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Erneuerbare Energien down under

Sidney, Skyline, Australien, Auslandspraktikum, Auslandssemster [Quelle: tempus corporate, Getty Images]

Quelle: tempus corporate, Getty Images

Die australische Landschaft unterscheidet sich bekanntermaßen von der bayerischen - das gilt auch für die Hochschullandschaft. e-fellow Jan Philip absolvierte das erste Semester seines Master-Studiums in Sydney. Dabei wurde er von manchen Eigenheiten des Unilebens überrascht - glücklicherweise meist positiv. So freute er sich zum Beispiel über klimatisierte Hörsäle und engagierte Dozenten.

Der ausgezeichnete Ruf der University of New South Wales (UNSW) im Forschungsgebiet erneuerbare Energien und Photovoltaik brachte mich auf die Idee, in Sydney zu studieren. Mein Aufenthalt bestätigte, dass das Lehrangebot in diesem Bereich wirklich sehr gut ist. Momentan werden auch zwei neue Gebäude dafür errichtet.

Semesterferien werden zurückerstattet

Ein Problem waren die verschobenen Semesterzeiten. Die Semester in Australien gehen von Anfang März bis Ende Juni beziehungsweise von Mitte Juli bis Mitte November – und überschneiden sich somit mit den deutschen Semesterzeiten und in meinem Fall auch den Prüfungszeiten. Glücklicherweise konnte ich trotzdem meinen Auslandsaufenthalt verwirklichen, ohne mein Studium unnötig zu verlängern. In meinem sechsten und letzten Bachelor-Semester schrieb ich ausschließlich meine Bachelor-Arbeit. Ich fing unmittelbar nach meinen Prüfungen des fünften Semesters mit der Arbeit an, um ausreichend Zeit für die Vorbereitung meiner Abschlussprüfung zu haben und reiste direkt im Anschluss ab. Die zwei "verlorenen" Semesterferien erhalte ich nun nach dem Abschluss meiner Prüfungen an der UNSW zurück. Diese werde ich zu einer Rundreise durch Australien und Neuseeland nutzen und dort die einzigartige Landschaft fotografieren. Die Ergebnisse werde ich auf www.jpk-foto.de zeigen.

Wohnen bei der Gastfamilie

Unterkunft bot mir eine Gastfamilie. Ich hatte bereits während mehrerer Sprachreisen bei Gastfamilien gelebt und dabei fast immer gute Erfahrungen gemacht. Meine Gastuniversität nannte mir den Anbieter www.australianfamilyhomestays.com.au, den ich durchaus weiterempfehlen kann. Alternativ findet man im Internet auch selbst viele Angebote. Ich musste zwar zwei Mal die Familie wechseln, was aber nicht die Schuld des Vermittlers war und schon vor dem Beginn des Studiums geschah. Wenn es Probleme gab, war immer ein Ansprechpartner verfügbar und im Nachhinein habe ich den Eindruck, dass die 220 Dollar Vermittlungsgebühr richtig investiert waren.

Wäsche waschen inklusive

Gekostet hat mich die Miete 250 Dollar die Woche. Dafür bekam ich ein 12 Quadratmeter großes Zimmer, alle Mahlzeiten außer Mittagessen an Werktagen, außerdem wurde meine Wäsche gewaschen. Beachtet man die extrem hohen Mietpreise in Sydney (250 Dollar pro Woche zahlt man durchaus auch für ein WG-Zimmer ohne Essen), war das ein sehr gutes Preis-/ Leistungsverhältnis. Zudem hatte ich gleich erste Kontakte zu den Kindern der Familie und konnte etwas über die australische Lebensweise lernen. Bei der Wohnungssuche sollte man auf jeden Fall seine Ansprüche zurückschrauben. Alles ist deutlich einfacher gebaut und es gibt keine fest installierten Heizungen. Für den Winter gibt es kleine elektrische Heizöfen, wobei die Temperaturen aber eher mit dem deutschen Frühling vergleichbar sind.

Bereits einen Monat vor Abreise schickte mir meine Universität ein ausführliches Infopaket. Bei meiner Ankunft wurde ich am Flughafen freundlich empfangen und zu meiner Gastfamilie gefahren. Ich reiste bereits zwei Wochen vor Vorlesungsbeginn an, um mich in Sydney und auf dem Campus orientieren zu können. Es gab auch eine Einführungsveranstaltung, diese war jedoch weniger ausführlich, da sie für das zweite Semester gedacht war.

