschine. Sie war begeistert.
 

"Es muss was mit Flugzeugen sein"
 Den Flieger-Virus brachte Inga mit zurück nach Deutschland. Sie ergatterte ein Schüler-Praktikum bei Lufthansa Technik und kletterte dort in Flugzeug-Motoren und Cockpits. Klar, dass sie danach Luft- und Raumfahrttechnik studieren musste.
 

Allein unter Männern
 Studieren in Delft, das hieß für Inga im ersten Semester: eine Küche und zwei Duschen - für 23 Studenten. "Das war ein Luft- und Raumfahrt-Flur", lacht Inga. "Das heißt: 22 Jungs und ich." Der hohe Männer-Anteil stört sie nicht. Nur auf Klassentreffen, wenn sie wieder in die "normale Welt" zurückkehrt, wundert Inga sich manchmal über die Frauenquote. Die hätte sie gerne auch in ihrem Studiengang. Deswegen engagiert sie sich im "Promo-Team". Sie zeigt interessierten Schülern die Uni-Welt und hilft Erstis dabei, ein Bankkonto zu eröffnen oder den richtigen Sprachkurs zu finden. "Eigentlich müsste man viel früher ansetzen", meint Inga. "Wenn es schon in der Schule cool ist, Mathe nicht zu können, ist eh alles zu spät."
 

Wochenend-Aus-Flüge
 Natürlich muss Inga auch ihrer Flug-Sucht nachkommen. Deshalb fährt sie so oft wie möglich nach Rotterdam. Dort sitzt der Rotterdamsche Aeroclub, der älteste Flieger-Verein Europas. Im Club treffen sich Kerosin-Süchtige aus der Region und organisieren gemeinsame Navigations-Ausflüge. Mit bis zu vier Flugzeugen fliegt die Gruppe dann zum Beispiel nach Frankreich. Sie waren auch schon in Berlin-Tempelhof, noch schnell bevor der Flughafen geschlossen wurde. Einen Aus-Flug planen, das heißt: die Route auswählen, das Wetter einschätzen, von den Lotsen die Starterlaubnis einholen. Dabei kann sich Inga so richtig auspowern. Immerhin muss sie selber dafür sorgen, dass sie wieder heil landet.
 

Techniker der schönen Künste
 Und wenn das Wetter mal schlecht ist? Dann wird eben das Flugzeug geputzt oder am Vereins-Newsletter geschrieben. Denn Inga ist nicht nur Technik-Fan, sondern begeistert sich auch für Sprachen. Diese zweite Leidenschaft lebt sie auch bei Euroavia, einem Flug-Verein mit Mitgliedern in ganz Europa: von Helsinki über Sevilla bis Zagreb. Damit die in Kontakt bleiben, editiert und druckt Inga die Vereinszeitschrift, und schickt sie von Delft in die Welt.
 

Vom Ingenieur zum Chemiker
 Inzwischen hat Inga ihren Master begonnen und spezialisiert sich auf "advanced aerospace materials". Denn statt Prototypen zu entwerfen, will Inga lieber grünere Materialien zur Flugzeugherstellung entwickeln. Vielleicht entdeckt sie ja die Formel für ein reißfestes recyclebares High-Tech-Plastik. Gerne würde sie ihr Wissen auch anwenden, um ein richtig großes Problem zu lösen: die "Plastic Soup" im Pazifik. Das ist ein Strudel aus Plastikflaschen und Verpackungen, zweimal so groß wie die USA, der seit Jahren im Ozean treibt, und Fische und Wasser vergiftet.
 

Bauxit aus Malawi
 Wenn Inga nicht zum professionellen Müll-Bekämpfer wird, kann sie sich auch vorstellen, für eine Weile in Malawi zu arbeiten. Letztes Jahr war sie mit einem Kommilitonen in dessen Heimat. Dort gibt es jede Menge Bauxit - der Stoff, aus dem Aluminium ist - aber es fehlt das Wissen, um den Rohstoff zu nutzen. Inga sieht darin Potenzial und würde gerne ihr Wissen zur Materialbearbeitung weitergeben. Genau deswegen mag sie ihr Studium: "Man ist in der Lage, etwas zu tun. Wir entwickeln Hightech mit dem Gedanken an Veränderung." Eins aber bleibt gleich: Fliegen wird Inga überall.

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