Partner von:

Toleranz geht durch den Magen

Brennende Asylbewerberunterkünfte machen zurzeit Schlagzeilen. Rabea und Jule wollen dem nicht tatenlos zusehen. Sie möchten Einheimische und Flüchtlinge in Europa zum Dialog bewegen - in einer Küche auf vier Rädern.

e-fellows.net-Alumna Rabea Haß und ihre Freundin Jule Schröder (beide 32) stellten auf Reisen immer wieder fest, dass die besten Gespräche in der Küche geführt werden, also beim gemeinsamen Kochen und Essen. "Die heimelige Küchenatmosphäre bringt Menschen näher zusammen. Dort tauscht man sich angenehm aus. Man kommt den Menschen ganz nahe, lernt etwas über deren Kulturen und schließt wunderbare Freundschaften", meint Rabea. Jahre zuvor, bei einer gemeinsamen Fahrradtour um den Bodensee, fiel Rabea und Jule ein Schiffcontainer auf. Schon damals dachten sie, so einen könnte man theoretisch zu einer mobilen Küche umfunktionieren. Es fehlte nur noch ein Stoß in die richtige Richtung.

Nichts geht ohne Unterstützung

Dieser Stoß kam Anfang des Jahres mit dem "Advocate Europe", einem großen Wettbewerb für Ideen, die den Zusammenhalt in Europa stärken. Rabea und Jule wollten mit ihrem Projekt unbedingt teilnehmen, hatten aber ihre Idee noch nicht richtig justiert: "Anfangs dachten wir an das Thema Jugendarbeitslosigkeit. Doch mit der Zeit wurde für uns immer offensichtlicher, dass die Flüchtlingsproblematik das entscheidende Thema in Europa würde. Außerdem ließ sich so unser Konzept des Dialogs aufrechterhalten. Wir wollten etwas Verbindendes schaffen: das Zusammenkommen zwischen Geflüchteten und Einheimischen", erzählt die 32-Jährige. Das Projekt "Kitchen on the Run" war geboren.

Ein ursprünglicher Schiffcontainer sollte fürs Land mobil und für 15 bis 20 Leute küchentauglich gemacht werden. Das Konzept: Einheimische bekochen Flüchtlinge und umgekehrt. Mit ihrer Bewerbung konnten sie die Jury überzeugen und eine Förderung in Höhe von 50.000 Euro einstreichen. Insgesamt soll das Projekt ganze 135.000 Euro kosten. Den Rest davon möchte Rabea mit einer Kampagne auf der Crowdfunding-Plattform Startnext einsammeln. Zeitgleich befindet sie sich auf Sponsorensuche. Bisher hat sie schon einen Druckpartner für Visitenkarten, Briefpapier und Postkarten gewinnen können, weiterhin einen Textilmacher für Geschirrtücher, Jutebeutel und Schürzen sowie eine Containerfirma, die ihr einen Schiffcontainer kostenlos zur Verfügung stellt. Den Container wandeln Architekturstudenten der TU Berlin gerade in eine mobile Küche um.

Auf den Spuren der Geflüchteten

Wenn die Finanzierung steht und der Küchencontainer hergerichtet ist, wollen Rabea und Jule auf Europa-Tour gehen. Im März fahren sie von Berlin nach Süditalien. Von dort aus geht es über Südfrankreich, das Ruhrgebiet und die Niederlande nach Südschweden. Die Wahl der Standorte ist im Übrigen kein Zufall: erstens nehmen die genannten Länder sehr viele Flüchtlinge auf und zweitens stellt der Weg eine typische Flüchtlingsroute dar. Über das Mittelmeer hinauf in den Norden. An jedem Standort wollen sie einen Monat lang bleiben. "Das Ziel ist keine Suppenküche, sondern ein gemütliches Beisammensein. Ressentiments sollen abgebaut und Freundschaften geschlossen werden", sagt Rabea dazu. Sie und Jule möchten sich während der Kocherei und Esserei eher im Hintergrund halten. "Wenn jemand wissen möchte, wie er einen bayerischen Knödel rollen soll, helfe ich ihm natürlich dabei. Aber unsere Aufgabe ist das Moderieren zwischen den beiden Parteien."

Der Austausch vor Ort soll langfristig angelegt werden und nicht mit dem Weiterziehen des Küchenmobils enden. Rabea möchte den Kontakt mit den Kommunen auf lange Sicht aufrecht erhalten. Neben dem Bürgermeister und/oder dem Stadtrat sind gemeinnützige Organisationen die Ansprechpartner des Projekts. So soll sichergestellt werden, dass der Austausch zwischen Geflüchteten und Einheimischen weitergeführt wird.

Rezepte und Geschichten werden aufgeschrieben

Was in der Küche gekocht und gesprochen wird, bleibt nicht in der Küche! Die Rezepte und Geschichten können Interessierte später in einem Blog mitverfolgen. Dieser wird dann im Anschluss als gebundenes Kochbuch erscheinen.

So könnt ihr e-fellow Rabea und ihrer Freundin helfen

Das Modell "Volo-Tourismus": Ihr wollt einige Tage Urlaub an einem der Standorte (Süditalien, Südfrankreich, Ruhrgebiet, Niederlande oder Südschweden) machen und nebenbei in der Küche behilflich sein? Dann könnt ihr euch gerne bei Rabea Haß melden.

Natürlich könnt ihr auch Geld und Lebensmittel spenden oder euch in der Rechtsberatung engagieren. Mehr dazu erfahrt ihr auf der Website des Projekts.

Kontakt:

Rabea Haß
Ideengeberin von Kitchen on the Run
Verein Containerküche Refugium / Über den Tellerrand e.V.
rabea@kitchenontherun.org
www.kitchenontherun.org

nach oben

Humanitäre Hilfe oder Start-ups: Hier stellen e-fellows ihre Initiativen vor. Du möchtest über deine eigene Initiative berichten? Wende dich an die Redaktion.

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren