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Vom Student zum Botschafter der Vereinten Nationen

New York Skyline [Quelle: freeimages, Autor: marcuscg]

Quelle: freeimages, marcuscg

Mit anderen Ländern über die Probleme unseres Planeten diskutieren: Das können normalerweise nur Vertreter der Vereinten Nationen. Bei der Konferenz 'National Model United Nations 2013' in New York dürfen Studenten in diese Rolle schlüpfen. Dort debattierte e-fellow Marlon als Vertreter Indiens über Wasserversorgung als Grundrecht - und traf sogar die 'echten' Botschafter Indiens und Deutschlands.

Titel und Thema der Veranstaltung

Konferenz "National Model United Nations 2013"

Zeit und Ort

17. bis 21. März 2013 in New York

Am 15. März begann für mich die lange Reise nach New York. Ich hatte mich bereits im Sommer 2012  als Stipendiat bei der Stiftung der Deutschen Wirtschaft für die Teilnahme an der Konferenz beworben. Und nun sollte es wirklich losgehen!

Die Delegation der Stiftung sollte das Land Indien vertreten. Bereits der Hinflug aus Brüssel war ein besonderes Erlebnis, da ich mit Jet Airways, einer indischen Fluggesellschaft, flog und so gleich erste kulturelle Erfahrungen sammeln konnte. Und sie sollten nicht meine letzten sein.

Die Delegation der Stiftung bestand aus über zwanzig Teilnehmern, die einzeln oder zu zweit in verschiedenen Organen der UN das Land Indien repräsentierten. Ich selber war indischer Stellvertreter im Human Rights Council (HRC).

Alle unter einem Dach

Beim Check-in im Hotel – wir waren im sehr komfortablen Sheraton Hotel untergebracht – bekam man einen ersten Eindruck von den enormen Ausmaßen der Konferenz. Die gesamte Eingangshalle und der Konferenzbereich waren voller Studenten im Business Look. Ich kam mir in T-Shirt und Jeans ein wenig fremd vor. Die Teilnehmer unterhielten sich fröhlich auf Englisch und "trainierten" schon für die Konferenz.

Marlon National Model United Nations Konferenz New York

Nach dem ersten Gespräch mit meiner Delegation ging es in einen gigantischen Konferenzraum zur Eröffnungszeremonie. Hier wurden die Verantwortlichen vorgestellt und eine UN-Mitarbeiterin lobte die teilnehmenden Studenten für ihr Engagement. Nach der Zeremonie tankten wir neue Energie bei einem kleinen Ausflug zum Time Square, der nur fünf Minuten entfernt lag. Abends, als wir uns weiter auf die nächsten Konferenztage vorbereiteten, brummte das komplette Hotel wie eine laute Maschine wegen der ganzen Studenten, die lautstark über mögliche Themen und Vorgehensweisen berieten. Ich war wirklich überrascht, was für ein Engagement von den Teilnehmern vorgelegt wurde. Beeindruckend!

Wasser ist für alle da

Nach einer sehr kurzen Nacht ging es dann morgens im Anzug direkt in die erste Session. Im Human Rights Council standen folgende Themen auf dem Programm: "Strengthening Human Rights of Returnees and Internally Displaced Persons (IDPs) in Conflict-Ridden Regions",  "Access to Safe Drinking Water as a Fundamental Human Right" und "Deterring Discrimination and Violence Against Persons with Disabilities". Mit den ganzen Hintergrundinformationen dazu im Kopf wurde ich erst mal von der Lockerheit der Sitzungsvorsitzenden überrascht. Bei meiner ersten Teilnahme an einer "Model of United Nations"-Konferenz in Hamburg lief das Programm wesentlich strukturierter und weniger emotional ab. Man spürte hier die Spannung, die sich durch die Vielzahl an engagierten Studenten aufbaute.

Hitzige Diskussionen statt kühler Diplomatie

Nach der Begrüßung und Einführung sollte abgestimmt werden, welches der drei Themen diskutiert werden würde. Bei einem eher unwesentlichen Punkt brandeten bereits die ersten hitzigen Debatten auf, in denen lautstark für oder gegen eins der drei Themen Partei ergriffen wurde. Nebenbei konnte ich mir einen ersten Überblick verschaffen, wer welches Land vertritt und wer woher stammt. Mir wurde bewusst, dass ich erstens nicht der einzige Deutsche war und zweitens andere Nationalitäten wie China, Venezuela, Peru oder Japan ebenfalls vertreten waren.

