Arbeiten, wo der Pfeffer wächst

e-fellows.net Stipendiat des Monats Andreas in Madagaskar 174x100

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Eigentlich schrieb Andreas seine Abschluss-Arbeit für seinen Bachelor in "Außenwirtschaft (Internationale BWL)" an der ESB Business School Reutlingen ja über "Erneuerbare Energien - Entwicklungen im deutschen Markt und zukünftige Erfolgspositionen", aber in Deutschland hielt es ihn nicht lange. Kaum hatte er im Juli seine Bachelor-Arbeit abgegeben, reiste er auch schon ab: Nach einer Backpacking-Tour durch Südostasien mit Freunden zog es ihn nach Madagaskar - aber nicht zur Pfeffer-Ernte, sondern um seine Kenntnisse über erneuerbare Energien in einem anderen Land anzuwenden.
 

"Mora Mora" als Lebensmotto
 "Mora Mora" - sagen die Madagassen, wenn etwas nicht gleich auf Anhieb klappt. Das madagassische Sprichwort bedeutet: "Immer mit der Ruhe - aber sei auch glücklich, gelassen und zufrieden." Besonders zu Herzen nahm sich Andreas diesen Ratschlag, als in der Monsunzeit sintflutartige Regenfälle so stark auf das Wellblechdach der Schule prasselten, dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte. Von der Gelassenheit, mit der die Madagassen solche Situationen angehen, können sich gestresste Europäer noch einiges abschauen, meint der energiegeladene Andreas.
 

Bachelor-Absolvent und schon Dozent
 Andreas unterrichtete an der Hochschule ESSVA (École Supérieuere Spécialisée Vakinankaratra) in der Stadt Antsirabe als ehrenamtlicher Dozent die Fächer erneuerbare Energien, Wirtschaftsenglisch und -deutsch. Die Gelegenheit, sich auch mal als Dozent auzuprobieren, bot ihm der Rektor der Hochschule, der zehn Jahre in Deutschland studiert hatte. Gemeinsam einigten sie sich darauf, dass Andreas sich und sein bei der Bachelor-Arbeit erworbenes Wissen in Madagaskar weitergeben sollte. Andreas unterrichtete im Studiengang Ökotourismus und Management. Die Studenten lernen bei diesem Studiengang, wie sie ihre Heimat für Touristen attraktiv gestalten und nachhaltig wirtschaften können.
 

Noten für die Hochschule
 Neben seinen Unterrichtsstunden ergriff Andreas sogar die Gelegenheit, die Hochschulverwaltung zu beraten und ein Evaluationssystem einzuführen, mit dem die Studenten ihre Hochschule bewerten können. Das läuft jetzt auch ohne ihn weiter. Andreas reichte das aber noch lange nicht. Er wollte seine madagassischen Freunde noch stärker unterstützen.
 

Luftbrücke Reutlingen-Madagaskar
 "Bildung ist der Schlüssel zu einem besseren Leben", so der Leitspruch der madagassischen Hochschule. Das hat sich Andreas zu Herzen genommen und das "Bildungsaustauschsprogramm Reutlingen-Madagaskar" ins Leben gerufen. Ab dem kommenden Wintersemester können drei Reutlinger Studenten für ein Semester nach Madagaskar gehen, um sein Werk weiterzuführen. Dort bekommen die Studenten eine Unterkunft auf dem Campus der Universität. In Madagaskar unterrichten sie die Fächer Englisch und Deutsch. Momentan ist das Programm noch privat und Andreas sorgt gemeinsam mit ehemaligen Kommilitonen für Nachfolger und Organisation; er und der Rektor der madagassischen Hochschule planen aber bereits ein offizielles Hochschulprogramm. Außerdem wollen sie einen Förderverein für Madagaskar gründen.
 

Ein eigenes Unternehmen, bitte
 Aber seine berufliche Zukunft sieht Andreas nicht an der Uni, sondern in der Wirtschaft. Ein Semester später und wieder zurück in Deutschland machte er deshalb ein Praktikum bei KPMG, um Einblicke in Rechnungswesen und Controlling zu bekommen. Dabei unterstützte er vor allem ein Projekt, in dem die transaktionalen Accounting-Prozesse eines Mandanten deutschlandweit neu ausgerichtet wurden. Andreas half beim Implementierungsprozess mit, indem er die Meilensteine plante und ihre Entwicklung überprüfte. Ab September beginnt sein transnationales Master-Programm "Master in Management" an der ESCP Europe in London. Besonders toll findet Andreas an dem Master, dass er seinen Studienverlauf und seine Schwerpunkte individuell gestalten kann. So plant er bereits, nach zwei Semestern in London nach Paris zu gehen und sich dort auf "Entrepreneurships" zu spezialisieren. Nach dem Master möchte er eine eigene, international ausgerichtete Firma gründen. Dabei soll sich natürlich wieder alles um erneuerbare Energien und Entwicklungsländer drehen.

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