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Griff nach den Sternen

e-fellow des Monats: Tanja

e-fellow des Monats: Tanja

Es ist ganz still, als der Countdown startet. Angestrengt lauscht Tanja der Ansage, die die ablaufende Zeit herunterzählt, und starrt gebannt auf die Rakete in sieben Kilometern Entfernung. Kreischend fliegen Papageien an ihr vorbei, aber in diesem Moment zählt nur noch eins: dass der Start glückt. 3, 2, 1 – die Welt scheint für den Bruchteil einer Sekunde still zu stehen. Dann zünden in einem riesigen Feuerkegel die Booster, die Hilfsraketen, am Fuße der Rakete. In unglaublichem Tempo steigt "Ariane 5" in den Himmel. Die Luft knattert und vibriert. Tanja ist, als stünde sie auf der Startbahn eines Düsenjets. Nach nur 20 Sekunden ist das Spektakel vorbei - zumindest am Boden. Die Ariane-Rakete verschwindet in den Wolken.
 

Zwischenstopp am Weltraumbahnhof

 Der Raketen-Start ist nicht etwa ein Traum, sondern Realität: Zwischen Oktober und Dezember 2009 absolviert Tanja ein Praktikum am Europäischen Weltraumbahnhof "Centre Spatial Guyanais" in Kourou, einer Stadt im Norden des französischen Übersee-Départements Französisch-Guayana. Dort ist die Studentin der Luft- und Raumfahrt live bei einem Raketen-Start dabei. "Es gibt im Jahr etwa sechs bis sieben Starts von Ariane-Raketen", berichtet Tanja. "Ich hatte das Glück, direkt zu Beginn meines Praktikums einen solchen Start mitzuerleben. Das war wirklich ein unglaubliches Erlebnis."
 

Sternguckerin von klein auf

 Ihre Leidenschaft für die Raumfahrt entdeckt Tanja früh: Als die US-amerikanische Luft- und Raumfahrtbehörde NASA, die europäische Weltraumorganisation ESA und die italienische Raumfahrtagentur ASI im Jahr 1997 gemeinsam die Doppelsonde Cassini-Huygens auf den Weg zum Saturn bringen, geht Tanja gerade in die sechste Klasse. "In der Tagesschau erfuhr ich von dem Projekt. Als ich hörte, dass die Sonde erst im Jahr 2004 in den Orbit des Saturns eintreten würde, dachte ich nur: 'Wow, da mache ich mein Abi'." Eine Zeitspanne, die ihr damals einfach riesig erscheint. Tanjas Neugier ist geweckt und so beschäftigt sie sich in den folgenden Jahren zunehmend mit Astronomie und betrachtet mit ihrem Teleskop den nächtlichen Sternenhimmel.
 

Allein unter Männern

 Nach dem Abi steht für Tanja fest, dass sie Luft- und Raumfahrt an der Technischen Universität München (TUM) studieren will. Dass sie damit eine von sehr wenigen weiblichen Studenten in ihrem Fach sein wird, ist ihr zwar klar - immerhin beträgt die Frauenquote in ihrem Studiengang an der TUM gerade mal acht Prozent. Als Frau ist Tanja bei der ersten Vorlesung der große Auftritt somit garantiert. "Während der Veranstaltung habe ich die Reihen abgesucht und tatsächlich einen Pferdeschwanz entdeckt", erinnert sie sich. Als sich die Person mit dem Zopf zu ihr umdreht, erkennt Tanja jedoch, dass nicht alle männlichen Studenten an der TUM einen feschen Kurzhaarschnitt tragen: "Der Pferdeschwanz gehörte zu einem Kerl." Heute, fünfeinhalb Jahre nach Studienbeginn, ist diese Situation für Tanja ganz normal. Zu ihrem Freundeskreis an der Uni zählen eben - bis auf zwei Ausnahmen - einfach nur männliche Kommilitonen.
 

Multilingualistin mit orientalischen Wurzeln

 Eigentlich hätte Tanja statt Luft- und Raumfahrt auch Sprachen studieren können. Denn neben Deutsch spricht sie Englisch, Französisch, Spanisch – und Persisch. Als Tochter iranischer Auswanderer ist sie zweisprachig aufgewachsen. Daher fühlt sie auch eine Verbundenheit mit dem vorderasiatischen Land: "Iran ist das Geburtsland meiner Eltern – und damit auch ein Teil von mir." Tanjas Großvater lebt noch heute in Teheran, besucht hat sie ihn aber das letzte Mal vor 15 Jahren. "Es ist für mich als junge, unverheiratete Frau in der derzeitigen politischen Situation einfach zu gefährlich, in das Land meines Großvaters zu reisen. Eher kommt er mich und meine Familie hier besuchen", erzählt Tanja. Glücklich ist sie über diesen Zustand nicht. Ihr Interesse an den Kulturschätzen, die der Iran zu bieten hat, ist groß. Zu gerne würde die Weltenbummlerin das Land ausgiebig bereisen, die politischen Zustände erlauben es ihr derzeit nur leider nicht. "Noch nicht, aber es werden andere Zeiten kommen", hofft Tanja.
 

Kochtopf für die ganze Familie

 Iranische Traditionen und Bräuche erlebt Tanja aber auch in Deutschland, genauer gesagt im Rheinland, wo ihre große und weitverzweigte Familie lebt. Gemeinsam werden traditionelle Feste gefeiert, wie zum Beispiel vor wenigen Wochen Nouruz, das persische Neujahrsfest. Die ganze Familie kommt zu dieser Feier zusammen und Tanjas Oma kocht das Essen – für 80 Personen! Die Leidenschaft fürs Kochen scheint in der Familie zu liegen. Auch Tanja ist begeisterte Hobby-Köchin, die am liebsten mit ihren Freunden gemeinsam das Essen zubereitet, um anschließend in gemeinsamer Runde zu schlemmen.
 

Großer Traum: Flug in den Weltraum

 Die größte Leidenschaft von Tanja ist und bleibt aber die Raumfahrt. Dass sie für eine Karriere als Astronautin nicht in Frage kommt, erfährt sie jedoch recht früh: "Ich bin leider kurzsichtig. Damit wird man für den Job sehr schnell aussortiert." Ihr großer Traum ist dennoch ein Flug in den Weltraum. Ihre Chance sieht die 25-Jährige in dem aufblühenden Weltraum-Tourismus. In 20 Jahren, so hofft Tanja, wird es auch für Nicht-Astronauten zu einigermaßen bezahlbaren Preisen möglich sein, in den suborbitalen Raum vorzudringen. "Dies ist zwar noch nicht ganz das All, aber einen tollen Ausblick hat man von dort auch schon", lacht sie. Wir drücken die Daumen, dass es klappt und Tanja dadurch den Sternen noch ein Stück näher rückt.

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