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"Bring bitte Safran mit!"

Rednerin Johanna Schubert, e-fellows.net-Stipendiatin des Monats Juni 2009(Quelle: e-fellows.net)

Rednerin Johanna Schubert, e-fellows.net-Stipendiatin des Monats Juni 2009(Quelle: e-fellows.net)

Sommer 2006: Robert "The Dentist" steuert seine kleine Piper durch den blauen Himmel über Wales. Der Zahnarzt will seiner Gasttochter, e-fellow Johanna, noch einmal das Land zeigen, in dem sie die letzten Monate verbracht hat. Die Stipendiatin der Rotary Foundation hat gerade ihr Semester an der Universität in Bangor beendet und wird in ein paar Wochen zurück nach München gehen, um dort ihr Diplom in klinischer Psychologie abzuschließen. Plötzlich legt Robert die Steuerung auf ihren Platz und nimmt die Hände vom Ruder: "Jetzt bist du dran." Johanna ist noch nie geflogen. Aber sie ist ein Mensch, dem man so ziemlich alles zutraut.
 

Helfen statt Träumen

 Dass dieses Vertrauen gerechtfertigt ist, bewies sie bereits als Babysitterin zu Schulzeiten. Damals wuchs in ihr der Wunsch, sich für hilfsbedürftige Menschen stark zu machen. Nach dem Abitur begann Johanna ein Praktikum in der Kinder- und Jugendpsychiatrie - kein Ort für Träumerinnen. Mit viel Engagement half sie bei der Pflege der jungen Patienten. Trotzdem, nein gerade weil es in der Arbeit mit psychisch Kranken um mehr als Babysitten geht, begann sie ein Psychologie-Studium an der LMU in München. Zwei Jahre später hatte sie ihr Vordiplom in der Tasche und suchte eine neue Herausforderung. Sie bewarb sich auf ein Botschafter-Stipendium der Rotary Foundation.
 

Auf Gandhis Spuren

 Die folgende Zeit in Wales wurde für Johanna zum Schlüsselerlebnis. Die vielen neuen Eindrücke und Gespräche und die Freundlichkeit ihrer Gastfamilien, ihrer "Zweiteltern", weckten in ihr den Wunsch, sich ehrenamtlich zu engagieren: Fundraising für bedürftige Familien, Betreuung autistischer Kinder, Denkmalpflege, Sucht- und Gewaltprävention - Johanna stürzte sich in die Arbeit. Ganz nach ihrem Lieblingssatz von Gandhi: "You must be the change you want to see in the world."
 

Die Präsidentin

 Heute ist sie die Präsidentin der Rotary Foundation Alumni Deutschland und zuständig für die Koordination der Vereinsaktivitäten, zu denen auch verschiedene Sozialprojekte gehören. Außerdem betreut sie die neuen Stipendiaten der Organisation. In ihrer Funktion bei Rotary hielt sie über 40 Vorträge zu Völkerverständigung und ehrenamtlichem Engagement vor Publikum in Wales, England und Deutschland. In München absolvierte sie eine Ausbildung zur interkulturellen Trainerin. Bei der SINIK-Munich vermittelt sie Studenten das Handwerkzeug, sich in fremden Gesellschaften zurechtzufinden.
 

"A fo ben, bid bont."

 Das Meyer-Camberg-Institut in München hat sich zur Aufgabe gesetzt, Soft Skills schon während des Studiums zu fördern. Deshalb startete es 2008 einen bundesweiten Wettbewerb für studentische Projekte, die sie dabei unterstützen können. Getreu dem walisischen Motto: "A fo ben, bid bont." ("Wenn du führen willst, sei eine Brücke.") entwarf Johanna gleich ein ganzes Institut: Das "Center für Karriere und Chancen", soll den Studenten wichtige Schlüsselqualifikationen vermitteln und könnte an jeder Uni installiert werden. Es wurde der Siegerbeitrag.
 

Daumen-Expertin

 Prokrastination - scheußliches Wort, erinnert so an Arbeit; bedeutet aber das Gegenteil: aufschieben. Johanna war eine Meisterin darin, zumindest beim Lernen für die Diplom-Prüfungen. Untätig war sie trotzdem nicht. Statt zu büffeln klickte sie sich regelmäßig durch die Community. So viel Fleiß wurde belohnt: Johanna belegte zeitweise den ersten Platz in der e-fellows.net Hall of Fame der letzten 30 Tage - und absolvierte ihr Diplom mit Eins.
 

Hilfe für die Helfer

 Zwar muss die Doktorarbeit noch ein wenig warten und möglicherweise auch einer Festanstellung in einer internationalen Organisation weichen, aber der Titel steht bereits: Traumaprävention für Katastrophenhelfer. Johanna ist überzeugt: Den Helfern muss ebenfalls geholfen werden. Wer freiwillig in ein Krisengebiet geht, um Menschen in Not zur Seite zu stehen, der ist oft ein besonders altruistischer Mensch. Beim Gedanken an das Wohl der anderen vergessen diese Leute manchmal, sich selbst zu schützen.
 

Mehr als graue Theorie

 Johanna will mehr als Theorien entwickeln. Deswegen hält es sie nicht lange im heimischen München. Gerade hat sie noch ein Stipendium des Mercator Kollegs für internationale Aufgaben bekommen und wird sich ein Jahr lang in internationalen Organisationen für Traumaprävention bei Katastrophenhelfern engagieren. Dafür fährt sie auch in Krisengebiete. Ihre Familie vertraut jedoch dem "Dickkopf mit Vernunft". Auf Johannas Ankündigung, sie plane eine Reise in den Libanon, bat ihre Mutter nur ruhig: "Bring bitte Safran mit!". Johanna ist eben ein Mensch, dem man fast alles zutraut.

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