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Schluss mit den Cambridge-Legenden

Das King's College in Cambridge (Quelle: freeimages.com, happypad)

Quelle: freeimages.com, happypad

Friedensorganisation, Spendenorganisation, Amnesty International, SPD-International und mit Gregor Gysi in der U-Bahn – klingt schillernd. Ist es auch. e-fellows.net-Stipendiat Thomas ist in Cambridge gelandet. Dort schimpft er auf ineffiziente Hilfen und entlarvt die Legenden der Universität.

So frei wie nach dem Abitur war Thomas seit dem Kindergarten nicht mehr. Die Zeit nach der Schule ist die Zeit vor dem Studium. Es gilt zu entscheiden, was man werden möchte. Und die Wenigsten haben eine feste Vorstellung. Manche wollen Arzt werden, manche Anwalt. Die Meisten haben keinen Plan. 

Mit Freiheit kommt Verantwortung

"Eine Auszeit hilft", findet Thomas, und er hat eine genommen – in Utrecht, Niederlande. Ihm gaben Unterschriftenaktionen für Amnesty International einen Impuls: Freiwilliges Soziales Jahr bei Hollands größter Friedensorganisation. Das bedeutet: eigene Wohnung und geregelte Arbeitszeiten. Außerdem ein Jahr lang Aktivitäten zu verschiedenen politischen Themen, wie die Außenpolitik der Niederlande, Islam und Geert Wilders oder auch die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte in Indonesien. Als "Mädchen für alles" konnte Thomas in alle Abteilungen eintauchen. Lebensnah und damit Entscheidungs-befördernd: Was interessiert mich wirklich? Was will ich später werden? 

Geschichte, Legende, Historie

Kurz ist er dem Wahlfach fremdgegangen: In der 13. Klasse hat er ein Schülerstudium in Mathematik parallel zur Schule gemacht. "Interessant. Aber Geschichte war immer die Nummer eins." 

Von Utrecht nach Cambridge

Aus Utrecht bewirbt er sich für Cambridge. "Die Universität ist von Legenden umwoben: Die Aufnahme ist nicht unmöglich, das Bewerbungsverfahren nicht schrecklich, und das College nicht unbezahlbar." Thomas wurde anstandslos aufgenommen. Schrecklich an der Bewerbung ist höchstens, dass man etwa ein Jahr einplanen muss. "Der Rest macht Spaß. Du schreibst zwei Essays und reist nach England zum Gespräch mit interessierten Dozenten, die deine Texte gelesen haben." Thomas hatte mit einem Freund die Historie seines Heimatdorfs zerpflückt: Die NS-Vergangenheit von Buchholz; Archive, Interviews mit Zeitzeugen - sie haben keinen Aufwand gescheut.

Nutzen der Netzwerke

An der Uni lernt man automatisch Leute kennen; im Praktikum in einer neuen Stadt weniger. Die e-fellows.net community und die Utrechter Studentengruppe von Amnesty International haben beim Aufbau neuer Netzwerke geholfen." 

Gegen scheinheilige Altruisten und Verschwendung 

In Cambridge setzt Thomas neue Schwerpunkte: "Giving What We Can" (GWWC) zum Beispiel. Eine ehrenamtliche Organisation, die Empfehlungen für Spenden gibt. Die Mitglieder treten wenigstens zehn Prozent ihres Einkommens an Hilfsorganisationen ab. Die Idee stammt von einem Philosophen aus Oxford: Zehn Prozent seines Einkommens kann eigentlich jeder im Westen geben, ohne unglücklich zu sein. Und er würde damit Tausende Menschenleben retten. 

Vernünftig, wenn's drauf ankommt

Viele schalten aber im entscheidenden Moment den inneren Ökonomen ab. GWWC bewertet die Effizienz von Hilfsorganisationen. Schließlich ist es lebenswichtig, wie Spenden angelegt werden. Dafür nutzen sie die Indizes der WHO. Thomas ist erst der Gruppe in Oxford beigetreten, dann hat er eine eigene in Cambridge mitaufgebaut.

Deutsche Politik in England

Als Deutscher in Cambridge ist man eigentlich automatisch in der "German Society". Und Thomas ist aktives SPD-Mitglied. In der Summe bedeutet das: Viel deutsche Politik auf britischem Boden. 

Mit Gysi in der U-Bahn

Für die SPD organisierte er eine Podiumsdiskussion mit sozialdemokratischen Politikern aus drei Ländern. Für die German Society darf es auch mal eine andere Partei sein: "Zum Reizthema Eurokrise schaute dann Gregor Gysi vorbei."  Die German Society ist für deutsche Besucher in Cambridge verantwortlich. Wer kann schon behaupten, mit Gregor Gysi in der U-Bahn gesessen zu haben? Irgendwie musste der Politiker schließlich vom Flughafen zur Uni gebracht werden. 

Und wie geht's weiter?

Thomas will trotzdem zurück nach Deutschland. Er wollte einen alternativen Blick auf Geschichte bekommen, und die britische Kultur kennenlernen. "Die problemorientierte deutsche Herangehensweise an Geschichte finde ich für meinen Master geeigneter."

e-fellow Thomas über sich

Ich bin e-fellow, weil ...

... ich den Zugang bei der Abitur-Zeugnisvergabe erhalten habe und mir der Austausch in der Community viel Spaß macht.

Ich studiere Geschichte, weil ...

... man sich in alle Bereiche des menschlichen Daseins vertiefen kann, die einen interessieren und jeden Tag etwas dazulernt.

Experte bin ich für ...

... gesellige Abende, Skatrunden und hoffentlich irgendwann europäische Zeitgeschichte.

Gar nicht geeignet bin ich für ...

... Langeweile und Shoppen.

Meine Buchempfehlung für die e-fellows ...

... " Red Plenty" von Francis Spufford, " Comics & Stories" aus den 1950er Jahren in den Übersetzungen von Erika Fuchs und " Iron Kingdom" von Christopher Clark.

Mein größter Traum ist es, ... 

... täglich über den Rasen meines Colleges gehen zu dürfen, und eine eigene Fernsehsendung zu Zeitgeschichte zu moderieren. "Haus am See" von Peter Fox trifft's ganz gut.

In zehn Jahren bin ich ...

... hoffentlich immer noch von Politik, Geschichte und lieben Menschen umgeben.

Bei e-fellows.net gefallen mir besonders ...

... die Diskussionen in der Community. Und auch die Stammtische, die in meinem Jahr in den Niederlanden zu sehr netten Treffen geführt haben.

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