Schlussendlich einigten wir uns doch mit großer Mehrheit auf das Thema der Wasserversorgung als Grundrecht. Darauf folgten die Reden der verschiedenen Nationen zu dem Sachverhalt.Es gab 2 Arten von reden: Grundsatzreden zum Thema und Plädoyers zur jeweiligen Meinung des Landes. Damit kamen wir den "echten" Sitzungen der Vereinten Nationen ziemlich nah.

Die Interessen der Golf-Staaten und der afrikanischen Staaten fielen dabei besonders auf. Die afrikanischen Staaten forderten eine konkrete Positionerung der westlichen Welt zu einer Unterstützung für den Aufbau von Versorgungsinfrastruktur und dem Ausbau bestehender Systeme, um die teilweise katastrophale Situation in den Ländern zu verbessern. Trotz der völlig unterschiedlichen Ausgangslagen der afrikanischen Länder (feudale Versorgung im Gegensatz zu modernen Versorgungsnetzen), wurde hier ein Grundkonsens gefunden. Die Golf-Staaten waren durch Konflikte in der Bevölkerung auch sehr an dem Aufbau eines funktionierenden Versorgungsnetzes interessiert. Durch die großzügigen Einnahmen aus Ölvorkommen waren sie - im Gegensatz zum Großteil der Konferenzteilnehmer - auch bereit, sich in großem Umfang finanziell zu beteiligen.

Mit dem Botschafter über Waffenabkommen sprechen

Am mehreren Tagen gab es freie Zeit für die Delegationen, um die Vertretungen ihrer Länder zu besuchen. Wir waren bei der deutschen und der indischen ständigen Vertretung der UN. Beim Gespräch mit der indischen Botschafterin konnten wir auch Fragen zu der politischen Ausrichtung des Landes zu unseren Themen stellen. Das ermöglichte uns eine noch konkretere Auseinandersetzung mit den Themen der Konferenz.

Der deutsche Diplomat überzeugte uns vor allem mit Wortgewandtheit und erstaunlich viel Detailinformationen zur deutschen Position. Da unsere Delegation gemeinsam mit der Delegation der Studienstiftung zu Besuch war, kam es zu interessanten Fragen und regen Debatten zum Beispiel über das Waffenabkommen, das zu dieser Zeit in der UN diskutiert wurde.

Ehrfurcht beim Knopf-Drücken

Unterbrochen von den Botschaftsbesuchen und kurzen nächtlichen Regenerationsphasen arbeiteten wir weiter an den "Working Papers". Diese Dokumente fassten die Ziele, Wünsche und Forderungen der mitwirkenden Länder zusammen und sollten Lösungsvorschläge bieten. Jede Nation arbeitete an einem eigenen Vorschlag und versuchte, Nationen mit anderen Meinungen vom eigenen Konzept zu überzeugen.

Schon bei den ersten längeren Diskussionen in den Sessions wurden die verschiedenen Positionen deutlich. In unserem Fall (dem Wasserversorgungsthema) standen die Interessen Europas denen von Südamerika und Afrika gegenüber. Die Fronten blieben über alle Tagungs-Sessions, bis auf wenige Ausnahmen, bestehen.  Die "Working Papers" entwickelten sich schließlich zu "Draft Resolutions". Diese bestehen aus den Inhalten der Working Papers, unterscheiden sich von diesen jedoch durch ein sehr spezielles Format, zum Beispiel sind die Sätze anders formuliert. Über die Draft Resolutions wurde am letzten Tag der Konferenz abgestimmt.

Marlon National Model United Nations New York 2013

Es folgte als Sahnehäubchen der Besuch im Gebäude der Vereinten Nationen, das direkt am East River liegt. Der etwas in die Jahre gekommene Bau war noch einmal ein absolutes Highlight zum Ende der Konferenz. Mehrere der Organe unserer Konferenz, auch das HRC, tagten bei ihrer letzten Abstimmung im großen Hauptsaal, was sehr beeindruckend war. Ein Gefühl von Ehrfurcht kam bei mir auf, als ich den Abstimmungsknopf drückte und auf der großen Anzeigetafel unter "Indien" meine Stimme wiederfand.

Fazit

Für mich war die Konferenz eine echte Bereicherung. Ich konnte mich in der englischen Sprache regelrecht austoben und erfuhr sehr viel über die unterschiedlichsten Länder. Am interessantesten war aus meiner Sicht die Auseinandersetzung mit dem eigenen Land, in meinem Fall Indien. Ich habe mich über die Tage der Konferenz hinweg wirklich mit dem Land identifiziert und tiefe Einblicke in die Probleme und Herausforderungen des Landes bekommen.

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