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Katharina und ihr Freund mit ihrem Gastgeber im Iran

Katharina und ihr Freund mit ihrem Gastgeber im Iran

Internationale VWL – Katharina nimmt ihren Studiengang richtig ernst! Vor allem das Wörtchen "international": Iran, Türkei, Belgien, Neuseeland, Senegal – nur eine Auswahl ihrer bisherigen Stationen. Und das, obwohl ihr Vater immer in Süddeutschland geblieben ist, wie sie schmunzelnd erzählt. Allerdings nicht ohne hinzuzufügen, dass ihre Eltern sehr viel dazu beigetragen haben, dass aus ihr so ein offener, neugieriger, reiselustiger Mensch geworden ist: "Meine Eltern haben mir viele Anregungen gegeben, bei uns zu Hause wurde immer diskutiert."
 

Geige gegen USA
 Dabei stand zunächst doch noch etwas zwischen Katharina und dem Ausland: die Geige nämlich. Die spielte Katharina von klein auf, und das ziemlich gut. So gut, dass sie fast Musik studiert hätte. Für ihr Instrument verzichtete sie zu Schulzeiten sogar auf ein Highschool-Jahr in den USA. Schon damals fasste sie allerdings den Vorsatz: "Aber nach dem Abi, da geh ich ins Ausland!"
 

Von der Musik zur VWL
 Aber welcher Studiengang passt zur neugierigen, musisch wie sprachlich begabten Katharina? Volkwirtschaftslehre natürlich! Was zunächst unerwartet klingt, ist für Katharina kein Widerspruch. VWL bietet ihr die richtige Mischung: "Ich mochte Mathe in der Schule total gerne: Kurven, aus denen man etwas ableiten kann, eindeutige Ergebnisse. Aber in der VWL kritisiert man diese Modelle und überlegt sich, ob sie anders aussehen müssten. Und man diskutiert auch über politische Themen, über Regionalpolitik zum Beispiel." Gerade die Regionalpolitik lässt sich wiederum ideal mit ihren Leidenschaften verbinden: fremde Sprachen und Kulturen. Also erst mal ab zum Studium der Wirtschaftswissenschaften nach Belgien, allerdings aus finanziellen Gründen nur für ein knappes Jahr.
 

Afrika oder nicht Afrika - das ist hier die Frage
 Mittlerweile studiert Katharina internationale VWL in Nürnberg. Bei diesem Studiengang ist ein Auslandsaufenthalt Pflicht - nicht, dass man Katharina dazu groß hätte drängen müssen. Sie hatte schon tausend Ideen, wo es hingehen könnte. Besonders angetan hatte es ihr immer Afrika. Ihre Großmutter ist der Missionsarbeit verbunden, was Katharina frühzeitig prägte. Leider stellte sich heraus, dass es kaum Kooperationen mit afrikanischen Hochschulen gab und der Aufenthalt nicht auf ihr Studium angerechnet werden konnte. Schweren Herzens gab Katharina ihren Plan auf. Oder besser gesagt, sie schob ihn auf.
 

Tausche Afrika gegen die Türkei
 Also sah Katharina sich unter den nicht-afrikanischen Kooperationsprogrammen ihrer Uni um. Außergewöhnlich sollte der Studienort schon sein. Sie entschied sich schließlich für Istanbul - und hat es nicht bereut. Die Kurse an der Universität wurden auf Englisch gehalten, aber Katharina begann natürlich auch Türkisch zu lernen. Und sie ist in der Türkei viel geduldiger geworden: "Eine Stunde auf jemanden warten, das kommt schon mal vor. In der Türkei zählen andere Werte als bei uns."
 

Ein Ausflug in den Iran
 Von der Türkei aus startete Katharina in ihr nächstes großes Abenteuer: Iran. Angst, dorthin zu fahren, hatte sie nicht: "Ich glaube, ich kann Situationen ganz gut einschätzen, ich vertraue da meinem Gefühl. Wenn wir uns in Gefahr gefühlt hätten, wären wir sofort ausgereist. Aber ich habe mich die ganze Zeit über sicher gefühlt, bis auf eine Ausnahme."
 

Gewissensfragen im iranischen Fernsehen
 Diese Ausnahme war der Revolutionstag. Katharina und ihr Freund Etienne wollten sich die Demonstrationen nicht entgehen lassen. Die Straßen waren schwarz vor Menschen, die Banner schwenkten und Puppen verbrannten. Die beiden Europäer fielen auf in der Menge, aber richtig brenzlig wurde es, als ein iranischer Fernsehsender sie interviewen wollte. Etienne und Katharina konnten sich dem nicht gut entziehen, antworteten regimekonform - bis sie gefragt wurden, was sie von Israel hielten. Katharina erzählt, wie schwer es ihnen fiel, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen, andererseits aber auch ihrem Gewissen Genüge zu tun und keine Meinungen zu äußern, die sie im Inneren rundweg verabscheuten. Also ein schnelles "zu kompliziert, um das in der Kürze zu erörtern" und dann nichts wie weg.
 

Verständigung mit Händen und Füßen
 Davon abgesehen war ihre Reise in den Iran von vielen positiven Erlebnissen und Begegnungen geprägt. Viele davon hat sie auf Fotos festgehalten und online gestellt. Auf dem Weg nach Busher bekam der Busbegleiter mit, dass die beiden westlichen Touristen kein Nachtlager hatten. Er führte sie durch die kleinen Gässchen, so lange, bis es Katharina dann doch ein bisschen mulmig wurde. Und dann waren sie plötzlich da: In einem kleinen einfachen Haus erwartete sie ihr spontaner Gastgeber, ein Onkel des Busbegleiters. Der sprach nur Persisch, was die Verständigung eigentlich unmöglich machte. "Ich hätte mir das vorher auch nicht vorstellen können, aber es ging. Wir waren drei Tage da, haben uns mit Händen und Füßen verständigt und uns keine Sekunde gelangweilt. Ebrahim, so hieß unser Gastgeber, machte uns Tee und zeigte uns alte Fotos und Briefe. Zum Abschied haben wir alle unsere Handumrisse auf ein Blatt Papier gemalt, als Dankeschön und als ein Zeichen der Zusammengehörigkeit. Wir konnten ihm ja nichts aufschreiben."
 

Afrika, mon amour
 Und nach Afrika kam Katharina schließlich doch noch, für ein Praktikum im "Centre pour le développement de l'entreprise", das im Senegal kleine und mittelständische Firmen unterstützt und ihnen Geschäftskontakte in Europa vermittelt. Dort lernte sie nicht nur Wolof, sondern erfuhr zum ersten Mal auch die Grenzen der Entwicklungszusammenarbeit: "Es geht viel um Diplomatie. Oft werden Dinge dann doch nicht so umgesetzt, wie sie geplant waren, nur um niemanden vor den Kopf zu stoßen." Dennoch sieht sie ihre eigene Zukunft in der Entwicklungszusammenarbeit und Regionalpolitik. Allerdings ist sich Katharina nach ihren Auslandserfahrungen darüber im Klaren, dass man nicht zu idealistisch an diese Aufgabe herangehen darf. So lässt sich allzu viel Frust vermeiden, meint sie.

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