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Mit Campingkocher in den Hörsaal

Quelle: E-fellows
Stipendiat des Monats August 2011 Celia 174x100

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Die Paragraphen lernt Stipendiatin des Monats August Celia im Matsch, nur das BGB verschwindet ab und zu zwischen all den Wäschehaufen. Eigentlich hat sie ja Sozialpädagogik studiert. Für ihr Jurastudium haust sie allerdings auch schon mal ein paar Wochen auf einem Campingplatz in der französischen Schweiz - ohne ein Wort Französisch zu sprechen.

Eine Studentin - drei Studiengänge

Fragt man Celia nach ihrem Studiengang, muss sie weiter ausholen. "Momentan studiere ich Jura in Frankfurt. Nebenbei mache ich meinen Master in Soziologie und davor habe ich Sozialpädagogik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg studiert." Wie bitte? Wie bringt man drei Studiengänge als normaler Student ohne Zauberkräfte oder Mogelei unter einen Hut? Für Celia anscheinend kein Problem.

Die 20-jährige Lehrerin

"Ich habe mit dem dualen Studium in Sozialpädagogik nach dem Abi angefangen und war im Praxisteil Schulsozialarbeiterin." Sie wird an einem Schulkomplex mit Grund-, Förder-, Haupt- und Werkrealschule eingesetzt. "Das war eine ziemliche Einzelkämpferstelle, auf der es keine 20 Kollegen gibt, die dir zur Seite stehen. Schon nach der ersten Woche hieß es "Mach mal", und ich musste Unterricht vor Jugendlichen halten, die teilweise gerade mal drei Jahre jünger waren." Aber Celia nimmt Bleistift und Kreide in die Hand. Einmal pro Woche unterrichtet sie Schüler aller Altersklassen im Fach "Sozialkompetenz".

"Erfolg und Intelligenz sind relativ"

Außerdem arbeitet sie mit Polizei oder Jugendamt, führt Einzelgespräche mit den Eltern und betreut verhaltensauffällige Schüler. Dabei verändert sie nicht nur die Einstellung der Schüler, sondern vor allem ihre eigene. "Bei meiner Arbeit habe ich so viele Biografien kennengelernt und irgendwann verstanden: Ich kann mir kein Werturteil erlauben. Denn ich kann nicht mit Sicherheit sagen, dass ich mich anders verhalten hätte, wäre ich in dieser Situation gewesen." Celia wird klar, wie viel Glück sie hatte. "Erfolg und Intelligenz sind relativ. Wäre ich in ähnlichen Verhältnissen aufgewachsen - vielleicht wäre ich heute auf der Hauptschule."

Spiel mir das Lied vom Teamgeist

Celia will mehr, als nur reden. Sie will mit den Schülern etwas schaffen. "Ich beschloss, mit ihnen eine Band zu gründen." Rund 20 Schüler von Förder- bis Werkrealschule aus allen Stufen trommelt sie für das Projekt zusammen. "Es war unglaublich zu sehen, wie viel Energie und Selbstdisziplin diese Kinder haben, wenn ihnen etwas am Herzen liegt." Höhepunkt ist die Aufführung an Weihnachten – mit eigenem Stil: "Die Kids haben beschlossen, sich für das Konzert richtig schick zu machen. Am Tag der Aufführung standen dann alle in viel zu großen Anzügen von ihren Onkeln oder in Kostümen von den Müttern da. Vor der Aufführung hielten sie sich an den Händen und ein Siebtklässler betete mit allen, egal ob Muslime, Christen oder Juden, das "Vater Unser" auf Italienisch. Das waren die Augenblicke, in denen sich Überstunden und die Mühe auszahlten."

Ein Jurastudium noch obendrauf

Die Arbeit als Schulsozialarbeiterin macht Celia viel Spaß, doch sie sieht auch die Schattenseiten. "Überall gab es Beschränkungen und Systemzwänge." Sie beschließt, mehr zu bewegen. "Mit Jura konnte ich eine größere Wirkung entfalten, damit kommt man überall hin." Gesagt, studiert. Gab es für sie nicht den Zeitdruck, schnell fertig zu werden? Mit 22 in ein mindestens vierjähriges Studium starten? Ist das bei der hohen Durchfallquote nicht zu riskant? Celia hat da ihre ganz eigene Devise: "Ich halte nichts davon, seinen Lebenslauf den vermeintlichen Bedürfnissen der Arbeitswelt unterzuordnen. Viele schlittern in ihren Studiengang rein und hadern später mit ihrem Job. Aber die Studienzeit ist die Zeit, in der man ausprobieren darf und es auch sollte. Lieber studiere ich länger und sammle Erfahrungen, entwickle Rückgrat und Toleranz."

Querbeet statt Geradeaus

Und sie würde es jederzeit wieder so machen. "Mehr Leute sollten den Mut haben, ihren eigenen Weg zu gehen." Den Master in Soziologie macht sie nebenher. "Somit entwickelt sich eine gute Distanz zum eigenen Fach und man weiß, wovon man redet." Wo sie später einmal hin will, ist noch nicht sicher. "Einfach auf mein Bauchgefühl hören und vertrauen." Gearbeitet hat sie schon Querbeet - am Forschungsinstitut, am Lehrstuhl, momentan in einer Anwaltskanzlei und danach will sie zu einer Zeitung. "Überall reinschnuppern und herausfinden, was mich noch alles interessieren könnte."

Ausland auch ohne Erasmus

Akribisches Planen gehört wirklich nicht zu ihren Vorlieben. Einen Teil ihres Jura-Studiums verbrachte sie im Ausland. "Ich wollte unbedingt ins Ausland. Die Fristen für Erasmus und Co. waren natürlich schon vorbei." Aber egal, spontan beschließt sie, für ein Jahr nach Lausanne in die französische Schweiz zu gehen. "Lausanne ist neben Genf die einzige ausländische Uni, an der man einen der großen Scheine erwerben kann, die man für das deutsche Staatsexamen braucht."

Zu dritt im Ein-Mann-Zelt

Eine Unterkunft braucht man dazu allerdings auch. "Wegen irgendeiner Veranstaltung war bei meiner Ankunft alles ausgebucht. Aus dem Wohnheimszimmer eines Kommilitonen wurde ich vom Hausmeister verjagt." Kurzum kauft Celia sich ein Zelt und zieht auf den Campingplatz. Später kommen noch zwei gestrandete Erasmus-Studenten nach, die sich im selben Zelt einquartieren. Mehrere Wochen haust Celia zwischen Rucksäcken und Zeltstangen. "Für meine Arbeit am Forschungsinstitut musste ich Interviews auswerten. Dazu saß ich dann in der Dusche auf dem Boden, weil es nur da passende Steckdosen gab." Chaos und das Wühlen nach T-shirts und Unterlagen gehört zum Alltag. "Dafür konnte ich morgens am Genfer See zur Uni laufen." Französisch kann sie zu Beginn überhaupt nicht. Durchgeschlagen hat sie sich trotzdem.

"Morgen ist ein anderer Tag"

Ansonsten schlägt Celias Herz neben Musik für Italien. "Ich mag einfach die Einstellung der Italiener zum Leben - nach dem Motto: "Domani è un altro giorno" - "Morgen ist ein anderer Tag." Deshalb will sie auch irgendwann in Rom arbeiten. So viel steht schon mal fest. Ansonsten ist noch alles offen. Vielleicht wird sie Juristin, Sozialarbeiterin, Soziologin oder doch Café-Besitzerin in Rom? "Man merkt, ich bin noch auf Entdeckungsreise …"

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