Partner von:

Eine moderne Liebesgeschichte: Wenn der Mensch den Burger liebt

Jennifer ist Stipendiatin des Monats September (Quelle: e-fellows.net)

Quelle: e-fellows.net

Wenn Menschen beim Anblick von großen Burgern und fetten Pommes leidenschaftlich 'Ich liebe es' hauchen, weiß Jennifer Bescheid: Es handelt sich um einen klaren Fall von 'Markenliebe'. In ihrer Promotion beschäftigt sie sich mit dem Phänomen der 'Liebesbeziehungen' zwischen Personen und Marken. Und nebenher unterstützt sie Arbeiterkinder dabei den richtigen Studiengang zu finden.

Psychologie studieren und Therapeutin werden, das kam für Jennifer nicht in Frage: Sie interessierte sich zwar schon zu Schulzeiten für Psychologie, doch zu groß waren ihre Vorurteile. Deshalb probierte Jennifer sich nach dem Abitur erstmal aus: Ihre Zukunft sah sie zunächst in einem kreativen Beruf und machte ein Praktikum in einer Designagentur. Der vermeintliche Traumberuf entpuppte sich jedoch bald als Kreativitätshemmer, und so stellte sich Ernüchterung ein. Danach schrieb sie sich für Lebensmittelchemie ein, merkte aber schnell, dass sie auch hier nicht glücklich werden würde. Statt an sich selbst zu zweifeln, setzte sich Jennifer fortan in Psychologievorlesungen, diskutierte mit Freunden und wälzte den "Zimbardo" – das Standardwerk für Psychologieinteressierte.

Was hat Schokopudding mit Psychologie zu tun?

Mittlerweile promoviert Jennifer und beschäftigt sich mit Konsumforschung und Ernährungspsychologie. Ihr Interesse daran, später in die Forschung zu gehen, verdankt sie ihrer die langjährige Tätigkeit als studentische Hilfskraft und der Mitarbeit an interessanten Projekten. So erforschte sie beispielsweise die Reaktionen auf unterschiedliche Schokoladenpuddings, mit dem Ergebnis: "Fett und Kalorien wecken Emotionen." Nur bei Menschen die auf Diät sind funktioniert das nicht, denn sie sind bereits an den "Light-Geschmack" gewöhnt. Aber nicht nur Fett und Kalorien können Emotionen wecken – oft ist es auch eine starke Marke, die uns zum Kaufentschluss verführt.

Was wir lieben

In Jennifers Doktorarbeit dreht sich deshalb alles um das Phänomen "Markenliebe". Denn tatsächlich kann zwischen Konsument und Marken ein Verhältnis entstehen, das über die Befriedigung funktionaler Bedürfnisse hinausgeht. Starke Marken verführen den Konsumenten dazu, eine emotionale Bindung aufzubauen, wie sie sonst nur zwischen Menschen zustande kommt. Interessant ist dieses Forschungsfeld besonders, weil mit dieser vermeintlichen Liebesbeziehung bereits in vielen Slogans kokettiert wird. Während amerikanische Burgerketten, Computerhersteller und britische Automobilhersteller so um neue Liebhaber buhlen, steckt die Forschung zum Phänomen "Markenliebe" jedoch immer noch in den Kinderschuhen.

Herzensprojekt Arbeiterkind.de

Neben der Promotion verfolgt Jennifer noch mehrere andere Projekte – ihr Herzensprojekt darunter ist die Initiative Arbeiterkind.de. Seit Jahren hält sie Vorträge an Schulen und klärt über Studien-, Förderungs- und Finanzierungsmöglichkeiten auf. Dabei handelt es sich aber nicht einfach um eine Studienberatung: Es geht darum, speziell Kindern aus Familien ohne akademischen Hintergrund die Angst vor dem Studieren, den Professoren und der Stipendienbewerbung zu nehmen: "Oft ist es für junge Leute schwer, wenn sie die ersten in der Familie sind, die studieren."

Mit den Schülern auf Augenhöhe

Jennifer geht es um den gegenseitigen Erfahrungsaustausch. Um die Scheu vor bürokratischen Hürden zu nehmen, wendet sie deshalb keine psychologischen Kniffe an, sondern berichtet aus eigener Erfahrung. Gerade weil sie selbst aus einer Nicht-Akademikerfamilie kommt, agiert sie auf Augenhöhe, schafft Vertrauen und Chancen. So vermittelt sie beispielsweise Schüler an passende Mentoren, hilft bei der Bewerbung fürs Stipendium und hält auf den ersten Schritten in eine akademische Laufbahn Kontakt zu ihren Schützlingen. Und das zahlt sich aus: "Bei jeder Stipendienaufnahme geht mir das Herz auf."

