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Mein sozialer roter Faden

Marianna auf dem Laber im Allgäu

Marianna auf dem Laber im Allgäu

Stipendiatin des Monats Juli 2007

Marianna Cortese (22) wurde in Rossano (Italien) geboren und verbrachte dort ihre ersten drei Lebensjahre. Nach dem Abi wollte sie nicht direkt an die Uni. Sie findet es, vielleicht auch durch ihren kulturellen Hintergrund, spannend in anderen Ländern zu leben. Und für die Sprachkenntnisse ist so ein Jahr im Ausland ja auch immer nützlich. Deshalb entschloss sie sich, ein freiwilliges soziales Jahr in der Arche in Trosly-Breuil bei Paris zu machen.
 

Leben und arbeiten in der Arche
 Die Arche ist eine gemeinschaftliche, staatlich unterstützte medico-soziale Einrichtung, die mental behinderte Erwachsene aufnimmt und betreut. "Ich habe in dieser Zeit sehr intensive Erfahrungen gemacht, die immer stark mit einer Reise in die philosophische Welt, auf der Suche nach dem Wesen des Menschen, verbunden waren. Sie gaben mir viel Stoff zum Nachdenken. Man baut sehr starke zwischenmenschliche Beziehungen zu den Menschen dort auf", erzählt Marianna. Auf die Frage, ob die Arbeit für sie auch belastend war, antwortet sie: "Es war eine sehr arbeitsintensive und ereignisreiche Zeit. Ich habe es aber nie als belastend empfunden, denn diese Menschen strahlen trotz ihrer Handicaps so viel Glück aus. Irgendwann sieht man auch nicht mehr die Krankheit, sondern nur noch den Menschen. Sie haben genauso ihre Träume und ihre guten und schlechten Tage wie gesunde Menschen." Doch Marianna wollte weitere Erfahrungen sammeln. Deshalb machte sie sich zwei Wochen nach ihrer Rückkehr aus Frankreich auf den Weg nach Brasilien.
 

In den Favelas von Fortaleza helfen
 In Brasilien wohnte und arbeitete Marianna bei der Organisation "Casa do Menor", die Straßenkinder aufnimmt und Humanitärdienst in den Favelas in Fortaleza leistet. Favelas nennt man die besonders in Randlagen der großen Städte Brasiliens liegenden Armenviertel. "Damit wir uns ein Bild von den Lebensverhältnissen machen konnten, brachten uns die Mitarbeiter von Casa do Menor in die Favelas. Sie kannten die Leute dort, so waren wir sicher", erzählt Marianna. Die meisten Straßenkinder leben in Gangs und viele sind drogenabhängig. Sie versuchen mit Schuhe putzen, Drogendealen oder Prostitution Geld zu verdienen. "Je älter die Straßenkinder sind, desto schwieriger ist es, sie von den Vorteilen des Heims zu überzeugen. Denn für sie bedeutet Straße natürlich auch Freiheit", sagt sie. Leider hat die Organisation nicht sehr viel Einfluss in Fortaleza, sie wird vom Staat lediglich geduldet. Der Staat schützt den Tourismus an sich als wichtige wirtschaftliche Einnahmequelle im Sinne der Händler und Kaufleute. Dazu gehört leider auch, dass er nichts oder nur sehr wenig gegen den Sextourismus unternimmt. Für die Straßenkinder interessiert sich der Staat nicht sonderlich, solange sie durch stehlen oder andere Störungen den Touristen nicht auffällig werden.
 

Politik und Französisch aus gutem Grund
 Mittlerweile studiert Marianna in Heidelberg im zweiten Semester Humanmedizin, davor wechselte sie zweimal ihr Studienfach. Erst studierte sie ein Semester Politikwissenschaft und Romanistik (Französisch), dann Jura. "Da ich zweisprachig aufgewachsen bin und in der Schule immer gut in Sprachen war, wollte ich das nutzen und irgendwas mit Sprachen machen", erklärt sie. Seit ihrem sozialen Jahr in Frankreich und dem humanitären Dienst in Brasilien reizte sie außerdem die Entwicklungspolitik. Deshalb entschied sie sich, Politik und Romanistik zu studieren. Allerdings hatte sie sich das Politikstudium ganz anders vorgestellt. "Ich dachte, das Studium bereitet auf den Beruf als Politiker vor, aber das ist überhaupt nicht der Fall", so Marianna.
 

Mit Jura in der Entwicklungspolitik etwas bewegen
 Da in Deutschland viele Juristen in die Politik gehen, dachte Marianna, es ist nützlich Jura zu studieren, wenn man politisch etwas bewegen will. Medizin hatte sie zwar schon im Hinterkopf, aber das konnte man zum Sommersemester nicht anfangen. "Das Jurastudium gefiel mir gut und ich bin überzeugt davon, dass man als Jurist etwas in der Entwicklungspolitik erreichen kann. Aber ich wollte direkt in Kontakt mit den Menschen kommen", sagt sie. Deshalb entschied sie sich, zu Medizin zu wechseln. Doch der Wechsel fiel ihr sehr schwer, weil das Thema für sie so ernst war. "Ich möchte später wirklich einen Beruf mit meiner Person authentisch vertreten können. Davon hängt auch mein persönliches Glück ab und ob ich etwas aufbauen kann von dem andere noch lange zehren können", erklärt Marianna.
 

Menschen im Alltag helfen
 Mit ihrem Medizin Studium ist Marianna rundum zufrieden. "Als Mediziner kann man praktisch tätig sein und Menschen wirklich jeden Tag helfen – mit konkreten Ergebnissen. Man hat viele Möglichkeiten, in Projekten mitzuarbeiten und sich durch Aufbau- und Parallelstudiengänge weiter zu qualifizieren", erzählt sie. Auf die Frage, was sie mit ihrem Studium später genau machen möchte, antwortet Marianna: "Im Moment möchte ich gerne Kinderärztin werden. Außerdem finde ich Dermatologie sehr interessant - aber das kann sich im Laufe des Studiums alles noch ändern." Sie könnte sich vorstellen, ein- oder zweimal im Jahr für ein paar Wochen bei einem Projekt mitzuhelfen und sonst in einer Praxis oder Klinik zu arbeiten. Auch würde sie gerne solche Projekte mitorganisieren und vielleicht sogar selbst mal eine Hilfsorganisation gründen.

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