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Mit dem eigenen Auto zum Sieg in Silverstone

Julian fährt Autorennen (© Benjamin Hildebrandt)

© Benjamin Hildebrandt

Als kleiner Junge spielte Julian stundenlang mit seinen Autos und träumte davon, selbst eins zu bauen. Als Jugendlicher spielte er Formel-1-Simulationen und träumte davon, ein Rennen hautnah mitzuerleben. Heute hat er sich beide Träume erfüllt: Julian ist 'Chief Technical Officer' beim Akademischen Motorsportverein Zürich (AMZ). Zusammen mit seinen Kommilitonen baut er dort Rennwagen, die in Wettbewerben gegen die Fahrzeuge anderer Studententeams antreten.

Julian erinnert sich noch gut an das erste Rennen, das er vom Straßenrand aus miterlebt hat. "Schon damals habe ich mir gedacht: Das will ich später auch mal machen!", sagt er. Seine ersten Ausflüge in die Welt des Motorsports führten ihn ins Internet: Julian spielte Formel 1-Simulationen am Computer und gründete mit zwei Freunden ein professionelles SimRacing-Team.

Nach dem Abitur entschied er sich für ein Maschinenbau-Studium, um sein Interesse für Technik auszuleben und sein Hobby zum Beruf zu machen. "Mit meiner Studienwahl bin ich das schwarze Schaf in der Familie", scherzt er. "Mein Vater ist Arzt, meine Mutter Krankenschwester und meine Schwester studiert Medizin." Tatsächlich war es aber Julians Vater, der ihm die Faszination für Autos vererbt hat: Anstelle von Kinderbüchern hatte er seinem Sohn früher Auto-Magazine vorgelesen.

Studieren an der Schweizer Top-Uni

Für sein Studium zog Julian in die Schweiz. "Klar hätte ich Maschinenbau auch in Stuttgart studieren können, aber ich wollte gerne weg von zuhause", sagt er. Dass die ETH in Zürich in Rankings zu den besten Hochschulen in Europa gezählt wird, war für ihn zwar nicht das ausschlaggebende Argument, gut findet er es trotzdem - vor allem wegen der kleinen Kurse.

Gehalten hat das Studium allerdings nur zum Teil, was Julian sich versprochen hatte: "In den ersten zwei Jahren ist Maschinenbau nur Mathe - und selbst im Master hat man nur begrenzte Möglichkeiten, sich zu spezialisieren." Rückblickend bereut Julian seine Studienwahl trotzdem nicht: "Ich weiß, dass ich mit meinem Studium später mal etwas anfangen kann."

Einen eigenen Rennwagen bauen

An der ETH bekam Julian endlich die Gelegenheit, seinen Kindheitstraum zu verwirklichen: im Akademischen Motorsportverein (AMZ), einer von Studenten gegründeten Initiative, die sich mit einem eigenen Team an "Formula Student"-Wettbewerben beteiligt. In diesen Turnieren treffen sich Studenten aus der ganzen Welt, messen ihre selbstgebauten Rennwägen miteinander und lassen sie von Fachleuten aus der Branche beurteilen. Das Besondere daran: Am Ende gewinnt nicht das Team mit dem schnellsten Auto, sondern das mit dem besten Gesamtpaket aus Technik, Business-Plan, Renn-Performance und Verkaufsargumenten.

Weil Julian als Studienanfänger noch kein Fachwissen hatte, unterstützte er das Team des AMZ zwei Jahre lang als Hilfsarbeiter. Ab dem fünften Semester gehörte er dann zum Kernteam, das sich um die tatsächliche Konstruktion des Wagens kümmerte. Vier Monate lang zeichneten Julian und seine Kommilitonen Pläne und feilten an ihren Ideen, bevor der neue Rennwagen endlich gebaut werden konnte. Unter Julians Regie bekam er zum ersten Mal das Aussehen eines geschrumpften Formel 1-Wagens mit Spoiler und Unterboden. Hat er etwa eine Schwäche für schickes Design? Das verneint Julian vehement: "Wir haben das in einem Simulationsprogramm ausprobiert und dabei erkannt, dass eine solche Konstruktion einen klaren Vorteil bringt."

Zur Krönung ein Sieg

In seinem vierten Jahr beim AMZ übernahm Julian als "Chief Technical Officer" schließlich die Projektleitung für die gesamte technische Entwicklung. Und feierte mit seinem Team einen großen Erfolg: Beim "Formula Student"-Rennen in Silverstone im Juli 2013 fuhr das Elektroauto des AMZ auf den ersten Platz. "Das war schon ein historischer Moment", sagt er stolz. "Zum ersten Mal hat ein Elektroauto einen Verbrennungsmotor geschlagen."

Weil im nächsten Studienjahr Praktikum und Master-Arbeit anstehen, muss Julian sein Engagement gezwungenermaßen zurückschrauben. Dafür hat er jetzt die Chance, als Praktikant bei einem Automobilhersteller herauszufinden, ob das Konstruieren von Rennwagen ihm auch in der echten Welt gefällt. "Die Projektarbeit beim AMZ ist natürlich immer eine besondere Situation, ein bisschen losgelöst vom Alltag. Jetzt will ich wissen, ob das ein Beruf für mich wäre." Und vielleicht fährt ja schon bald in der Formel 1, der DTM oder bei Le Mans ein Wagen nach Julians Konstruktionsplänen.

e-fellow Julian über sich

Ich bin e-fellow, weil...

... die e-fellows.net community süchtig macht.

Ich studieren mein Fach, weil...

... ich schon immer Autos bauen wollte. Zumindest habe ich deswegen angefangen, Maschinenbau zu studieren. Dabei geblieben bin ich dann, weil es mich fasziniert, mit gutem Hintergrundwissen viele unterschiedliche Probleme lösen zu können.

Experte bin ich...

... in nutzlosem Wissen, vor allem was Sport anbelangt.

Gar nicht geeignet bin ich für...

... Kunstausstellungen, Fernsehabende (da muss ich immer was nebenher machen) und Volksfeste.

Meine Buchempfehlung für die e-fellows...

Ich kann, glaube ich, nur Bücher über Aerodynamik oder Rennwagentechnik mit gutem Wissen weiterempfehlen. Da das wohl nicht groß weiter hilft und "Eine kurze Geschichte der Zeit" zu nerdig ist, empfehle ich "Ein perfekter Freund" von Martin Suter.

Mein größter Traum ist es,...

... Gute Frage... Bis vor kurzem war es mein Traum mal ein großes Rennen bei der Formula Student zu gewinnen. Nachdem das nun erledigt ist, müsste ich lange überlegen. Die Panamericana abfahren ist sicherlich noch ein Ziel, als größten Traum kann ich es aber schlecht einstufen.

In zehn Jahren...

... puh.. keine Ahnung. Ich könnte wahrscheinlich nicht einmal die Frage nach dem nächsten Jahr beantworten. Nach dem Praktikum im Herbst werde ich wohl hoffentlich sagen können, ob ich in die Industrie möchte oder doch noch ein paar Jahre an der Uni bleibe.

Bei e-fellows.net gefällt mir besonders...

... dass man sich in der Community über quasi alle Themen austauschen kann und oft recht amüsante Diskussionen entstehen.

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