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Sprachen lernen ohne Lehrbuch

e-fellow Christoph

e-fellow Christoph

Stipendiat des Monats Februar 2007

Christoph studiert im neunten Semester Chemie. Letzten Oktober wechselte er von der Uni Tübingen an die University of Oxford. Die Abgabe der Diplomarbeit steht kurz bevor. Das Thema "Molecular Mechanism of Oxygen Sensing" wird Christoph bei seiner Doktorarbeit, die er unmittelbar anschließt, wieder aufgreifen. "Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, neue Methoden bei der Krebstherapie zu entwickeln", erklärt er. Es unterstützt ihn der Cecil Rhodes Trust – ein begehrtes Stipendium, das auch Bill Clinton einst erhielt. Das Bedürfnis anderen Menschen zu helfen ist bei Christoph, engagiertes Mitglied bei Amnesty International, sehr ausgeprägt.
 

Schulen für Guatemalas Kinder
 Bei einem Mittelamerika-Trip erfuhr Christoph von Schulprojekten des deutschen
 Entwicklungshilfevereins Esperanza e.V. im Hochland Guatemalas. Nicht verwunderlich, dass er sofort Pläne schmiedete, hier selbst Hand anzulegen. Im Sommer 2005, nach Abschluss seines Auslandsstudiums, war es soweit: Für fünf Wochen ging es zurück ins Reich der Mayas – in das 2.000-Seelen-Dorf Santa Maria El Tablon. Bei einem Entwicklungshilfeprogramm half er eine Schule für die Kinder der Indigenas, der direkten Nachfahren der Mayas, zu errichten.
 

Der Boden als Schlafgelegenheit
 "Eine besondere Erfahrung war das Leben mit einer Familie des Dorfes", erzählt Christoph. Eltern, acht Kinder, mindestens fünf Projektmitglieder und auch die Haustiere teilten sich gerade einmal drei Räume. Da es auch keine Dusche gab, war es schwierig, sich nach der harten Arbeit zu entspannen und zu erholen. "Geschlafen wurde auf dem Boden und die Kinder weinten nachts oft stundenlang, da sie wegen Würmern im Bauch nicht schlafen konnten", erinnert er sich.
 

Wissbegierige Guatemalteken-Kinder
 Der anstrengenden körperlichen Arbeit auf der Baustelle folgte die Gestaltung des Unterrichts für die Kinder. Die wichtigsten Fächer waren Erdkunde und natürlich Spanisch. Das Erlernen der offiziellen Amtssprache ist einer der bedeutendsten Faktoren im Kampf gegen Benachteiligungen von Minderheiten. Großes Augenmerk wurde darauf gelegt, den Indigena-Kindern den Wert der eigenen Kultur und Tradition zu vermitteln. Christoph erklärt: "Sonst könnte der Wunsch nach Abwanderung in die Städte oder ins Ausland entstehen." Vor allem die Lernbereitschaft und die Auffassungsgabe der kleinen Guatemalteken haben Christoph beeindruckt. "Die Kinder saßen jeden Tag mit großer Begeisterung und leuchtenden Augen im Unterricht. Wir mussten viel über unsere Heimat Deutschland erzählen."
 

Ohne Lehrbuch
 Ein große Herausforderung hatte sich Christoph schon ein dreiviertel Jahr vor dem Projekt selbst gestellt: Das autodidaktische Erlernen der indigenen Maya-Sprache Cakchiquel. Da diese Sprache nur mündlich weiter gegeben wird, existiert keine Schrift. Und natürlich gibt es keine Lehrbücher. Weltweit sind nur drei Schriften in Cakchiquel verfügbar – sogenannte Transliterationen, also aussprachebasierte Darstellungen. Kein leichtes Vorhaben also – aber Christoph hatte Glück: Die gut sortierte Bodleian Library der University of Oxford konnte ihm eines der Exemplare der "Annalen der Cakchiquel" zur Verfügung stellen.
 

Eigenes Wörterbuch angefertigt
 Durch Vergleich der Schrift mit der spanischen Übersetzung erkannte er, dass sich im Text gewisse Wörter und sogar ganze Sätze permanent wiederholten. "So konnte ich mir nach und nach mein eigenes Wörterbuch erstellen. Erst viel später erkannte ich die ersten Satzbau- und Grammatikregeln", erläutert er das anspruchsvolle Unterfangen. Doch die Mühe hat sich gelohnt: "Die Dorfbewohner waren sehr erstaunt, dass jemand so viele Wörter ihrer Sprache kennt" sagt Christoph. "Das hatte es zuvor noch nicht gegeben. Die Gesichter der Dorfbewohner haben gestrahlt." Bescheiden fügt er hinzu: "Natürlich haperte es an meiner Aussprache. Aber da ich Interesse an der Kultur der Cakchiquel gezeigt habe, hatte ich ein viel engeres Verhältnis zu den Dorfbewohnern."
 

6000er-Erstbesteigung in Mittelasien
 Fit für seine Projekte hält sich Christoph mit dem Kajak oder beim Rudern. In dieser Sportart war er im Jahr 2004 deutscher Hochschulmeister. In letzter Zeit trifft man ihn auch häufig im Klettergarten. Denn es stehen große Projekte an: Christoph will mit zusammen mit Freunden eine Expedition nach Kirgisistan unternehmen. Hinauf ins mittelasiatische Tienschan-Gebirge in die großteils unerkundete Borkoldoy Area wird es gehen. Dort ist - wenn das Wetter mitspielt - die Erstbesteigung zweier 6000er geplant.

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