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Faust lebt in Augsburg

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Das Mathe-Genie an sich
 Der talentierte Mathematiker sitzt den ganzen Tag in seiner verstaubten Studierstube, brütet über seinen Zahlenreihen. Die Vorhänge sind geschlossen. Selten hat er Kontakt zur Außenwelt. Am liebsten würde er mit seiner Umwelt auf Algorythmisch sprechen, wenn ihn doch bloß einer verstünde. Auf Äußerliches legt er nicht viel wert. Ehrungen mathematischer Institutionen weist er zurück, denn er sieht es als Zeitverlust, die Salbung zu empfangen.
 

Der Literaturliebhaber
 Walter ist ein äußerst talentierter Mathematiker und entspricht so gar nicht dem Klischee des Mathe -Genies. Er ist sehr vielseitig interessiert, aber die Literatur wuchs ihm mit der Zeit besonders ans Herz. So liest er alles von Asimov über Goethe und E.T.A. Hoffmann bis zu Coelho und Tolkien. "Wenn es ein unterhaltsames Buch ist, lese ich bis zu 500 Seiten pro Tag", sagt Walter mit überzeugender Stimme und fügt hinzu: "So was wie Harry Potter zum Beispiel lese ich an einem Tag." Natürlich befasst er sich mit Weltliteraten wie Goethe mal längere Zeit. Auch Latein liest Walter und bevorzugt angenehm geschriebene Texte, wie "De Bello Gallico" von Caesar. "Mit elf Jahren hatte ich unsere Stadtbücherei schon durch und mir wurde langweilig", sagt Walter. Da lag es nahe, sich Zugang zur Universitätsbücherei zu verschaffen und dort weiterzulesen.
 

Von Goethes Faust zur Gummidichtung
 "Mit Faust kann ich mich sehr gut identifizieren; auch ich möchte wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält", sagt Walter. Aber er sieht ihn nicht als absolutes Vorbild. Da passt schon eher der Physiker Richard Feynman. Der meinte nach der Challenger-Katastrophe 1986 als Mitglied des Untersuchungs- ausschusses: "For a successful technology, reality must take precedence over public relations, for nature cannot be fooled." Walter ist vernarrt in Feynman, "weil er sich in seinem Leben ausschließlich zu den Dingen geäußert hat, wovon er Ahnung hatte". Berühmt wurde Feynman, als er vor laufender Kamera erklärte, warum die Challenger abgestürzt ist: Er warf die gleiche Gummidichtung in ein Glas Eiswasser, die bei der Katastrophe kaputt gegangen war. Nach kurzer Zeit zog er das vollkommen verzogene Gummiteil wieder heraus und präsentierte der Welt den Grund für den Absturz.
 

Phänomen-Analyse-Erklärung
 "Meine Eltern sind beide Psychologen", sagt Walter unbekümmert. Sie sind einer der Hauptgründe dafür, warum er stets allem auf den Grund gehen möchte. "Oft haben sie sich mein Verhalten psychologisch erklärt, da hieß es dann: Der macht das doch nur, weil...", sagt Walter. Dadurch legten sie ihm diesen Gedankenweg in die Wiege: Phänomen - Analyse - Erklärung. Das führte zu vielen intensiven Diskussionen mit seinen Lehrern, auch nach der Schule.
 Seine Freunde unterteilt Walter grob in zwei Gruppen. Zum einen die Schöngeister und Künstler und zum anderen die Mathematiker und Naturwissenschaftler. "Aber", sagt er nach einer kurzen Atempause "es gibt da schon einige Schnittmengen. Ich habe sehr viele Freunde, die so sind wie ich."
 

Vorträge in Israel
 Walter hatte schon während seines Studiums ein Faible fürs Ausland. Über ein Erasmus-Programm intensivierte er seine Kenntnisse in Zahlentheorie an der Universität in Bordeaux. "Die Uni gilt als Hochburg der Zahlentheorie", sagt Walter. Letzten Mai lud ihn die Israel Mathematical Union ins gelobte Land, um über sein Promotionsthema mehr zu hören - die Kac-Moody symmetrischen Räume. "Die Kac-Moody-Theorie verallgemeinert symmetrische Räume in unendliche Dimensionen", erklärt Walter das Thema. In den drei Wochen in Israel hielt er pro Woche einen Vortrag, unter anderem am Einstein-Institut für Mathematik an der Hebrew University of Jerusalem.
 

Die Miss Marple-Melodie
 Neben seinem Studium spielt Walter als Organist in St. Thomas. Neben der klassischen Orgelliteratur gibt er gerne heitere Lieder zum Besten. "Die Titel-Melodie von Miss Marple spiele ich sehr oft", sagt Walter und fügt hinzu: "Die ist einfach genial und passt auch in die Kirche." Auf die Frage, warum er denn Miss Marple so gerne anschaue, antwortet er: "Sie lässt sich nicht in ein Schema pressen. Immer wieder sprengt sie ihre Rollen und denkt kompromisslos analytisch - alles ist erklärbar." Walter meint, dass auch Politiker naturwissenschaftlich-analytischer denken sollten. Seiner Meinung nach wäre die Welt friedlicher, wenn Politiker mathematische Prinzipien anwendeten; und er fügt hinzu: "Dann hätten sie eine Pallette an Möglichkeiten, welchen Weg sie gehen können. Dadurch würden sie entscheiden, was die optimale Entscheidung ist!"

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