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Jan-Willem Stipendiat des Monats Juli 2014 Verleihung e-fellows.net

Quelle: e-fellows.net

Zum WM-Gucken nach Brasilien? Das ist nichts für Jan. Sportarten passiv mitzuverfolgen, zählt nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen des Jurastudenten und Mitbegründer der studentischen Rechtsberatung Pro Bono Heidelberg e.V. In Porto Alegre jubelt er deshalb nicht der deutschen Nationalelf zu, sondern unterstützt WM-Besucher mit juristischem Rat.

Während seines Auslandssemesters an der Universidade Federal do Rio Grande do Sul (UFRGS) in Porto Alegre arbeitet Jan als Hiwi am Lehrstuhl für Internationales Privatrecht und Verbraucherschutz. Während der WM steht er mit seiner Professorin, einer der weltweit führenden Verbraucherschutzrechtlerinnen, und einigen Helfern der örtlichen Bevölkerung und ausländischen Besuchern bei Fragen zum Verbraucherschutz zur Seite.

Bereits an seinem dritten Arbeitstag wurde Jans kommunikatives Geschick auf die Probe gestellt und es hieß für ihn, trotz der hitzigen WM-Atmosphäre einen kühlen Kopf zu behalten: "Am Tag, als Südkorea gegen Algerien spielte, kam ein junges, brasilianisches Paar auf den Stand zu. Wir waren zu acht, außer mir alles Brasilianer. Links von mir stand der Leiter der größten Verbraucherschutzzentrale Südbrasiliens. Rechts von mir meine Professorin, an deren Lehrstuhl ich hier arbeite. Alles ausgewiesene Experten also. Das Paar kommt näher. Schaut in die Runde. Sieht die Professorin an, dann den Leiter, dann mich. Der Ehemann spricht natürlich ausgerechnet mich in einem schnellen, mit Fakten angereicherten Wortschwall an und will etwas über die übliche Frist bei Fernabsatzverträgen wissen. Zufällig hatte ich kurz vorher bei einem anderen Beratungsgespräch gelernt, dass diese in Brasilien sieben Tage beträgt. Das schien ihn zufriedenzustellen." Jan lacht. "Das Ganze fand ich schon lustig, aber es freute mich ungemein, dass man mich als derart kompetent einschätzte." Noch bis Mitte Juli wird er die Initiative begleiten, die es sich zum Ziel gemacht hat, den WM-Besuchern die juristische Kultur des Landes näherzubringen und auf gesellschaftliche Probleme während der Weltmeisterschaft hinzuweisen.

Keine Angst vorm Rechtssystem

Beratungskompetenz wird Jan nach seiner Rückkehr nach Deutschland auch wieder in seinem eigenen sozialen Start-up beweisen. Der Gedanke, andere mit juristischem Rat zu unterstützen, stand nämlich auch bei der Gründung von Pro Bono Heidelberg e.V. Pate. Die Idee, eine studentische Rechtsberatung zu gründen, hatten Jan und ein Freund nach ihrer Teilnahme am Freiwilligenkolleg der Robert-Bosch-Stiftung, das im Zeichen des sozialen Unternehmertums steht. Ihr Ziel: Erfahrung sammeln und Paragraphen mit Leben füllen. "Wir wollen etwas zurückgeben für die kostenlose Lehre und den Menschen klar machen, dass sie Rechte haben und diese auch einfordern sollten – schließlich ist das Rechtssystem für alle da."

Seit Frühjahr 2014 bearbeitet Pro Bono Heidelberg Anfragen von Mandanten jeglichen Alters und Herkunft. Mittlerweile engagieren sich rund 40 Studenten bei dem gemeinnützigen Verein – vom Erstsemester bis zum Doktoranden, viele davon sind ebenfalls e-fellows. Sie beraten ihre Mandanten unentgeltlich in Fragen zum Zivil- und Asylrecht – in dieser Kombination bisher einmalig in Deutschland. Letzteres fördert zudem die interkulturelle Kompetenz der Berater "Wir wollen Ansprechpartner für die sein, die juristischen Rat brauchen und sich eine Beratung von einem Anwalt nicht ohne weiteres leisten können."

