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Was Bienen und Blumen uns über VWL lehren

Claudius G. Artikelbild Stipendiat des Monats Dezember 2014 (Quelle: e-fellows.net)

Quelle: e-fellows.net

VWL ist spröde, abstrakt und einseitig? Gegen diese Auffassung kämpft e-fellow Claudius, der sich neben seiner Promotion für alternative Lehransätze in der Volkswirtschaftslehre einsetzt.

Warum studiert man eigentlich VWL? Die einen möchten ihr mathematisches Können anwenden, die anderen suchen einen sicheren Job – Claudius‘ hat sich jedoch für diesen Studiengang entschieden, weil er sich für wirtschaftliche und nachhaltige Entwicklung und soziale Gerechtigkeit interessiert. Geschärft wurde seine Aufmerksamkeit für Ungleichheiten durch sein freiwilliges soziales Jahr in Mexiko, wo er mit Straßenkindern zusammengearbeitet hat: "Es ist beeindruckend und erschreckend zugleich, wie früh sich die Kinder dort alleine durchschlagen. Da merkt man, wie gut es einem hier geht."

Mit VWL über den Tellerrand blicken

Zurück in Deutschland war Claudius klar, dass er sich weiterhin für eine gerechtere Welt einsetzen will – so schrieb er sich in Erfurt für den Studiengang Staatswissenschaften mit Schwerpunkt VWL ein: "Meiner Meinung nach ist es essenziell, das wirtschaftliche System eines Landes oder einer Region zu kennen, um etwas nachhaltig verändern zu können. VWL hilft, über den Tellerrand hinauszublicken." Und wie kann gerade VWL helfen, den Horizont zu erweitern? Claudius erzählt, dass in der VWL oft nur eine Lehre vermittelt wird – dabei gibt es viel mehr Ansätze, die an den Unis oft gar nicht erst vorgestellt werden. Deswegen hat Claudius an der Uni Erfurt zusammen mit Kommilitonen die Hochschulgruppe "Impuls." gegründet, die sich für alternative Lehrperspektiven in der VWL einsetzt. Die Hochschulgruppe hat unter anderem zusammen mit der Stadt Erfurt eine VWL-Ringvorlesung organisiert, hat zwei Mal die Hochschultage Ökosoziale Marktwirtschaft ausgerichtet und gemeinsam mit Doktoranden Lehrveranstaltungen angeboten.

Vom Bachelor gleich zur Promotion

Weil Claudius sich so intensiv für die Perspektivenvielfalt in der VWL eingesetzt hat, fiel er einem seiner Professoren auf – und dieser schlug vor, dass Claudius doch den Master überspringen und direkt nach seinem Bachelor promovieren sollte. Deswegen macht Claudius heute seinen Doktor an der Uni Bremen, betreut als wissenschaftlicher Mitarbeiter Vorlesungen und durfte schon an einem Lehrbuch für alternative Lehre in der VWL mitarbeiten – und das nach nur drei Jahren Studium: "Manchmal denke ich, es wäre schön gewesen, noch den Master im Ausland zu machen – aber ich bin total zufrieden, denn als Promotionsstudent habe ich viel mehr Freiheiten. Dass der Bachelor teilweise so unflexibel war, hat mich gestört", sagt Claudius.

Von den Bienen und den Blumen

Neben seiner Promotion, in der er entwicklungsökonomische Fragen mit Methoden der  Komplexitätsökonomik  erforscht, will Claudius sich weiterhin an der breiteren Gestaltung der Volkswirtschaftslehre beteiligen: "Um das Fach in seiner Ganzheit zu begreifen, müssen mehr Perspektiven in der Lehre geboten werden. Dafür ist es wichtig, sich auszutauschen und Methodenvielfalt zuzulassen." Deswegen hat Claudius zum Beispiel letzten Sommer an der Complex Systems Summer School des Santa Fe Instituts in Neu Mexiko teilgenommen. In der Summer School arbeiten Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen zusammen an interdisziplinären Lösungen für aktuelle Probleme. Dazu gehört zum Beispiel Maßnahmen zu erarbeiten, wie ein Bewässerungssystem in Kamerun nachhaltiger genutzt werden kann – aber auch, zu verstehen, welche ökonomischen Mechanismen sich beim Beobachten von Bienen beim Bestäuben von Blumen erschließen. Indem wir über den Tellerrand blicken, können wir noch eine ganze Menge über Wirtschaft und Wirtschaftlichkeit lernen.

e-fellow Claudius über sich

Ich bin e-fellow, weil...

... mir ein anderer e-fellow vom Netzwerk erzählt hat und ich am Anfang einfach mal neugierig war. Seitdem greife ich fast schon selbstverständlich auf e-fellows.net zurück und habe bei den Events viel Neues erlebt und gelernt.

Ich studiere mein Fach, weil...

... es mir in fast allen Situationen hilft, die bestehende Lage besser zu verstehen und Veränderungen herbeizuführen.

Experte bin ich...

... für interdisziplinäres Arbeiten und dafür, Probleme mit vielen verschiedenen Interessen zu verstehen und zu lösen. Außerdem arbeite ich daran, ein Experte für Komplexitätsökonomik zu werden.

Gar nicht geeignet bin ich dafür...

... Zeit zwischen den Menschen, die mir am Herzen liegen, angemessen zu verteilen.

Meine Buchempfehlung für die e-fellows...

Mein größter Traum ist es,...

... regelmäßig dazu beizutragen, dass es mehr Menschen auf der Welt gibt, die so gute Perspektiven haben wie die meisten, die das hier gerade lesen. Das klingt natürlich sehr idealistisch, aber für mich ist es eben ein sehr schönes Gefühl, nach einem Projekt guten Gewissens auf das Getane zurück zu blicken und neue Dinge anzugehen. Wenn ich das später bei meiner Arbeit regelmäßig machen könnte, wäre das eine tolle Sache.

In zehn Jahren...

... bin ich hoffentlich gesund und glücklich, dort gelandet zu sein, wo ich mit meinen Ideen und meiner Arbeit sinnvolle Projekte unterstützen kann. Ich bin aber selbst sehr gespannt, weil es mir im Moment unmöglich (und noch nicht sinnvoll) erscheint, in solchen Horizonten zu planen.

Bei e-fellows.net gefällt mir besonders...

... das tolle Informationsnetzwerk und die vielen Anregungen, die ich hier bekomme. Insbesondere aus Bereichen, mit denen ich mich vorher noch nicht auseinandergesetzt habe.

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