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Herausforderung auf hoher See

e-fellow Januar, Schiff mit Leuten

e-fellow Januar, Schiff mit Leuten

Ein Teilzeit-Fernstudium zum Master in Interkultureller Kommunikation: Das ist nicht alltäglich. "Aber auch nichts Besonderes", findet Florian. Die Unterlagen dafür bekommt er aus den USA zugeschickt und bearbeitet sie zu Hause. Sein Hauptaugenmerk liegt allerdings auf dem Bachelor-Studium VWL, das er auch kurz vor dem Master abschließen möchte. Das Thema Interkulturalität ist für ihn eher ein Steckenpferd. Und es ist kein Wunder, dass Florian sich dafür interessiert – bei all der interkulturellen Erfahrung, die er schon gesammelt hat.
 

Aus der Schule auf die Doulos
 Vor seinem Studium wollte Florian gerne etwas Sinnvolles tun, anderen helfen. Also informierte er sich und ist auf das Schiff "Doulos" gestoßen: "Dieses Projekt hat mich sofort fasziniert". Er bewarb sich und verbrachte fast drei Jahre auf dem Schiff - zusammen mit 350 anderen Freiwilligen, die sich sozial engagieren wollten. Aus über 50 Ländern stammte die Besatzung, sogar aus Ghana, Sri Lanka oder Papua-Neuguinea. Wegen dieses Völkergemisches wird das Schiff manchmal sogar als "Floating United Nations" bezeichnet.
 

Buchhandel auf See
 Die "Doulos" ist das Schiff des Vereins "Gute Bücher für Alle". Diese gemeinnützige, international arbeitende Organisation betreibt mit der "Doulos" eine riesige Buchhandlung - und wahrscheinlich die einzige, die sich schwimmend zwischen den Kontinenten bewegt. Dabei gilt für die Freiwilligen das Motto: "Bringing knowledge, help and hope." Das Hauptanliegen von "Gute Bücher für Alle" ist es, Wissen zu vermitteln und die Verständigung zwischen den Kulturen zu fördern. Dafür beschafft die Organisation Bücher, die dann an Bord günstig verkauft werden, vor allem in Häfen der Dritten Welt. Fast eine halbe Million Exemplare, von allgemeiner Literatur über Atlanten, medizinische oder technische Fachliteratur bis hin zu Kinderbüchern, bietet die "Buchmesse" auf dem Schiff an. Außerdem führen Teams der "Doulos" vor Ort verschiedene Hilfsprojekte durch.
 

19 Millionen Besucher aus 143 Ländern
 Seit 1978 haben die Schiffe der Organisation 467 Häfen in 143 Ländern angelaufen - und über 19 Millionen Besucher empfangen. Florian war beeindruckt, wie groß bei den Einheimischen der Hunger nach Büchern ist. Oft stehen sie Schlange, wenn die "Doulos" einen Hafen anläuft. Neben der Buchmesse plant und organisiert die Mannschaft an Bord Konferenzen in Zusammenarbeit mit örtlichen Organisationen, Unternehmen oder Diplomaten. Oft kommen auch ganze Schulklassen und bestaunen Schiff und Bücher.
 

Matrosen-Dasein
 Zu Beginn seiner Zeit auf der "Doulos" hat Florian an Bord die Teams organisiert, die in den Zielhäfen Projekte durchführten: ein Waisenheim renovieren oder ein Sportturnier ausrichten. Aber auch "richtige" Matrosenarbeit gehörte dazu: Florian hat das Deck geschrubbt, riesige Tanks gesäubert und sogar das Schiff gesteuert: "Bei Nacht, wenn die Sterne funkeln". Dabei stand ihm natürlich ein Offizier zur Seite - schließlich sollte das Schiff ja auf Kurs bleiben.
 

Neue Aufgaben - neue Abenteuer
 Nach elf Monaten an Bord wurde Florian "befördert". Er war die folgenden zwei Jahre Mitglied des Vorbereitungsteams, das der "Doulos" vorausfliegt und am Zielhafen die Ankunft vorbereitet und die Hilfsprojekte plant. "Ich bin nicht so der praktische Typ", sagt Florian über sich. Daher hat er sich sehr auf die planerischen und organisatorischen Aufgaben gefreut. Auch wenn es dann manchmal nicht ganz einfach war: Jedes neue Abenteuer startete bei Null. Florian musste nicht nur Unterkunft und Büro für das Team organisieren, sondern die Einreiseerlaubnis für die bunt zusammengewürfelte Schiffsmannschaft beschaffen und die Büchermesse auf der Doulos mit dem Hafenmanagement absprechen. Das Besondere daran war für ihn, dass er durch diese Arbeit einen tiefen Einblick in die Gesellschaft des jeweiligen Landes bekam. "Ich hatte Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen, vom Taxifahrer bis zum Gouverneur."
 

"Ja" ist nicht gleich "ja"
 Florian liebt die Herausforderung. Und das ist auch gut so - schließlich brachte seine Arbeit in der Organisation so manches Hindernis mit sich. In Indien zum Beispiel, einem schillernden Land - mit einer sehr unverbindlichen Kultur. Ein indisches "Ja" bedeutet nicht automatisch, dass eine Entscheidung tatsächlich umgesetzt wird. "Sondern eher, dass man jetzt anfängt, darüber zu diskutieren." Für Florian lag aber gerade darin der Reiz: "Man lernt in jedem Land etwas anderes". Und muss sich auf die unterschiedlichen Kulturen einlassen. Besonders in Indien. Wahrscheinlich sieht Florian die Zeit dort deshalb als persönliches "Highlight" an.
 

Vom "Matrosen" zum Studenten
 Drei Jahre war Florian mit der "Doulos" unterwegs, in über 30 Ländern. Jetzt ist er "nur" Student und genießt die Unizeit. Das heißt aber nicht, dass er es langsam angehen lässt. Schließlich wird er beinahe gleichzeitig ein Bachelor- und ein Masterstudium beenden. Wo er seine Zukunft sieht? Nicht unbedingt in der Entwicklungshilfe. Nach der langen Zeit im Freiwilligendienst sucht Florian sich jetzt lieber neue Herausforderungen. "Am liebsten wäre mir ein Job, in dem ich strategische Projekte bearbeiten kann, vielleicht in der Unternehmensberatung." Natürlich - dann hätte er auch jedes Mal wieder ein neues Abenteuer.

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