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"Wetten, dass ich deinen Namen noch weiß?"

Stipendiat des Monats Juli 2011 Boris Vortrag [Quelle: e-fellows.net]

Stipendiat des Monats Juli 2011 Boris Vortrag [Quelle: e-fellows.net]

Stipendiat des Monats Boris fiel als Kind nicht durch ein besonders gutes Gedächtnis auf. Vokabeltests waren ihm genauso ein Gräuel wie seinen Mitschülern. Erst kurz vor dem Abitur entdeckte er, wie er sich durch gezieltes Gedächtnistraining das Lernen erleichtern konnte. Fasziniert wendete er dieses Wissen in seinem Studium an und nahm bald mit Erfolg an den ersten Gedächtnis-Meisterschaften teil.

Sudoku mit Oliver Kahn

Dass ihn seine Fähigkeit mal auf eine Couch mit Oliver Kahn bringen würde, hätte Boris nicht gedacht. Der damalige National-Torwart war Wettpate, als Boris 2006 das zweite Mal bei "Wetten, dass ...?" auftrat. Bei seiner Sudoku-Wette verblüffte Boris die Zuschauer mit seiner Gedächtnisleistung. Er hatte zwei Minuten Zeit, sich fünf ungelöste Sudoku-Rätsel anzusehen. Direkt im Anschluss musste er in vier Minuten aus 100 Lösungen die passenden heraussuchen.

Wissenschaftler und Trainer zugleich

Da ihm die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Hintergründen der Gedächtnistechniken wichtig ist, wechselte er nach seinem Studium an der TU Dortmund 2009 für seine Promotion ans Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Dort erforscht er die neuronalen Grundlagen außergewöhnlicher Gedächtnisleistungen, unter anderem anhand von Studien mit Probanden. Außerdem arbeitet Boris seit 2006 als Gedächtnistrainer und hält Vorträge und Trainings.

Zur Weltmeisterschaft nach China

Als amtierender Weltrekordhalter im Merken von Namen und Gesichtern wird Boris im Dezember 2011 wieder an den Gedächtnis-Weltmeisterschaften teilnehmen, die in diesem Jahr in China ausgetragen werden. In den vergangenen Jahren errang das deutsche Team mehrfach den 1. Platz.
Vor Wettbewerben trainiert Boris sein Gedächtnis zwei- bis dreimal die Woche zwei bis drei Stunden. Dabei übt er am PC die verschiedenen Wettbewerbsdisziplinen wie das Merken von Namen und Gesichtern, Wörtern, historischen Daten, Spielkarten und Binärziffern.

Von Fußballfans und Binärziffern

Doch wie merkt man sich mehrere 30-stellige Zahlenreihen? "Ein Trick ist, sich eine Geschichte auszudenken", verrät Boris. "Nehmen wir als Beispiel die Zahlenreihe 110101000110000101010100101101. Ich habe einen Code gelernt, bei dem ich immer 10 Binärzahlen zusammen kodiere. Die ersten vier Zahlen in einen Konsonanten, dann drei in einen Vokal und noch mal drei in einen Konsonanten: 1101 = B, 010 = i, 001 = t. Dazu suche ich mir dann passende Wörter und lerne die vorab.

Nun übersetze ich die Zahlen in Bilder. 1101010001 = Bitte. 1000010101 = Film. 0100101101 = Raul (der Fußballer). Meine Geschichte lautet dann: Jemand steht "bitte"nd und bettelnd mit einer "Film"kamera in der Hand vor "Raul", um ihn zu überreden in seinem Film mitzumachen. Das Ganze stelle ich mir nun so gut wie möglich vor, das ist besonders wichtig!"

So schafft man es dann auch, sich wie Boris während einer Gedächtnismeisterschaft in 15 Minuten 201 Vor- und Nachnamen zu Bildern von Personen einzuprägen. Sein Motto: "Durch Training kann jeder ein gutes Gedächtnis bekommen."

Der Becher-stapelnde Schiri

Ausgleich findet Boris in seiner Freizeit als Fußballschiedsrichter, zuletzt in der Bayrischen Landesliga, und in der Fun-Sportart Sport Stacking. Ursprünglich hatte er mit dem Becherstapeln angefangen, um seine Konzentration zu verbessern und damit einen positiven Effekt für seine Gedächtnisleistungen zu erzielen.

Auch hier ließen die Erfolge nicht lange auf sich warten: Bei der jährlichen Weltmeisterschaft im Sport Stacking wurde er schon mehrfach Weltmeister seiner Altersklasse und stellte im Laufe der Jahre zahlreiche Weltrekorde auf. Doch inzwischen betreibt er das Becherstapeln nur noch zum Spaß. "Mit den Jugendlichen kann man als Erwachsener in dieser Sportart einfach nicht mithalten."

Lehr-Konzepte für Lehrer

Neben Erfolgen bei Wettbewerben ist für Boris aber auch immer der praktische Nutzen wichtig, der sich mit Gedächtnistraining erzielen lässt. "Sich Namen und Gesichter gut merken zu können, hilft natürlich auch im Alltag, Binärzahlen-Reihen machen da weniger Sinn."

Deshalb ist er ehrenamtlicher Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins MemoryXL e.V., der sich für Gedächtnissport und den effizienten Einsatz von Lerntechniken einsetzt. "Wir richten nationale und internationale Gedächtnismeisterschaften aus. Außerdem halten wir Seminare für Lehrer, die ihre Lehr- und die Lernmethoden ihrer Schüler verbessern möchten."

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