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Vom Ländle auf die lila Couch

Anne im Oktober 2003 als Stipendiatin des Monats.

Anne im Oktober 2003 als Stipendiatin des Monats.

Anne Dang (28) war im Oktober 2003 Stipendiatin des Monats - und hat ihre Pläne von damals recht gut erfüllt: Schwäbischen Kartoffelsalat zubereiten klappt problemlos, die gewünschte Dachterrasse genießt die BWL-Absolventin inzwischen auch - und das in London, wo sie bei einer Online-Agentur arbeitet. Und der erste der vier geplanten 29. Geburtstage steht auch bald an.

Was ist passiert, seitdem du Stipendiatin des Monats warst?
 Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als ich auf meiner Abschlussfeier die Hand meines Rektors schüttelte, meine Diplom-Urkunde in Empfang nahm und mir dachte: "Jetzt fängt das wahre Leben an." Und tatsächlich, das "wahre Leben" ist seitdem nicht zu kurz gekommen. Ich habe direkt nach der Uni eine Zeitlang bei einer Unternehmensberatung gejobbt - meine Orientierungsphase. Dann bin ich im Herbst 2005 nach England gezogen, um an der Lincoln University meinen MBA zu machen. Das bedeutete für mich einerseits, wieder mit anderen Studenten in einer WG zu wohnen, nächtelang in der Bibliothek zu wachen und Hausarbeiten zu schreiben. Andererseits habe ich wichtige Kontakte geknüpft und gelernt, zu präsentieren, diskutieren und zu verhandeln. Ich habe diesen Schritt nie bereut.
 
 Die Abenteuerlust zog mich schließlich nach London. Heute, zweieinhalb Jahre später, bin ich immer noch hier. Keine andere Stadt in Europa hat so viel Charakter und Drive. Und obwohl mich das Tempo manchmal außer Atem bringt, kann ich mir nicht vorstellen, irgendwo anders zu wohnen. Momentan arbeite ich als Programm-Managerin in einer Marketing-Agentur in Tottenham Court Road im Herzen von London. Ich bin verantwortlich für die E-Mail-Marketing-Strategien von Expedia EMEA & Asia Pacific. Das Agenturleben hat seine eigenen Herausforderungen, aber wer wie ich die Dynamik und die Abwechslung liebt, für den ist das genau das Richtige.
 

Bist du auf deine Auszeichnung als "Stipendiatin des Monats" angesprochen worden?
 Sehr oft sogar. Aber das hat vielleicht auch damit zu tun, dass ich wenig Gelegenheiten ausgelassen habe, um meine Freunde und Verwandten darauf aufmerksam zu machen. ;-)
 

Sieht es so aus, als ob deine Prognosen ("In zehn Jahren...") eintreffen könnten?
 So weit, so gut: Schwäbischen Kartoffelsalat zaubern? Ein Leichtes! Dachgeschoss-Wohnung? Komplett mit Terrasse und Bierbank-Set (wenn auch alles in Londoner Miniatur-Größe)! Köpfer vom Fünf-Meter Brett? Nicht mal im Entferntesten. Glücklicherweise habe ich noch einige 29. Geburtstage vor mir, um meine Prognosen zu erfüllen.
 

Wie lief dein Berufseinstieg?
 Ich muss gestehen, ich hatte wahrscheinlich Glück mit meinem Berufseinstieg. Nach meinem Abschluss in Lincoln wollte ich unbedingt den Sprung ins Online-Marketing schaffen, und als ich bei Yahoo! Europe auf der lila Couch im Vorstellungsgespräch saß, dachte ich mir: hier oder nirgendwo! Glücklicherweise kam nach zwei Tagen die Zusage. Eine Woche später saß ich mit meinen neuen Kollegen im Londoner Office, wo ich alles über Werbeformate, Vergütungsmodelle und Behavioural Targeting gelernt habe.
 
 Ich denke gerne an diese Zeit zurück. Yahoo hat eine ausgeprägte "Work hard – Play hard"-Kultur. Ich kann mich an lange Abende im Büro erinnern, ebenso wie an ausgelassene Partys in Londoner Nachtclubs. Nach einem Jahr war es für mich allerdings an der Zeit, andere Bereiche des Online-Marketings zu erforschen, weswegen ich zu der Agentur gewechselt bin, bei der ich momentan arbeite.
 

Hast du heute noch Kontakt zu e-fellows.net oder zu anderen e-fellows?
 Die meisten haben eine internationale Karriere angestrebt, was das Kontakthalten manchmal schwer macht. Aber glücklicherweise gibt es ja Social Networks und Billigflüge.
 

Und noch mal eine Prognose: Was machst du in zehn Jahren?
 Wenn man darüber nachdenkt, wo man sich in zehn Jahren sieht, gerät man leicht in Versuchung, die Zahl der erhofften Beförderungen (3), Eigentumswohnungen (2), Hunde (0), Katzen (1) und Kinder (2) quantifizieren zu wollen, aber erfolgreiches Leben lässt sich daran nicht unbedingt messen. Die Idee, die Freitagabende mit Abendsonne und Kartoffelchips auf der Terrasse zu verbringen, klingt immer noch verlockend für mich. Und auch wenn die Antwort auf bestimmte Fragen (Ich oder wir? Sicherheit oder Wagnis? Hier oder woanders?) mit 38 sicher anders sein wird als mit 22, hoffe ich, dass sich meine grundsätzlichen Werte nicht geändert haben werden. Auf gar keinen Fall möchte ich mich dabei ertappen, wie ich in zehn Jahren meine Sätze mit "Damals...", "Also heutzutage..." oder "Als ich noch jung war..." beginne.
 

Welchen Karrieretipp hast du für die e-fellows?

  1. Die richtige Einstellung kultivieren: Umstände sind in den seltensten Fällen ideal. Die Wahl besteht darin, die Mundwinkel hängen zu lassen oder sich einer Herausforderung mit Schwung zu stellen.
  2. Chancen und Gelegenheiten erkennen: Es ist eine Kunst diese zu enttarnen, da sie sich oft als "extra Arbeit" maskieren.
  3. Seine Stärken und Schwächen kennen: Der introvertierte Typ wird es im Vertrieb schwer haben; der kreative Typ wird wahrscheinlich in der Bilanzbuchhaltung nicht glücklich.
  4. Be happy, be cheerful – Life is too short
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