Nur die Mensa fehlt

Ich hatte den Eindruck, dass die UNSW etwas besser ausgestattet ist als meine Heimatuniversität: Jeder Raum für Vorlesungen oder Tutorien war klimatisiert, zu verdunkeln und mit Beamer und PC ausgestattet. In der zentralen Bibliothek und über den Campus verteilt standen ausreichend Computer zur Verfügung. Leider gab es keine Mensa. Stattdessen gab es zahlreiche private Imbisse, bei denen man mit sieben bis zehn Dollar für ein Hauptgericht rechnen muss. Mit ein bisschen Suchen konnte ich jedoch einige Mikrowellen auf dem Campus ausfindig machen, sodass ich mit aufgewärmtem Essen Geld sparen konnte.

Den Dozenten beim Vornamen nennen

Ich wählte drei Vorlesungen und ein Praktikum. Die Vorlesungen waren zweistündig mit einem ein- oder zweistündigen Tutorium und unterschieden sich von der deutschen Variante: Es wurden ausschließlich Powerpoint-Präsentationen gehalten - ich erlebte nur ein Mal, dass etwas an die Tafel geschrieben wurde. Meistens waren die Folien gut strukturiert und übersichtlich. Das Tempo war angemessen und es gab genügend Gelegenheit für Zwischenfragen.

Die Atmosphäre war lockerer, da es im Englischen nur das "Du" gibt und es außerdem üblich ist, den Dozenten mit Vornamen anzusprechen. Diese waren übrigens immer Doktoren und nie Professoren. In Australien muss man nicht habilitiert sein, um dozieren zu dürfen. Der Qualität der Lehre hat das auf keinen Fall geschadet. Die Dozenten waren sehr engagiert und sind gerne auch außerhalb der Vorlesungen in Sprechstunden ausführlich auf Fragen und Probleme eingegangen. Ich würde jedem empfehlen, diese Sprechstunden zu nutzen.

Die Tutorien waren vergleichbar mit denen meiner Heimatuniversität: Die Arbeitsblätter waren am Anfang der Woche im Internet verfügbar, im Tutorium wurden die Aufgaben mithilfe des Tutors bearbeitet und die Lösungen in der darauffolgenden Woche online gestellt. Wie auch in Deutschland gilt, dass man die Aufgaben unbedingt machen sollte, um für Klausuren gut vorbereitet zu sein. Aufgabenblätter, Lösungen und Vorlesungsfolien erhielten wir über die Onlineplattform Blackboard. Darauf gab es auch ein Diskussionsforum für Fragen zur Vorlesung, das manche Dozenten mehr, manche weniger nutzten. Ich fand es sehr hilfreich, da doppelt gestellte Fragen vermieden wurden und man alles nachlesen konnte.

Lernen nicht nur in der Klausurphase

Ein großer Unterschied zu Deutschland ist, dass die finale Klausur nur 50 bis 70 Prozent der Endnote ausmacht. Der Rest ergibt sich aus Hausarbeiten und einer Klausur zur Semesterhalbzeit. Dadurch wird es umso wichtiger, sich von Anfang an mit dem Unterrichtsstoff auseinanderzusetzen statt nur in den letzten Wochen vor den Endklausuren. Dafür lernt es sich in diesen Wochen entspannter, weil diese Klausuren ja nicht die kompletten Noten bestimmen.

Highlight Laborpraktikum

Meine interessanteste Veranstaltung war ein Laborpraktikum mit dem Schwerpunkt Optoelektronik. In Gruppenarbeitet machten wir Versuche. Meine Gruppe war mit nur vier Teilenehmern angenehm klein und unser Betreuer besprach mit uns intensiv die Theorie hinter den Versuchen. Benotet wurden die Versuche durch eine 20-minütige mündliche Prüfung mit dem Laborleiter. Neben dem Theorieverständnis war auch ein vollständig geführtes Laborbuch wichtig. Abschließend kann ich sagen, dass ich in Australien sowohl fachlich als auch persönlich wichtige Erfahrungen gesammelt habe, die ich nach dem Studium wahrscheinlich nicht nachholen könnte.

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