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"Die Paralympics 2016 sind das Ziel"

Fußball spielen [Quelle: freeimages.com, Autor: lvalics]

Quelle: freeimages.com, lvalics

Im Jura-Staatsexamen unter den besten 15 Prozent, kurz vor der Promotion und nebenbei noch Spieler in der Blindenfußball-Nationalmannschaft. Sebastian ist seit 15 Jahren blind und doch meistert er sein Leben selbstständig und mit Erfolg. Höchste Zeit, ihn einmal zu fragen, was ihn antreibt und wie er schafft, so gut mit seinem Handicap umzugehen.

Schon als Kind verringerte sich Sebastians Sehfähigkeit. Durch eine Netzhauterkrankung reduzierten sich seine Sehzellen immer mehr, doch er lernte normal Lesen und Schreiben in der Schule. Erst ab der neunten Klasse bekam er einen Zivildienstleistenden an die Seite gestellt, der ihm bei Klausuren die Fragen vorlas. Seit er 18 ist, kann er nur noch Hell- und Dunkelkontraste wahrnehmen.

Traumstudium Jura

Während seines Jura-Studiums lebte Sebastian trotz seiner Sehbehinderung stets allein und legte sein erstes Staatsexamen mit Bravour ab. Bei seinen Klausuren in der Uni hilft ihm eine Vorlesekraft, indem sie ihm die Prüfungsfragen vorliest. Er beantwortet sie dann selbst mit dem PC. "Jura ist ein Studium, das sich vor allem ums Lesen und Schreiben dreht und das ist mir zugutegekommen. Die heutige Technik ist wirklich gut fortgeschritten. Man kann zum Beispiel noch nicht digitalisierte Texte einscannen und sich diese von einem Computer mit Sprachausgabe vorlesen lassen", erklärt Sebastian.

Promotion und Zukunftspläne

In seiner Promotion befasst sich Sebastian mit Änderungen im Gesellschaftsrecht durchs "MoMig", ein Gesetz zur Modernisierung der GmbH. Es dient vor allem der Bekämpfung von Missbräuchen und soll die Gesellschaftsform GmbH besser schützen. Nach Studium und Referendariat kann sich Sebastian sehr gut vorstellen, einmal als Richter zu arbeiten. "Denn als Anwalt ist man dagegen immer davon abhängig, wie Mandanten mit dem Thema Sehbehinderung umgehen", sagt Sebastian. Er weiß aber, dass auch der Weg zum Richter-Dasein nicht leicht sein wird.

Fußball – seine große Leidenschaft

Sebastian ist sogar Fußball-Profi, er ist Spieler in der Blindenfußball-Nationalmannschaft. Zehn Länderspiele hat er schon mit seinem Team bestritten. Leider hat es mit den "Paralympics 2012" in London dieses Jahr nicht geklappt, doch sein Ziel ist, 2016 in Rio de Janeiro an den Start zu gehen. Auch in der Blindenfußball-Bundesliga ist er aktiv und wäre diese Saison sogar fast noch Torschützenkönig geworden.

Spieltricks mit "unter die Brille" nehmen

Sowohl Vollblinde und als auch stark Sehbehinderte können beim Blindenfußball mitspielen. Allerdings bekommen alle sehbehinderten Spieler Augenpflaster oder eine Schwarzbrille auf, um Wettbewerbsverzerrung zu vermeiden. Gespielt wird auf einem 20 mal 40 Meter großem Feld, das an den Längsseiten von einer Bande begrenzt ist. Die Mannschaft besteht aus vier blinden Feldspielern und einem sehenden Torwart. Der Torwart darf durch Zurufe die Spieler koordinieren. Im Spielball befinden sich Schellen, sodass die Spieler diesen durch ihr gutes Gehör wahrnehmen können. Das Spiel wird von zwei Schiedsrichtern geleitet. "Die stark Sehbehinderten können sich Spielabläufe aus ihren Freizeit-Spielen merken und dann im Spiel einsetzen. Man nennt diese Taktik 'mit unter die Brille nehmen'. Sie haben so einen kleinen Vorteil", verrät der Fußball-Begeisterte.

Etwas zurückgeben

Um sich für das Thema Behinderung einzusetzen, übernahm Sebastian die Schirmherrschaft für den Integrationspreis für Schwerbehinderte. Dieser wurde unter anderem an ein Projekt verliehen, in dem Schwerbehinderte einen Stuhl so gestalten sollten, wie sie ihren Platz in der Gesellschaft sehen. Mit den fertigen Objekten fand eine Ausstellung im bayerischen Landtag statt.

Die Distanz verringern

Sebastian betont, wie wichtig sein persönliches Umfeld für ihn ist, das ihn in allem unterstützt und sein Leben so normal wie möglich macht. "Ich nehme eins zu eins am Geschehen teil und bin wirklich dankbar, dass mein Freundeskreis für mich da ist."

Auf die Frage, wie gut er die Integration von Behinderten generell sieht, meint Sebastian, dass diese schon recht gut fortgeschritten sei. Er fügt hinzu: "Die Offenheit und der Umgang mit Behinderten könnte natürlich noch besser sein. Ich habe das Gefühl, viele Menschen bauen so eine große Distanz auf, weil sie nicht wissen, wie sie mit dem Thema umgehen sollen." Oft fehle einfach die nötige Routine im Umgang miteinander. Er wünscht sich, dass behinderte und nicht-behinderte Menschen noch normaler miteinander umgehen.

e-fellow Sebastian über sich

Ich bin e-fellow,...

... weil mir die Online-Recherche in den e-fellows.net-Datenbanken trotz meiner Blindheit ermöglicht, für Referate und Promotion geeignete Literatur zu finden.

Ich studiere mein Fach weil,...

… mich Jura bereits früh begeistert hat und ich während meines Studiums immer wieder feststellt habe, dass das Fach überhaupt nicht trocken ist.

Experte bin ich ...

… für Kapitalgesellschaftsrecht und Blindenfußball.

Gar nicht geeignet bin ich ...

… für ausgiebige Shopping-Touren, Museumsbesuche und Malen nach Zahlen.

Meine Buchempfehlung für die e-fellows ...

… ist kein bestimmtes Werk, sondern der Rat, sich bei all der Studien- und Ausbildungsliteratur dann und wann mit etwas anderem zu beschäftigen - und bei einem guten Buch abzuschalten.

Mein größter Traum ist es,...

… mit der deutschen Blindenfußball-Nationalmannschaft an den olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro teilzunehmen.

In zehn Jahren ...

… möchte ich zurückblicken können und sagen dürfen, dass ich aus den mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und meinen vorhandenen Fähigkeiten das Beste gemacht habe, um mit mir persönlich beruflich und privat zufrieden zu sein.

Bei e-fellows.net gefällt mir besonders...

... das umfassende Literaturangebot, die persönliche Betreuung der Stipendiaten und die Informationen über außeruniversitäre Veranstaltungen.

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