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Zwischen Orient und Okzident

Stipendiat des Monats September 09 Marc Jordanien (Quelle: e-fellows.net)

Stipendiat des Monats September 09 Marc Jordanien (Quelle: e-fellows.net)

Seit zehn Jahren ist der Nahe Osten der rote Faden in Marcs Leben. 1999 nahm er als Schüler an einem Jugendaustausch mit Israel teil und war begeistert von der vielschichtigen israelischen Gesellschaft und der überall gegenwärtigen Ge-
 schichte. Als nach dem Abi der Zivildienst anstand, entschied sich Marc dafür, wieder in die Region zwischen Mittelmeer und Totem Meer zu gehen - aber diesmal hinter den Checkpoint, in die palästinensischen Gebiete.
 

Als Deutschlehrer in Bethlehem

 Über die Organisation "Soziale Friedensdienste im Ausland"
 (SoFiA) des Bistums Trier kam Marc 2001 ins Internationale Begegnungszentrum nach Bethlehem. Dort leitete er einen Deutschkurs für Erwachsene und bereitete eine Jugendfreizeit vor. Zusätzlich gab er in einer Schule Deutschunterricht und versuchte, mit den Schülern eine Schülervertretung aufzubauen. Als israelische Soldaten Bethlehem besetzten, wurde Marcs Arbeit schwieriger. "Wegen der Ausgangssperren und der Besatzung konnten wir vieles letztlich nicht umsetzen", sagt Marc. Und schließlich wurde die Lage in Bethlehem zu gefährlich und das Risiko für SoFiA zu groß. "Der Abbruch kam total überraschend: Ich hatte Bethlehem nur für drei Tage verlassen, um in Jerusalem Ostern zu feiern. Dann war eine Rückkehr nicht mehr möglich, weil die Armee den Checkpoint geschlossen hatte." Marc musste die Koffer packen und seinen Ersatzdienst in Damaskus fortsetzen.
 

Mit Malaria bei der Podiumsdiskussion

 Zurück in Deutschland begann er, in Marburg Politikwissen-
 schaft sowie Konflikt- und Friedensforschung zu studieren. In Deutschland hielt es ihn aber nicht lange: Nach einem Praktikum in Jordanien und einem Auslandsjahr in Frankreich verschlug es Marc 2006 nach Cotonou in Benin. Als Praktikant im Regionalbüro Westafrika der Konrad-Adenauer-Stiftung evaluierte er die politische Talkshow "Entre Nous", eine Sendung à la "Anne Will", die auch heikle Themen anspricht und in Benin sehr beliebt ist. Außerdem hielt er auf einem Seminar einen Vortrag. Aufregend war das vor allem, weil er am Tag zuvor Malaria bekommen hatte und mit Fieber auf dem Podium saß - neben sich den Wahlkampfleiter des beninischen Präsidenten. Bei seinen Reisen durchs Land erlebte Marc die skurrile Voodoo-Kultur und eine typisch afrikanische Begräbnisfeier: Ein Bekannter nahm ihn mit in sein Heimatdorf, wo gerade die Beerdigung seiner Oma "gefeiert" wurde - mit einer Riesenparty mit DJ und Tanz bis in den Morgen.
 

Feldforschung in Palästina

 Mit seiner Doktorarbeit ist Marc schließlich wieder in Palästina angekommen. "In meiner Promotion geht es um das demokratiepolitische Engagement der EU in den palästinensischen Autonomiegebieten", erklärt Marc. Deshalb reiste er im August 2009 nach Israel, um die palästinensischen Akteure und die westlichen Institutionen nach ihrer Meinung zu diesem EU-Projekt zu befragen. Unter anderem bekam er den Generalsekretär einer palästinensischen Partei ans Mikrofon. Was dabei herauskam? "Ich zögere noch. Die Reise war ein Pre-Test, das heißt, ich habe meinen Fragebogen im Feld erprobt, sodass die konkreten Aussagen noch nicht 'die' Relevanz haben. Aber es war natürlich toll, innerhalb einer so kurzen Zeit einflussreichen Größen der palästinensischen Gesellschaft zu begegnen." Mit Begeisterung stellte Marc auch fest, wie viel sich in Israel gerade politisch bewegt. Zu seiner Zeit in Bethlehem wäre es zum Beispiel undenkbar gewesen, dass eine Partei wie die Fatah dort einen Kongress organisiert.
 

Producer für die ARD

 Soweit es die Promotion ermöglicht, arbeitet Marc als freier Redaktionsassistent und Producer für die ARD. Dort unterstützt er den Chef vom Dienst im Studio oder recherchiert für die Redaktion. "Ich suche Menschen, für die Nachrichten mehr sind als nur eine Überschrift. Welche Auswirkungen hat zum Beispiel die Kindergelderhöhung auf eine Familie? Was bringt Mindestlohn in einer kleinen Wäscherei?", fragt Marc in seinen Beiträgen. Hat er einen Interviewpartner gefunden, fährt er hin und dreht einen Beitrag. Und auch die politischen Ereignisse in Berlin bekommt Marc hautnah mit: Bei der Bundespräsidentenwahl war er als Assistent des Außenteams dabei und fragte Bürger nach ihrer Meinung zu den laufenden Wahlgängen. Also Journalismus oder Entwicklungs-
 zusammenarbeit als Berufsziel? Das weiß Marc noch nicht: "Den politischen Teil der Entwicklungszusammenarbeit habe ich mit der Promotion schon ganz gut abgedeckt." Aber schließlich gibt es in Berlin noch viele Institutionen, Politikberatungen und Medien.

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