Praxiserfahrung und Scheine sammeln

Aber nicht nur Hilfesuchende sollen profitieren. Jan selbst konnte beim Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot Court, dem  größten und wohl renommiertesten Wettbewerb auf dem Gebiet des internationalen Privatrechts, erste Praxiserfahrungen sammeln. In der 20-jährigen Geschichte des Moots war er der erste Student, dem es gelang, bereits im ersten Semester teilzunehmen - mit seinem Team rückte er schließlich bis in die Endrunde vor. Umso wichtiger ist es ihm, dass Pro Bono Heidelberg ebenfalls die Möglichkeit bietet, Studieninhalte praktisch anzuwenden. Deswegen werden die Studenten bei ihrer Arbeit von einem zwölfköpfigen Beirat aus Volljuristen unterstützt. Auch die Uni stärkt der Initiative den Rücken. So können Studenten ab dem Wintersemester 2014/15 bei Pro Bono Heidelberg einen Schein für Schlüsselqualifikationen erhalten, den sie bei der Zulassung zum Staatsexamen brauchen: "Das ist ein weiterer großer Erfolg für uns."

Keine Pause

Wenn Jan aus Brasilien zurückkehrt, wartet nicht nur seine Arbeit bei Pro Bono auf ihn, sondern auch sein neues Projekt "globalXplorers". Das ist aus der Zusammenarbeit mit anderen Stipendiaten hervorgegangen und soll Schüler dazu motivieren, ins Ausland zu gehen. Denn noch immer sind 95 Prozent der Jugendlichen, die sich für einen Freiwilligendienst im Ausland entscheiden, Abiturienten. Das wollen Jan und sein Team ändern: "Wir möchten auch Haupt- und Realschülern ermöglichen, Auslandserfahrung zu sammeln, ohne sich Sorgen um ihren Ausbildungsplatz machen zu müssen." Geplant ist ein Programm, das den künftigen Auszubildenden in Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern einen viermonatigen Auslandsaufenthalt zwischen Schulabschluss und Ausbildungsbeginn ermöglicht.

Motivation schöpfen die am Projekt beteiligten Studenten aus ihrer eigenen Erfahrung: Jeder von ihnen hat einen Freiwilligendienst absolviert – Jan war zum Beispiel für ein Jahr in Paraguay. Mittlerweile spricht er sechs Sprachen: "Die Sprachen und die damit verbundenen Kulturen machen einen großen Teil meiner Persönlichkeit aus. Diese Erfahrung und persönliche Entwicklung möchte ich auch anderen ermöglichen."

e-fellow Jan über sich

Ich bin e-fellow, weil...

…mich die Community mit vielen spannenden Menschen voller großer Ziele verbindet und Netzwerken neben Talent und harter Arbeit der Schlüssel zu langfristigem Erfolg ist.

Ich studiere mein Fach, weil...

…es mein Denken schärft, ich gesellschaftliche Fragen schon immer spannend fand und es, gute Noten vorausgesetzt, eine Tür zu unzähligen Berufsfeldern darstellt.

Experte bin ich...

…subjektiv für alles, objektiv vermutlich für nichts. Allerdings bilde ich mich aus Interesse regelmäßig in den Gebieten der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit sowie dem Datenschutzrecht weiter. Auch Sprachen und ihre regionalen Eigenheiten sowie Krafttraining finde ich sehr spannend und sauge auf, was ich kann.

Gar nicht geeignet bin ich für...

...unkreative Prozesse, die einem das kritische Denken abgewöhnen und in einen Automatismus lullen. 

Meine Buchempfehlung für die e-fellows...

…ist Paulo Coelhos "Der Alchimist", der mich schon unzählige Male inspirierte. Ein prägendes Erlebnis habe ich dereinst hier niedergeschrieben.

Mein größter Traum ist es,...

… in hohem Alter im Kreise einer großen Familie an einem warmen Ort zufrieden auf mein Leben zurückblicken und meine Lebenserfahrungen mit der nächsten Generation teilen zu dürfen.

In zehn Jahren...

…habe ich dann hoffentlich die "volle Kriegsbemalung" und kann mich in einem tollen Team von Kollegen mit den besten Juristen der Welt messen und für die Interessen meiner Mandanten einstehen, so wie wir es momentan bei Pro Bono Heidelberg tun – und am Ende natürlich gewinnen.

Bei e-fellows.net gefällt mir besonders...

…die geniale Community, deren geballtes Wissen schon unzählige Male meinen Horizont erweitert hat, weil so viele starke und doch ganz unterschiedliche Leute aufeinander treffen, die Fachliches wie Banales auf hohem Niveau diskutieren. Auch bin ich sehr dankbar für meinen brillanten Mentor.

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