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Valentins Werkzeugkasten

e-fellow Valentin im Einsatz bei der königlichen Seenotrettungsgesellschaft

e-fellow Valentin im Einsatz bei der königlichen Seenotrettungsgesellschaft

Mit 19 Jahren stehen einem die Tore zur Welt offen - ein tolles Gefühl, das manchmal auch ein wenig Angst machen kann. Denn dass man mit 19 noch nicht weiß, wo die Reise "Leben" hingehen soll, ist verständlich. Dass man mit 19 schon Auslandserfahrung, einen gewonnenen Bundeswettbewerb, ein internationales Web-Projekt und ein Studium an einer Elite-Uni vorzuweisen hat und weiß, dass man am liebsten Anwalt für Menschenrechte werden möchte - das ist eher selten.
 

Das Mauerfall-Kind

 e-fellow Valentin ist so ein seltener Fall - und dabei kein bisschen abgehoben. Ist er schon mit einer fertigen Lebensplanung auf die Welt gekommen? Nicht wirklich. Die Anfänge beschreibt Valentin so: "Meine Eltern sind in der DDR aufgewachsen und waren zur Wendezeit im Widerstand aktiv. Ich selbst bin 1989 geboren und habe das alles nicht miterlebt, aber sie haben mir immer viel davon erzählt: Dass sie nicht studieren durften, was sie wollten und von anderen Reglementierungen. Ich denke, das hat mich schon früh für das Thema Gerechtigkeit sensibilisiert."
 

Friedlich Konflikte lösen

 Valentin benutzt das Wort "Werkzeugkasten", um zu erklären, wie er sich auf sein Berufsziel vorbereitet. Natürlich ist dabei nicht alles im Voraus geplant - einiges wollte Valentin einfach mal ausprobieren und besser kennenlernen. Politik zum Beispiel. Er machte ein Praktikum im Deutschen Bundestag und nahm beim Projekt "Jugend und Parlament" teil. Diskutieren lernte er so gut, dass er beim Bundeswettbewerb "Jugend debattiert" gewann. Was er dabei vor allem mitnahm: "Es ging darum, sich professionell und friedlich auseinanderzusetzen. Man nimmt beim Diskutieren im Wettbewerb verschiedene Positionen ein und muss sich natürlich auch auf die Argumentation seines Gegenübers vorbereiten. Dabei lernt man, dass der eigene Standpunkt nicht immer richtig ist."
 

Permanente Klassenfahrt

 In Valentins Werkzeugkasten findet man außerdem eine große Portion internationale Erfahrung. Sein Abi hat er am United World College of the Atlantic in Wales gemacht. Weltweit gibt es zwölf dieser Schulen, die Jugendliche aus allen Ländern zu mehr Toleranz und Verantwortung erziehen wollen. Neben dem üblichen Lehrplan steht gemeinsame soziale Arbeit im Mittelpunkt. Valentin engagierte sich bei Amnesty International: "Wir hatten viel damit zu tun, Petitionen zu schreiben. Wenn 100 Schülern bei stürmischem Wetter in der Bibliothek eines Schlosses an der walisischen Steilklippe sitzen und Stunden damit verbringen, Beschwerdebriefe zu schreiben - das hat schon was." Die Atmosphäre des Atlantic Colleges beschreibt er als sehr inspirierend: "Natürlich war das College irgendwie ein sehr idealistischer Ort - es war toll, wie viele Menschen dort zusammenkommen, die wirklich etwas bewegen wollen. Die Zeit dort war wie eine permanente Klassenfahrt."
 

Verantwortung lernen im kleinen Boot auf hoher See

 Außerdem war Valentin bei der königlichen Seenotrettungs- gesellschaft. Im ersten Jahr wurde er trainiert und machte den Motorboot-Führerschein. Später war er dann selbst Ausbilder und Kapitän eines Ausbildungsbootes: "Wenn die Sirene heulte, ließen wir, egal wo wir waren, alles stehen und liegen. Wir rannten zum Bootschuppen am Fuß des Kliffs und machten das Rettungsboot klar. Die Crew-Mitglieder, die als erste umgezogen waren, fuhren hinaus und meistens folgten weitere Instruktionen erst auf dem Wasser über Funk." Schon in der dritten Klasse hatte Valentin auf der Ostsee segeln gelernt, am Atlantic College verbrachte er dann fast jeden Nachmittag auf dem Wasser: "Das Wort Verantwortung bekommt auf einem kleinen Boot mitten im Meer eine ganz andere Bedeutung. Es war für mich eine neue Erfahrung, konkret für die körperliche Verfassung von sieben Schülern verantwortlich zu sein."
 

Die etwas andere Schülerzeitung

 Am Atlantic College begegnete Valentin faszinierenden Mitschülern mit eindrucksvollen Geschichten. Das begeisterte ihn, gleichzeitig fand er es aber auch schade, dass diese Erzählungen innerhalb der Schlossmauern blieben. Noch nicht einmal die anderen United World Colleges erfuhren davon. Valentin wollte diese Geschichten sammeln und damit seiner Idee der besseren Verständigung wieder einen Schritt näher kommen. Aus diesem Plan entstand das "United World College Student Magazine" - eine Art internationale Schülerzeitung, in der jeder Schüler der Colleges mitbloggen und von seinem Leben im Sudan oder in Gaza berichten kann. Valentin baute das Projekt auf und kam darüber sogar an ein Praktikum beim "Guardian".
 

Geschichtenerzähler für eine bessere Welt

 Die Medien sind auch so ein Feld, das Valentin unbedingt besser kennenlernen wollte. Er setzt große Hoffnungen auf die Medien als Mittel, zwischen Gegnern zu vermitteln, Verständnis zu schaffen und Druck auszuüben bei unhaltbaren Zuständen. Er ist überzeugt, dass viele Konflikte in der Welt gelöst werden könnten, wenn jeder die Chance bekäme, seine Geschichte zu erzählen. Eine Erfahrung, die er am Atlantic College gemacht hat: Wenn man dem anderen zuhört, lernt man, seine Hintergründe und damit seine Motivation zu verstehen. Wieder eine Fähigkeit mehr, die den Werkzeugkasten für das Wunsch-Berufsziel weiter vervollständigt.

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