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In Tel Aviv ein Stück deutsche Geschichte erfahren

Israel, Fahne, Flagge, Himmel [Quelle: freeimages.com, Autor: rodrigovco]

Quelle: freeimages.com, rodrigovco

Für ein Praktikum ging Anna-Lena nach Tel Aviv. Nur 70 Kilometer entfernt vom Gaza-Streifen hat sie gearbeitet und gelebt. Wie die Israelis in 'The Bubble' leben und wie sie mit der täglichen Bedrohung umgehen, hat Anna-Lena dort hautnah erfahren - und war überrascht. Dabei hat sie auch der direkte Umgangston ihrer Kollegen zunächst irritiert, bis sie den Grund erfuhr.

Unternehmen und Ort

Heskia Hacmun Law Firm, Tel Aviv, Israel

Position und Abteilung im Unternehmen

Praktikantin, keine Zuweisung zu einer Abteilung

Zeitraum

6. August bis 3. September 2012

Deutsche Botschaft als Kontaktvermittler

Auf der Website der deutschen Botschaft in Israel habe ich eine Liste mit israelischen Kanzleien gefunden, die deutsche Praktikanten aufnehmen. Die Kanzlei Heskia Hacmun hat mich besonders angesprochen, also habe ich mich mit meinem Lebenslauf und einem kurzen Motivationsschreiben per E-Mail beworben.

Aus meinen bisher sechs Semestern Jura-Studium habe ich Vorkenntnisse des deutschen Rechtssystems mitgebracht sowie sehr gute Englischkenntnisse und Grundkenntnisse des britischen Rechtssystems.

In Israel die deutsche Geschichte besser kennenlernen

Auch die Verbesserung meiner Sprachkenntnisse kam nicht zu kurz. Mit zwei Anwälten und mit zwei deutschen Rechtsreferendaren habe ich Deutsch gesprochen, ansonsten war meine Arbeitssprache Englisch. Da mein Hebräisch noch nicht gut genug ist, um auf dieser Sprache juristisch zu arbeiten, konnte ich nicht an allen Fällen mitwirken. Allerdings hat die Kanzlei eine Reihe von Fällen bearbeitet, die sich mit Ghettorenten und Restitutionsrecht beschäftigten. Bei der Bearbeitung dieser Fälle kam mir meine deutsche Juristenausbildung sehr zugute. Bei der Recherche habe ich viel über die deutsche Geschichte erfahren und über den Umgang deutscher Behörden und Gerichte mit Holocaust-Überlebenden und deren Nachfahren.

Ich habe in den vier Wochen nicht nur Recherchearbeiten übernommen, sondern auch viele Dokumente aus dem Deutschen ins Englische übersetzt. Außerdem habe ich einen englischen Zeitungsartikel über Ghettorenten geschrieben, die Sekretärin bei ihren täglich anfallenden Aufgaben unterstützt und Korrespondenz mit deutschen Behörden und Gerichten geführt.

Kommuniziert wird "gerade heraus"

In meiner ersten Woche musste ich mich zunächst an den Umgangston der israelischen Kollegen gewöhnen, da diese sehr offen und "straight forward" kommunizieren. Das habe ich zu Beginn als unhöflich und ungeduldig empfunden. Nach ein paar Tagen wurde mir allerdings bewusst, dass alle so miteinander umgehen. Mein israelischer Mitbewohner hat mich diesbezüglich aufgeklärt: In Israel ist man sehr direkt, denn man wolle ja keine kostbare Zeit verlieren, immerhin könnte morgen schon wieder ein Krieg ausbrechen.

Leben in der "Bubble"

In Gesprächen mit meinen israelischen Kollegen und Freunden habe ich den Eindruck gewonnen, dass vor allem in Tel Aviv, das auch "The Bubble" genannt wird, eine eventuelle Bedrohung durch radikal islamistische Terrororganisationen oder den Iran und sein Atomprogramm im Alltag komplett verdrängt wird. Stattdessen setzt man sich lieber auseinander mit den zu hohen Lebenshaltungskosten oder dem im Sommer doch sehr anstrengenden feucht-heißen Klima. Während in den deutschen Nachrichten die Rede von Massendemos und Kriegsvorbereitungen war, wurde ich in Tel Aviv eher ausgelacht, wenn ich mich bei meinen Kollegen erkundigt habe, ob sie bereits ihre Gasmasken abgeholt hätten. Kaum vorstellbar, dass der Gazastreifen nur etwa 70 Kilometer von dieser Stadt entfernt liegt.

Führung im israelischen Supreme Court

Mein persönliches Highlight war eindeutig der Besuch beim israelischen Supreme Court in Jerusalem und die Führung, an der ich dort teilgenommen habe. Während der Führung habe ich nicht nur etwas über die unglaublich komplexe Architektur des Gerichtshofes gehört, sondern auch viel über die Besonderheiten des israelischen Rechtssystems gelernt.

Es war etwas schade, dass zur Zeit meines Praktikums Gerichtsferien in Israel waren, und ich deshalb nicht an einer Gerichtsverhandlung teilnehmen konnte. Außerdem hat meine Kanzlei keine Fälle vor dem Rabbinergericht verhandelt, worüber ich gerne mehr erfahren hätte. Da neben mir noch zwei deutsche Rechtsreferendare in der Kanzlei beschäftigt waren, hatten wir leider nicht immer alle eine inhaltlich sinnvolle Aufgabe.

Nach kurzer Zeit heimisch

Insgesamt bin ich sehr froh, dass ich die Gelegenheit hatte, ein Praktikum in einer international ausgerichteten Kanzlei in Israel zu machen. Ich wurde vom ersten Tag an in das sehr junge und gut eingespielte Team integriert. Alle Kollegen waren sehr hilfsbereit und herzlich und haben viel Wert darauf gelegt, dass ich genug Zeit habe, um Tel Aviv und das Land zu erkunden. Bereits nach kürzester Zeit habe ich mich in Israel sehr heimisch gefühlt und habe nach dem Ende meines Praktikums meinen Alltag dort und meine Freunde unheimlich vermisst. Ich würde jedem Jurastudenten, der Interesse an Israel und internationalen Beziehungen hat, ein Praktikum bei Heskia Hacmun sehr ans Herz legen.

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