Den Perfektionsdrang einfach wegtrommeln

Einen Ausgleich zu Universität und Ehrenamt findet Jennifer in der Musik. Viele Musikinstrumente wanderten durch ihre Hände – hängen geblieben ist sie bei der afrikanischen Percussion. Die Ursprünglichkeit dieser Rhythmusarbeit macht Percussion für sie so besonders. Auch ihre kreative Ader hat sie wiedergefunden – heute malt Jennifer in ihrer Freizeit Acrylbilder. Die abstrakten Gemälde sollen Emotionen wecken, sind aber alles andere als leicht zugänglich: "Ohne einen Hinweis kann man schwer erkennen, was wirklich dargestellt wird." Warum das die richtigen Hobbys für jemanden sind, der sonst stets präzise arbeiten muss, Forschungsergebnisse auswertet und Verantwortung trägt? Sie bieten die perfekte Möglichkeiten, dem ständigen Perfektionsdrang einmal zu entfliehen: "Wenn man sich auf den Percussions verspielt oder sich bei einem abstrakten Gemälde vermalt, dann merkt das niemand."

e-fellow Jennifer über sich

Ich bin e-fellow, weil...

… ich mich ursprünglich über Berufsperspektiven und Karrieremöglichkeiten auf dem Laufenden halten wollte. Inzwischen schätze ich vor allem den interdisziplinären Austausch mit Studenten und Alumni der verschiedenen Fächer.

Ich studier(t)e mein Fach, weil...

… Psychologie viele Kernfragen der Menschheit untersucht, überall relevant ist, wo Menschen involviert sind und ein unglaublich breites Anwendungsspektrum aufweist. Der perfekte Studiengang für Menschen, die extrem vielseitig interessiert sind. Durch mein Interesse an Konsumentenforschung und Neuromarketing bin ich anschließend bei meiner Promotion in der Marketingforschung (Wirtschaftswissenschaften) gelandet.

Experte bin ich...

… beruflich für Psychophysiologie, Emotionsmessung, Konsumentenforschung und Neuromarketing. Daneben interessiere ich mich fachlich sehr für Ernährungspsychologie. Durch mein Engagement bei Arbeiterkind.de bin ich mittlerweile auch recht gut über Studienfinanzierungsmöglichkeiten informiert. Privat bin ich Expertin für katastrophale Interpretationen von Liedgut auf der Karaoke-Bühne.

Gar nicht geeignet bin ich für...

… ein Leben als Hausfrau oder dauerhafte Routine-Arbeit.

Meine Buchempfehlung für die e-fellows...

"Predictably Irrational" und "The Upside of Irrationality" von Dan Ariely. Sehr interessant für jeden, der sich mit dem Zusammenspiel von Psychologie und wirtschaftlichen Entscheidungen (Behavioral Economics) beschäftigen möchte.

Mein größter Traum ist es,...

… in einer globalen Gesellschaft zu leben, in der Toleranz, Verständnis und Freiheit die obersten Prinzipien sind. Auf der weniger abstrakten, persönlichen Ebene träume ich davon, mein eigenes Unternehmen zu leiten, daneben eine Honorarprofessur innezuhaben und weiterhin ein glückliches Privatleben zu führen.

In zehn Jahren...

… habe ich hoffentlich viele spannende Projekte bearbeitet, einige Dinge erforscht, die der Menschheit praktischen Nutzen bringen, meine Gemälde öffentlich ausgestellt und endlich New York, Kapstadt und Tokio gesehen.

Bei e-fellows.net gefällt mir besonders...

… der Austausch in der Community. Es ist einfach klasse, in sehr kurzer Zeit zu Fragen, von denen man selbst keine Ahnung hat, viele fachlich fundierte Antworten zu bekommen. Der Spaßfaktor ist dabei auch nicht zu vernachlässigen.

nach oben

Du möchtest uns einen e-fellow für ein Porträt vorschlagen? Dann schreib eine E-Mail mit einer kurzer Begründung an das Redaktionsteam.

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren