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Die großen Stellschrauben drehen

Martin mit Freunden im Wald beim Outdoor-Sport

Martin mit Freunden im Wald beim Outdoor-Sport

Stipendiat des Monats Januar 2007

Man soll ja bekanntlich das studieren, was einen wirklich interessiert. Bei e-fellow Martin sind das die großen Zusammenhänge. Um mehrere Lehrmeinungen kennenzulernen, entschloss er sich nach vier Semestern Jura in Düsseldorf zum Wechsel nach Heidelberg. Dort studiert er bis heute weiterhin Rechtswissenschaft, schrieb sich aber noch in den Magisterstudiengang Politikwissenschaft mit den Nebenfächern Soziologie und öffentliches Recht ein.
 

Nicht nur anwenden – auch die Hintergründe verstehenUnd wieso dieses Doppelstudium? "Das Jurastudium ist sehr anwendungsbezogen: Man wird fast durchgängig zum Anwalt oder Richter ausgebildet und erhält das Handwerkszeug hierfür. Das Recht bekommt man dabei oft gelehrt als ein starres Gebilde; das Grundgesetz legen beispielsweise viele aus wie die Bibel. Mich interessiert aber auch, wie Recht entsteht und welche gesellschaftlichen Auswirkungen es hat", erläutert Martin. "In der Politikwissenschaft lerne ich, wie politische und ökonomische Rahmenbedingungen bestimmte Gesetze erst ermöglichen, in der Soziologie erfahre ich zum Beispiel, wie Gesetze soziale Veränderungsprozesse auslösen können oder Symptome von solchen sind."
 

Ehrenamt zahlt sich aus – auch persönlich
 "Es ist wichtig, dass man die Theorie, die man in den Hörsälen lernt, in der Praxis auf die Probe stellt. Dabei ist es egal, in welchem Bereich man sich engagiert," glaubt der gebürtige Frankfurter. Er selbst ist bei den Studentenorganisationen AIESEC und ELSA aktiv. "Über mein ehrenamtliches Engagement habe ich auch an meinen Soft Skills feilen können," so Martin weiter. "Dabei habe ich zum Beispiel gelernt, wie wichtig eine gemeinsame Vision und gemeinsame Werte sind, wenn man Teams leiten will", betont er. "In einer der Studentenorganisationen (AIESEC) musste ich einmal mitten in der Prüfungszeit meine Mitarbeiter dazu bewegen, sich trotz anstehender Klausuren, Konferenzen, privater Belastungen und anderswo wahrzunehmender Ehrenamtsaufgaben zusätzlich für die Abschlussvorbereitungen eines wichtigen Projektes einzusetzen", erinnert er sich. Dabei fehlten die "arbeitsüblichen Druckmittel" wie Gehalt, Arbeitsplatzsicherheit oder Urlaubsfreigabe. "Nur dadurch, dass ich als Teamleiter die gemeinsame Vision und die damit verbundenen Werte klar machen konnte, sie selber lebte und sich auch die Mitarbeiter darauf einließen, konnten wir eine Motivation erzeugen, die uns trotz der widrigen Umstände zusammenhielt. So gelang uns letztlich auch ein guter Projektabschluss", erläutert Martin.
 

Wer fragt, gewinnt
 Aber Martin sitzt nicht nur in Hörsaal und Bibliothek. Die Semesterferien verbringt er oft bei der Commerzbank in Frankfurt – dort absolviert er ein "Traineeship in Teilschritten". Wie man da reinkommt? Martin hatte während eines Wirtschaftsworkshops für Schüler den Vertreter des Konzerns tiefgehende Fragen zu unternehmenspolitischen Entscheidungen gestellt. "Damit habe ich wohl gezeigt, dass ich gut informiert und interessiert bin. Kurze Zeit später hat man mir ein Praktikum angeboten", erzählt Martin. Zwei Tage nach seinem letzten Tag als Zivildienstleistender stand Martin bei der Commerzbank auf dem Teppich. "Der Wechsel war eine ganz schöne Umstellung, vor allem auch wegen der Arbeitszeiten und der Arbeitsintensität", erinnert er sich. Und er fand schnell heraus: "Willst du wie ein Mitarbeiter behandelt werden, musst du auch entsprechenden Einsatz zeigen." Diese Einstellung lohnte sich: Nach einigen Wochen verwandelte sich das unbezahlte Praktikum in eine studienbegleitende Traineestelle, die ihn bis heute mit dem Konzern verbindet.
 

Die Zukunft ist offen
 Trotz der engen Verbundenheit zu seiner Bank ist Martins Zukunft nicht starr festgelegt. Als Generalist interessiert ihn auch die Arbeits- und Denkweise von Unternehmensberatern, besonders in der Strategieentwicklung. Aber es ist für ihn ebensogut denkbar, sich etwas später vielleicht mal als Wissenschaftler für die verstärkte Zusammenarbeit der Disziplinen einzusetzen. "Wenn man interdisziplinär studiert, entdeckt man seine eigene Leidenschaft für die Forschung", sagt Martin. Dabei ist er davon überzeugt, dass Wissenschaft in den meisten Fachrichtungen nach "ökonomischen Maßstäben" funktionieren kann. "Wissenschaft lässt sich in einigen Bereichen wie ein Großunternehmen aufziehen, nur eben nicht mit dem Ziel, den Profit zu maximieren, sondern möglichst viel und genaue 'Wahrheit' zu produzieren", erklärt er. "Die einzelnen Disziplinen kann man dabei als Konzernabteilungen mit ganz vielen Querverbindungen und Schnittstellen zueinander verstehen." Ob es Martin wohl gelingen wird, die Wissenschaft zu "ökonomisieren" und ihre zerstrittenen Disziplinen zum Wohl befriedigender Ergebnisse zu versöhnen?

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